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Bio ist besser!
#1
Bio ist besser!

Wenn Michael Miersch, Dirk Maxeiner oder Udo Pollmer in Zeitungen oder Fernsehsendungen auftauchen, dann werden viele Halbwahrheiten über Bioanbau und Biolebensmittel verbreitet. Höchste Zeit, diese zurechtzurücken. Wir haben deshalb den wichtigsten Behauptungen dieser „Bio-Kritiker“ die Fakten gegenübergestellt.


Pestizide – harmlos oder gesundheitsschädlich?

Zitat:„Nach Ansicht führender Toxikologen sind die minimalen Pestizidmengen, die Endverbraucher aufnehmen, ungefährlich.“ (Miersch in Cicero 7/2008)

Die Aussage entspricht der amtlichen Sicht: Für Pestizide gibt es gesetzlich festgelegte Höchstmengen. Was darunter liegt, gilt als harmlos und gelegentliche Überschreitungen stellten keine akute Gefahr dar. Gegen diese Position spricht jedoch einiges:

In epidemiologischen Studien zeigen sich sehr wohl Wirkungen von Pestizidanwendungen, zum Beispiel ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krebserkrankungen und Parkinson oder eine verzögerte Entwicklung bei Kindern. Das bestätigt auch eine Auswertung von 124 Studien durch kanadische Wissenschaftler. Aus diesem Grund will die Europäische Union die Zulassungsregeln für Pestizide verschärfen und krebserregende oder erbgutschädigende Wirkstoffe verbieten.

Von den weltweit über 1.?350 Pestizidwirkstoffen können selbst gute Labore höchstens die Hälfte nachweisen und davon auch nur diejenigen, die löslich sind. Fest in das Pflanzengewebe eingebaute Rückstände lassen sich nicht messen. Wirken können sie trotzdem.

Grundlage der Grenzwerte sind vor allem Tierversuche, die nur bedingt auf den Menschen übertragbar sind.

Die Wechselwirkungen der Pestizide untereinander und deren Abbauprodukte sind bislang kaum untersucht. Wenig erforscht ist auch die Langzeitwirkung ständig aufgenommener kleiner Pestizidmengen. Bedenklich ist dies vor allem bei Pestiziden, die auch hormonell wirken.


Ist Bio gesünder?

Zitat:„Bis heute gibt es keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Bioprodukte gesünder seien. Der Ruf ist Gefühlssache ohne Faktenbasis.“ (Miersch in Cicero 7/2008)

Die erste Hälfte der Aussage stimmt. Ein solcher Beweis wäre auch schwer zu erbringen. Denn dazu müsste man über Jahrzehnte hinweg eine möglichst große Gruppe 100-prozentiger Bio-Esser mit einer Gruppe vergleichen, die sich konventionell ernährt. Alle Teilnehmer müssten zudem ein Leben lang ihrer Ernährung treu bleiben. Eine solche Studie wird es wohl nie geben.

Es gibt jedoch sehr wohl eine Faktenbasis, die darauf hinweist, dass Bioprodukte gesünder sind. Ökologische und konventionelle Lebensmittel wurden bereits in Hunderten von Forschungsarbeiten verglichen. Das Ergebnis:

Pflanzliche Bioprodukte enthalten deutlich weniger Pestizide und Nitrate. Sie weisen höhere Gehalte an gesundheitsfördernden sekundären Pflanzeninhaltsstoffen und tendenziell auch mehr Vitamin C auf. Zahlreiche dieser Arbeiten stammen aus dem europäischen Forschungsprogramm QLIF. So enthielten zum Beispiel einer Studie aus Polen zufolge Bio-Äpfel doppelt so viele Flavonoide und 80 Prozent mehr Vitamin C als konventionelle.

Eine Untersuchung aus 2007 mit Tausenden von Milchproben aus fünf europäischen Regionen (ebenfalls im Rahmen von QLIF) ergab: Biomilch enthält 15 bis 80 Prozent mehr fettlösliche Vitamine A und E sowie 40 bis 90 Prozent mehr an mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie Omega-3-Fettsäuren und konjugierte Linolsäure (CLA).

Es gibt einige Fütterungsversuche bei Tieren, die zeigen, dass Ökofutter bestimmte Parameter des Immunsystems positiv beeinflusst. Eine entsprechende Studie mit Menschen ist derzeit in Arbeit.
Zudem ist für die Herstellung von Biolebensmitteln nur ein Zehntel der in konventionellen Produkten erlaubten Zusatzstoffe zugelassen. Der Verzicht auf synthetische Farb- und Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker und andere problematische Zusätze verringert das Risiko von Unverträglichkeiten wie Pseudoallergien.


Kupfer im Biolandbau

Zitat:„Beim Obst- oder Gemüsebau wird mehr gespritzt als auf konventionellen Flächen, noch dazu mit schädlicheren Chemikalien. …?Bioäpfel werden zwölf- bis achtzehnmal mit Kupfer und Schwefel gespritzt. ...?Kupfer ist ein Schwermetall, das wir nie wieder aus den Böden kriegen. Es schädigt massiv das Bodenleben?... “ (Pollmer auf http://www.cicero.de)

Das Schwermetall Kupfer ist (anders als Quecksilber oder Kadmium) ein essenzielles Spurenelement und wirkt erst in höheren Dosierungen giftig. Es ist neben Schwefel das einzige Mittel, das Ökobauern gegen Pilzerkrankungen wie Mehltau einsetzen dürfen. Auch konventionelle Bauern verwenden es immer noch, wenn synthetische Fungizide versagen oder um Resistenzen bei Schädlingen vorzubeugen.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes verbraucht der Ökolandbau in Deutschland 20 Tonnen Kupfer im Jahr, die konventionelle Landwirtschaft 300 Tonnen. Eingesetzt wird Kupfer insbesondere beim Anbau von Hopfen, Weintrauben, Kartoffeln und Obst. Aus der konventionellen Landwirtschaft, wo Kupfer früher in Mengen von 35 bis 40 Kilogramm je Hektar (kg/ha) eingesetzt wurde, ist bekannt, dass sich das Schwermetall im Boden anreichern und negativ auf das Bodenleben, insbesondere auf Regenwürmer, auswirken kann. Deshalb ist der Einsatz von Kupfer für Ökobauern streng limitiert.

Obstbauern (auch ökologische) dürfen Kupfer generell nur vor der Blüte einsetzen. Je nach Blütezeit und Wetter sind das zwei oder drei, selten mehr Spritzungen. Biobauern dürfen laut EU-Öko-Verordnung insgesamt pro Jahr maximal 6 kg/ha Kupfer ausbringen. Die deutschen Anbauverbände haben diese Menge auf 3 kg/ha (Hopfen 4 kg/ha) halbiert. Dadurch ist sichergestellt, dass es nicht zu einer kurzfristigen Anreicherung im Boden kommt. (Lesen Sie hierzu auch das Interview)

Zur Abschätzung: Natürliche Böden enthalten zwischen 2 und 40 mg/kg Kupfer, im Schnitt also etwa 20 mg/kg. Der oberste Meter Boden enthält auf einem Hektar Fläche im Schnitt rund 280 kg Kupfer (Bodengewicht 1400 kg/m3). Davon wird ein kleiner Teil über das Erntegut ausgetragen. Das Ziel des Ökolandbaus ist es, nicht mehr Kupfer einzusetzen, als von den Pflanzen verbraucht wird, um das Gleichgewicht zu wahren. Aus diesem Grund arbeiten Institute und Praktiker seit Jahren daran, den Kupfereinsatz zu verringern oder ganz unnötig zu machen. Zu den größten Erfolgen zählt die Zucht pilzresis-tenter Rebsorten wie „Regent“. Hilfreich sind aber auch einfache Maßnahmen wie das Vorkeimen von Kartoffeln, die dadurch schneller wachsen und weniger stark von der Krautfäule betroffen werden.


Sind Biohühner stärker mit Salmonellen belastet?

Zitat:„Freilandhühner leiden verstärkt unter Salmonellen.“ (Miersch in Cicero 7/2008)

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat 2005 563 Legehennenherden auf Salmonellen untersuchen lassen und konnte den Erreger in 29 Prozent der Herden nachweisen. Von den Käfighaltungen wurden 33,5 Prozent positiv getestet, von den Öko-Freilandherden 26,2 Prozent. Die konventionelle Freilandhaltung schnitt noch etwas besser ab.

Kleine Erzeuger mit weniger als 3.000 Hennen hatten nur zu 15,8 Prozent Salmonellen im Bestand. Dagegen wurden die Labore bei zwei Drittel aller Großbetriebe mit mehr als 30?000 Legehennen fündig. Auch bei ähnlichen Studien des BfR mit Masthühnern und Mastputen schnitten die Kleinbetriebe wesentlich besser ab. Allerdings wurde dabei nicht nach Haltungsformen differenziert.

Dass sich die niedrigere Salmonellenrate bei Freilandhühnern auch auf die mikrobielle Qualität ihrer Eier positiv auswirkt, kann man bisher nur vermuten. Der Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (Fibl) Urs Niggli schreibt dazu: „Untersuchungen zum Vorkommen von Salmonellen auf der Eischale und in Eiern in Abhängigkeit vom Produktionsverfahren sind bisher nicht bekannt.“


"Freilandhaltung von Hühnern ist Tierquälerei"

Zitat: „Veterinäre der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover fanden heraus, dass Freilandhaltung nicht nur ökologisch schädlich ist, sondern auch für die Tiere weniger angenehm, als man früher dachte. Hennen, die unter freiem Himmel leben, werden häufiger krank und sterben im Durchschnitt jünger. (..) Freilandhühner leiden verstärkt unter Salmonellen und Wurmbefall, auch das Risiko einer Infektion mit Geflügelgrippe ist höher. Außerdem kommt es weitaus häufiger als im Käfig zu dem von Hühnerhaltern gefürchteten Federpicken und Kannibalismus.“ (Miersch in Cicero 7/2008)

Miersch bezieht sich auf die so genannte EpiLeg-Studie, die die Tierärztliche Hochschule (TiHo) von 2002 bis 2004 mit dem Landesverband der niedersächsischen Geflügelwirtschaft und dem Bundesverband Deutsches Ei als Kooperationspartner erstellte. Mit den Ergebnissen der Studie argumentierte die an der Erstellung beteiligte Käfigeier-Lobby gegen das Verbot der Käfighaltung. Die damalige Landwirtschaftsministerin Renate Künast bezeichnete die Studie zutreffend als „eine Fragebogenaktion unter Hennenhaltern“. Die Internationale Gesellschaft zur Nutztierhaltung (IGN) schrieb: „Erfahrungen aus anderen Ländern mit früher begonnenem Umstellungsprozess zeigen, dass Krankheitshäufigkeit und Mortalität in Legehennenhaltungen nicht vom Haltungssystem abhängen, sondern von der Auswahl der geeigneten Zuchtlinie, der tiergerechten, an das spätere Haltungssystem angepassten Aufzucht und dem richtigen, tierbezogenen Management im Legebetrieb.“

Die TiHo setzt sich seit Jahren vehement für die von ihr mit entwickelten so genannten ausgestalteten Käfige ein und verteidigt diese gegen die in anderen Ländern praktizierte artgerecht Volierenhaltung. Die IGN stellte dazu fest, die Ergebnisse der TiHo „widersprechen zahlreichen internationalen Untersuchungen.“

Richtig ist, dass Hühner in der Freilandhaltung vielfältigeren Einflüssen ausgesetzt sind, vom Wetter bis zu möglichen Parasiten. Das Problem dabei: Die einschlägigen Hühnerrassen wurden über Jahrzehnte auf Käfighaltung bzw. schnelle Mast hin gezüchtet, sind dadurch wenig robust und freilandtauglich und daher für eine ökologische Haltung nur bedingt geeignet. Auch ist die ökologische Haltung anspruchsvoller und schwieriger als die konventionelle. Es fehlte in den Anfangsjahren an begleitender Unterstützung und Forschung. Daher stellte die erste große Bestandsaufnahme der Öko-Hühnerhaltung in Deutschland reichlich Verbesserungsbedarf fest. Daran wird seither intensiv gearbeitet und geforscht.


"Tödliche Erkrankungen durch Mist als Gemüsedünger"

Zitat: „Naturdünger, also Mist, Kompost oder Gülle, kann riskante Keime transportieren. Da wird dann der Kopfsalat zur Gefahr. Die Salatpflanze kann beispielsweise über die Wurzeln aus dem Dünger Ehec-Bakterien aufnehmen. Die hat das Rind darin hinterlassen. Es gab sogar schon Todesfälle durch Ehec in rohem Blattgemüse.“ (Pollmer in Cicero 7/2008)

Es ist richtig, dass die Därme von Rindern und Kleinwiederkäuern (und auch die von Menschen) Erreger beherbergen, darunter auch Ehec-Bakterien. „Werden Wiederkäuer, die eigentlich Raufutterverzehrer sind (Gras, Heu), mit Getreide (Mais, Gerste) gefüttert, so verändern sich die Verdauungsprozesse und die physiologischen Bedingungen zugunsten von Ehec. Eine artgerechte Fütterung der Wiederkäuer senkt das Risiko“, schreibt dazu Urs Niggli vom FiBL.

Tatsächlich sind Ehec-Infektionen sehr selten. Das Jahrbuch der meldepflichtigen Infektionskrankheiten des Robert-Koch-Instituts verzeichnet für 2007 insgesamt 26 Ausbrüche mit 67 Erkrankten. Davon waren fünf Ausbrüche mit 17 Erkrankten lebensmittelbedingt. In zwei der fünf Fälle konnte Milch als Ursache festgestellt werden, die anderen drei blieben ungeklärt. Von allen aufgeführten 1.400 Ausbrüchen von Lebensmittelinfektionen (Salmonellen, Norovirus etc.) waren lediglich in vier Fällen Gemüse oder Gemüseprodukte die Ursache.

Urs Niggli erwähnt, dass die amerikanische Lebensmittelbehörde FDA seit 1995 18 Fälle von Ehec untersucht hat, davon betraf einer Spinat von einem ökologischen Produzenten. „Es konnte nachgewiesen werden, dass die Bakterien von einer gepferchten Rinderherde aus der Nachbarschaft per Wind verfrachtet wurden.“

Dass Gemüse so selten Salmonellen und andere Erreger überträgt, liegt daran, dass tierischer Dünger vor der Aussaat ausgebracht und in den Boden eingearbeitet wird. Eine Kopfdüngung, also Mist oder Gülle auf die wachsende Pflanze zu schütten, ist völlig unüblich.

Dass Salat Ehec-Erreger über die Wurzeln aufnehmen kann, haben amerikanische Wissenschaftler 2002 im Labor gezeigt, wo sie Salatpflanzen in stark mit Ehec kontaminierten Böden aufzogen und sie mit Ehec-verseuchtem Wasser gossen. Am Schluss ihrer Studie schrieben sie, dass nicht hinreichend erforscht sei, welchen Einfluss die Anbaupraxis auf den Höfen auf eine mögliche Belastung von Salaten mit Ehec habe. Im Klartext: Sie wissen nicht, ob ihr Laborversuch für die Wirklichkeit einer Gärtnerei überhaupt relevant ist.

Die Realität untersuchten Wissenschaftler der Uni Bonn. Sie verglichen die mikrobielle Belastung von Salat bei verschiedenen Düngerarten. Zwischen Mineraldünger und frischem Mist gab es keine nennenswerten Unterschiede.


"Bio braucht mehr Fläche und zerstört deshalb die Natur"

Zitat: „Der Biolandbau hat einen gewaltigen Nachteil für die Natur. Da die Ernten geringer ausfallen, benötigt er mindestens ein Drittel mehr Fläche, um gleich viel zu produzieren. Angenommen, alle Bauern der Welt würden auf "Bio" umstellen, wäre dies das Ende der Wälder, der Steppen, der Feuchtgebiete und der dort lebenden Wildtiere – ein Desaster für die Natur. Die dann frei laufenden Nutztiere würden riesige Areale benötigen. Im Jahr 2007 lebten bereits über eine Milliarde Schweine auf der Welt. Freilaufend würden sie ungefähr die Fläche Australiens benötigen. Ihre Ausscheidungen würden in kurzer Zeit die Böden zu Sondermüll degradieren.“ (Miersch in Cicero, 2/2008)

Die positiven Auswirkungen des Ökolandbaus auf die Bodenfruchtbarkeit, auf die Vielfalt von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen, auf die Qualität des Grund- und Oberflächenwassers sowie auf mögliche Klimaveränderungen sind durch eine Unmenge von wissenschaftlichen Arbeiten belegt. Die wichtigsten Arbeiten hat das FiBL zusammengestellt.

Es ist richtig, dass der Ökolandbau in industrialisierten Ländern etwa 20 Prozent geringere Erträge je Flächeneinhit bringt als die konventionelle Landwirtschaft. Den Kleinbauern in Afrika, Asien oder Südamerika bringt eine Umstellung ihrer bisherigen traditionellen Erzeugung auf Ökolandbau deutliche Ertragssteigerungen. Wissenschaftler der Universität von Essex haben mit Kollegen aus aller Welt die Daten von insgesamt 286 Projekten mit nachhaltiger Landwirtschaft aus 57 Ländern analysiert. Nicht alle davon entsprachen den strengen Öko-Standards. Das Ergebnis war überraschend: Im Schnitt ernteten die Bauern nach der Umstellung 79 Prozent mehr. Ivette Perfecto und Catherine Badgley, Professorinnen an der Universität von Michigan, haben die Daten von fast 300 Vergleichen zwischen Öko- bzw. nachhaltigem Landbau mit konventioneller Produktion ausgewertet und hochgerechnet. Ihre Zahlen zeigen, dass sich mit 100 Prozent Ökoanbau weltweit mindestens so viel Nahrung produzieren lässt wie derzeit. Vermutlich ist es sogar deutlich mehr, schätzen die beiden Wissenschaftlerinnen. „Der Öko-Landbau kann zur Ernährungssicherheit beitragen, er kann den Klimawandel abmildern und die Wasserversorgung verbessern“, heißt es in einem Tagungsbericht der Welternährungsorganisation FAO von 2007.

Die industrialisierte Landwirtschaft mit ihrem hohen Bedarf an Kunstdünger und synthetischen Spritzmitteln hat nach Expertenansicht dagegen keine Zukunft. Der Weltagrarrat, ein Expertengremium der UNO, ähnlich dem Weltklimarat IPCC, hat im Frühjahr 2008 einen ausführlichen Bericht vorgelegt. Darin kommen die 400 Fachleute zu dem Schluss, die moderne Landwirtschaft habe einen „signifikanten Anstieg“ in der Nahrungsmittelproduktion mit sich gebracht. „Aber die Vorteile sind ungleich verteilt und haben einen zunehmend unannehmbaren Preis, den Kleinbauern, Arbeiter, ländliche Gegenden und die Umwelt bezahlen müssen.“ Die Experten fordern den Wechsel von einer nur auf Produktivität fixierten Sichtweise hin zu einer ganzheitlichen Betrachtung der Landwirtschaft mit ihren vielfältigen Funktionen und Leistungen. Im Mittelpunkt sollten dabei die Bedürfnisse der Kleinbauern in den verschiedenen Ökosystemen stehen. Für deren wirtschaftliche und soziale Entwicklung müssten realistische Wege gefunden werden. Ein solcher Weg ist der Öko-Landbau.


Quelle: http://www.schrotundkorn.de
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#2
Hallo,

habe gerade diesen Artikel gelesen und wollte nur hinzufügen, dass der Getreideertrag mit der Umpflanzmethode sogar höher als beim konventionellen Anbau ausfallen kann. Ich selber habe keine Erfahrung damit, sondern es in einem Buch gelesen. Leider kann ich es auf die Schnelle nicht finden.
Das Thema wird auf jedem Fall in dem Buch kurz behandelt und erklärt. Ich glaube, das Buch/Broschüre hierß: Der Kleinsthof

Schöne Grüße
Sandra
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#3
Ich möchte den folgenden Aspekt besonders hervorheben, denn hinter den Zusatzstoffen verbergen sich sehr oft gesundheitlich schädigende Substanzen aus Laboren.

Zitat:Zudem ist für die Herstellung von Biolebensmitteln nur ein Zehntel der in konventionellen Produkten erlaubten Zusatzstoffe zugelassen.

Diese chemischen oder "natürlichen" Zusatzstoffe obliegen bisher keiner genauen Kontrolle. Denn bisher besagt das Lebensmittelrecht, dass die Hersteller selbst dafür verantwortlich sind, dass Lebensmittel und Lebensmittelzutaten die menschliche Gesundheit nicht gefährden.
Aber ist den Herstellern zu trauen?

Bio ist in jedem Fall besser, denn die erlaubten Zusatzstoffe sind nicht so bedenklich, und viele Hersteller versuchen auf Zusatzustoffe zu verzichten oder den Anteil so gering wie möglich zu halten. Lächeln
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#4
danke für die ausführlichen klarstellungen, insbesondere zu kupfer. dazu eine ergänzung aus der schweiz. bei uns hatten die konventionellen bauern kupfer aus ihren anbauempfehlungen gestrichen, denn sie wollten sich gegenüber bio abgrenzen. dann gabs nach weigen jahren massiv probleme, obwohl sie die üblichen künstlichsynthetisierten Fungizide einsetzten, weil der falsche mehltau virulenter wurde. plötzlich nahm man mit erstaunen zu kenntnis, dass wir biobauern diese resistenzen nicht hatten, sondern auf unseren pflanzen eine grössere biodiversität der vorhandenh pilze hatten, trotz der 4kg kupferspritzung pro ha+jahr! nun sind die offiziellen empfehlungen, man höre und staune, zu jeder spritzung (synth. fungizid) 100 bis 200 g kupfer beigeben, abschlussspritzung ca 1kg, maximalmenge 4kg (aber eben, man beachte, im gegensatz zu bio ist das zugelegt zu den synthetischen fungiziden).

ausserdem konnte an einem internationalen kupfersymposium in berlin vor einigen jahren belegt werden, dass der grösste teil der toxikologiestudien gegenüber bodenlebewesen (insbesondere regenwurm) im gewächshaus mit vorgängig sterilisierten Boden (zwecks standartisierung) gemacht wurden. auch hier ist die übertragung auf freiland nicht eindeutig gegeben. dies beweisst die praxis. seit jahren führen wir spatenproben in mit jährlich mit kupfer gespritzten rebparzellen durch, in einem fall kann ich das regenwurmvorkommen nach nun 20 jahren kupferapplikation immer noch belegen!
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#5
Dadurch, daß aktuell eine neue Sau namens "EHEC" durch die medialen Dörfer getrieben wird, habe ich im Tal einmal nach diesem Stichwort gesucht und prompt diesen Artikel entdeckt. Es wird einmal mehr Angst und Unsicherheit gestreut, diesmal ist nun Gemüse dran, nach dem Motto "Bloß nicht roh essen, ist ja EHEC drin!". Fleißig schreibt dann auch unser lokales Sonntags-Käseblättchen, daß die Deutschen jetzt keinen Salat und Erdbeeren mehr kaufen würden, und die Landwirte schon Umsatzeinbußen hinnehmen müßten ...

Die Quintessenz ist unter
Zitat:"Tödliche Erkrankungen durch Mist als Gemüsedünger"
ja eigentlich auch schon gesagt:
Zitat:Es ist richtig, dass die Därme von Rindern und Kleinwiederkäuern (und auch die von Menschen) Erreger beherbergen, darunter auch Ehec-Bakterien. „Werden Wiederkäuer, die eigentlich Raufutterverzehrer sind (Gras, Heu), mit Getreide (Mais, Gerste) gefüttert, so verändern sich die Verdauungsprozesse und die physiologischen Bedingungen zugunsten von Ehec. Eine artgerechte Fütterung der Wiederkäuer senkt das Risiko“, schreibt dazu Urs Niggli vom FiBL.

Also die Massentierhaltung zur Ausbeutung mit unnatürlicher Fütterung ist der Auslöser und Förderer der Verbreitung. Durch die anschließende Düngung der Felder mit Gülle werden die Keime dann erst richtig verteilt.

Ein (stellenweise etwas derb geschriebener) Artikel auf dem "Veganene Auge" faßt die Thematik nochmal zusammen:

Zitat:[...]
Die Artikel und Meldungen zur EHEC-Pest bleiben auch immer brav an der Oberfläche, so wie fast alles heutzutage. Tiefschürfende Gedanken nagen am Hirn, sozusagen. Dabei böte das Thema erschöpfenden Diskussionsstoff. Wenn schon die Kacke auf dem Feld verantwortlich sein soll, was wären denn die Alternativen? Für die meisten Menschen ist Scheisse auf dem Feld nicht etwa was sie ist: Eine ethische und ökologische Katastrophe auf mehreren Ebenen, sondern irgendwie natürlich. Landluft. Es ist ganz normal, wenn der öffentliche Raum nach Scheiße riecht. Wenn man sich mit Leuten unterhält, fällt auf dass Pflanzenwachstum von zwei Faktoren abhängt, da sind sich unisono alle sicher: Entweder „Chemie“, also _Kunst_dünger, oder Sklavenkacke. Dass der Zustand der Sklaven, bis zur Aberntung seiner Scheisse aber auch rein gar nichts mit Natur zu tun hat, da kommt er nicht an der gemeine Speziesist. Dementsprechend verblüfft sind die Gesichter wenn man von veganer Landwirtschaft spricht. Man sieht es direkt den Hals raufkrabbeln, den Protest, so nach dem Motto: „Vegane Landwirtschaft, wie soll dass denn gehen! Die Pflanzen brauchen doch Proteine!“ Man braucht aber Biomasse nicht durch Körper zu jagen um sie zu fermentieren und zu einem guten Dünger umzuwandeln. Die EHEC-Pest ist auf dem Feld? Wirklich? Na dann macht das Feld nicht zu Endlagern der Tierverwertung.

Quelle: http://veganesauge.wordpress.com/2011/05/25/ehec-pest-salat-macht-frauen-tot/

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Gruß

Wilder Mann
Das hast Du Dir so gedacht!
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#6
EHEC kommt - wie BSE, Schweine-, Vogelgrippe und Co. - aus dem Labor.
Es werden bestimmte Ziele verfolgt, wenn man solche Erreger plötzlich hysteriert.
Das Ziel vor Augen!
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#7
Interessant finde ich, daß die Lancierung entsprechender Meldungen stetig zuzunehmen scheint. Das arme Schaf kommt ja kaum noch zur Ruhe. Ist die eine Katastrophe überlebt, folgt schon die nächste.

Da könnte man den Verdacht hegen, einzelne Schafe werden immer wieder unerwünscht selbständig und drohen andere Schafe mitzureißen und Teile der Herde zu einem Ausbruch zu verleiten. Deshalb werden flugs die Hunde auf sie gehetzt um sie wieder hinter den Mauern der Angst unter Kontrolle zu bekommen. Kollateralschäden sind da einkalkuliert (schließlich lassen sich Schafe problemlos reproduzieren) und dienen als abschreckendes Beispiel, damit die Herde wieder geordnet in die Richtung läuft, in die man sie haben will.

Oder die Schäfchen sind durch die "Hege und Pflege" ihrer Herrn schlichtweg zu anfällig und degeneriert geworden.

Bio ist besser. Leider ist "bio" heutzutage allerdings nicht immer bzw. immer weniger mit "natürlich" gleichzusetzen (dem Schreckgespenst der Hirten).

Gruß, ?ono
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#8
Bio ist besser; aus dem eigenen Garten ist noch besser; alles andere ist völlig indiskutabel.
Tue was immer ich will!
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#9
Eine weitere Theorie zu EHEC: Ein bioterroristischer Anschlag.

Quelle: http://www.lifegen.de/newsip/shownews.php4?getnews=2011-05-29-5010&pc=s02
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#10
Das ist für mich ganz klar. Allerdings kommt der Terror hauptsächlich von denen, die uns offiziell davor bewahren wollen.


Der Rest ist dann teils "Fäkalmüll" von unzufriedenen Zwangsarbeitern auf den Feldern, teils der "islamistische Fäkalterror" - auch mit einer gewissen Realität.

Biologischer Anbau schützt da auch nicht davor, vermindert es aber vielleicht, da dort die Zufriedenheit der Arbeiter tendenziell besser sein könnte (Ausnahme sind die Sachen von den kriminellen Anbauern in Spanien und Italien, die wohl noch immer nicht kapieren, daß die Kolonialzzeit vorüber ist - für die beginnt sie erst wieder).

Mich juckt das ganze nicht - gut waschen, kein Müll kaufen und über günstigere Preise freuen.

Gruß
Erst wissen, dann denken. Erst denken, dann reden.
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