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Überlieferung Oder Propaganda ?
#1

Zitat: quote Bjarka:

Das taten die Germanen tatsächlich, dazu gibt es mehrere Überlieferungen, z. B. schrieb Adam von Bremen (11.Jh.): >Alles, was bei den Barbaren (Schweden) verhandelt wird, entscheiden sie in Privatangelegenheiten durch das Los; in öffentlichen Dingen pflegen sie auch Orakelsprüche der Dämonen (Götter) zu erbitten.<

Hallo Forumsgemeinde,

bei den Schriftquellen, die im 12./13. Jhh. angefertigt worden sind, stellt sich die Frage nach dem Sinn und Zweck. Sollte dies eine Geschichtsschreibung sein, wie so oft vermutet, oder steckt da mehr dahinter?

Kevin P. Smith gibt in seinem Aufsatz (Dank an Popeye) von 1995 "Landnam: The Settlement of Iceland in Archaeological and Historical Perspective" die Bücher und Sagas der Isländer betreffend folgende Antwort:

"These documentes are the ideological foundations for a political system, not descriptions of cultural or ecological processes."
"Consequently, it is legitimate to question whether the mediaval texts help us to understand Iceland's settlement or should be used primarily as sources of information on the ideological foundations of thirteenth-century Icelandic society."

Somit stellen die Bücher und Sagas der Isländer keine Beschreibung ihrer Geschichte dar, sondern sollten die Machtverhältnisse des 12. bis 14. Jhh. legitimieren! Das 'cui bono' (Wem nutzt es?) wäre damit geklärt und auch, was von solchen Überlieferungen zu halten ist..



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#2
Hi!

Die isländischen Sagas dokumentieren eine eigenständige litararische Kultur. Soviel ist klar. Aber gleichzeitig bezieht sich der Inhalt oft auf das politische Verhältnis zu den norwegischen Königen. Soviel ist auch klar. Aber es gibt noch eine weitere Interessengruppe und zwar die Bischöfe. Sie hatten aus religiösen Gründen ein großes Interesse solche Schriften zu beeinflussen. Und da die meisten Schriftkundigen vom Klerus selbst ausgebildet waren, fiel der Meinungseinfluss auf Eddas, Sagas, Lidders auch dementsprechend deutlich aus.

Ja, und die Ahnungslosen glauben weiterhin jeden Buchstaben einer solchen "detailgenauen" Überlieferung.

[Bild: bash.gif]



“Seine Pflicht erkennen und tun, das ist die Hauptsache.” Friedrich der Große
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#3
Hallo Desperado!

Zitat:Die isländischen Sagas dokumentieren eine eigenständige litararische Kultur.

Ja, besonders die in Versform sind schön zu lesen.

Zitat:Gleichzeitig bezieht sich der Inhalt oft auf das politische Verhältnis zu den norwegischen Königen.

Bis dann 1262/64 Island doch noch unter die norwegische Krone kam.


Zitat:es gibt noch eine weitere Interessengruppe und zwar die Bischöfe
.

Ja. Ab dem Althing im Jahr 1000 nahmen neben den Godis auch zwei Bischöfe an dieser legislativen Versammlung teil. Die Bischöfe erhielten einen Teil des tithe (Zehnter) zu ihrer freien Verwendung.

Die nach der Besiedlung noch heidnischen Godis entschieden sich auf dem Althing im Jahr 1000 zur Ch**stianisierung Islands (Details laß ich jetzt mal weg). Die heidnischen Godis wurden somit zu Ch**stlichen Priestern. Von diesen Ch**stlichen Priestern wurden die isländischen Bücher und Sagas geschrieben!

Und dies zur Legitimierung der zu diesem (!) Zeitpunkt herrschenden Machtverhältnisse. Zum Zwecke dieser Legitimierung wurden teilweise Geschichten und vergangene Zustände von den Autoren konstruiert. Alles wurde schön alt gemacht (Macht muß "alt" sein und Chronologiekritik ist angebracht!) und poetisch ausgeschmückt.


Herzliche Grüße

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#4
Die professionell manipulierte öffentliche Meinung ...

wenn ich dann noch daran denke wie (hypnotische) Sprachmuster eingesetzt werden .... viele verinnerlichen sich diese und plappern sie so lange nach bis sie sie glauben.

http://www.heise.de/tp/deutsch/special/eco/18613/1.html

Anubis
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#5
Genau das ist der Punkt Anubis. Es werden bestimmte Sprachmuster und Meinungen vorgegeben. Ich will sagen: alle möglichen Themen werden vom Establishment besetzt und entsprechend "aufbereitet".

Innerhalb dieser Muster ist alles erlaubt, auch wenn es einer grellbunt und unmöglich haben will. Hauptsache innerhalb des Musters bleiben. Alles was außerhalb des Musters ist, wird nach bewährtem Rezept totgeschwiegen, denn wenn man etwas nicht weiß, kann man auch keine Meinung dazu haben.

Tue was immer ich will!
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