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"Bleib so, wie du bist"
#1
Hallo!

Zitat:"Bleib so wie du bist!"
Sicher haben die meisten hier im Forum diesen Satz bereits gehört. Meist als Wunsch zum Geburtstag oder ähnlichem geäußert. Der Angesprochene wird zu dem Zeitpunkt als sympathisch eingestuft, und darum soll er sich nicht (negativ) verändern.

Das mag natürlich auf den ersten Blick gut gemeint sein. Aber ich frage mich, ist es das wirklich? Ich meine, ich (wie vermutlich so ziemlich jeder in diesem Forum) möchte mich weiterentwickeln. Da scheint mir ein solcher "Wunsch" doch recht hinderlich zu sein. Man will sich ja verändern! Also warum sich diesem Befehl (wird normalerweise im Imperativ verwendet) fügen, oder auch nur widerspruchslos hinnehmen?

Was meinen die werten Leser hierzu? Seht ihr das anders?

Grüße
Das Glück ist mit den mutigen.
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#2
Von Bertold Brecht ist diese kleine Geschichte (frei nacherzählt):
Treffen sich zwei nach längerer Zeit einmal wieder, sagt der eine: „Mann, Du hast Dich ja gar nicht verändert!“. Da erschrickt der andere.
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#3
Hallo Rahastes,

ich sehe es genauso wie Du es schreibst. Es ist sicher in der Regel ein gut gemeinter Wunsch, falsch ist er dennoch (wegen der Behinderung der Weiterentwicklung). Also wäre es in meinen Augen sinnvoll zu widersprechen (ob laut oder zumindest in Gedanken). So etwas wie "Nein, ich werde lieber noch besser!" oder ähnliches sollte einem ja auch keiner krumm nehmen.

Schöne Grüße Winken

Glückskind
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#4
Von Bertold Brecht ist diese kleine Geschichte (frei nacherzählt):
Treffen sich zwei nach längerer Zeit einmal wieder, sagt der eine: „Mann, Du hast Dich ja gar nicht verändert!“. Da erschrickt der andere.

Die Geschichte kenne ich, sie drückt ja damit aus daß das Neue besser als das Alte ist, und man sich für eine Fortführung von immer gleichen Verhaltensweisen schämen soll. Doch darauf beruht ja gerade Tradition!

Das was man ist, das bleibt man doch sowieso, nur die äußerlichen Gegebenheiten verändern sich.
Daher würde ich den Spruch als gut beurteilen, ein Sei so wie du bist wär noch besser.

Grüße

Benu
"In deiner Treu' liegt deines Glückes Pfand."
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#5
Benu schrieb:Das was man ist, das bleibt man doch sowieso, nur die äußerlichen Gegebenheiten verändern sich.
Dann frage ich dich: Bist du derselbe wie vor, sagen wir, einem Jahr? Hast du keine neuen Ansichten gewonnen, nichts in dieser Zeit gelernt, was sich auf deine Person (dein Wesen) ausgewirkt hat?

Die äußeren Gegebenheiten, wie du sie nennst, ändern sich zweifellos. Aber nicht von allein, man selbst ändert sie. Nämlich durch sein Handeln. Und dieses ist wiederum in der eigenen Person begründet.
Ich gehe natürlich hier von einem bewusst handelnden Menschen aus, nicht von einem der sich treiben (lenken) lässt.

Grüße
Das Glück ist mit den mutigen.
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#6
Mein beschränkter Wissensstand hat sich gewandelt. Allerdings frage ich, bin ich das?
Und wenn man die Verhaltensweisen über längeren Zeitraum betrachtet, so ist doch jede Neuerung sei sie im ersten Moment gut, ein weiterer Schritt von der Natur weg.

Schau doch mal in die Geschichte. Wären die rechtzeitig so geblieben wie sie sind, hätten sie diesen Schmutz nicht.

So wie ich das verstanden habe, siehst du darin: Bleib stehen, und kehre folglich nicht zu deinen Wurzeln zurück. Da kommt es dann darauf an was man als "Ich" oder "Du" ansieht.
Wenn du da die Logik mit meinst, dann hast du durchaus recht mit deiner Aussage.


Grüße

Benu
"In deiner Treu' liegt deines Glückes Pfand."
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#7
Ich lese diese Geschichte von Brecht eher so, daß kaum jemand "perfekt" ist, und keiner Weiterentwicklung, Änderung mehr bedarf, weil ja auch kaum jemand mehr ursprünglich ist. Das sind wir vielleicht noch gerade bei der Geburt, oder sogar nur bei der Zeugung, denn dann beginnen ja bereits verändernde und auch störende oder verzerrende, behindernde usw. Einflüsse.
Bewußte spätere Veränderungen sind natürlich nicht für sich genommen gut. Aber Stillstand im bereits Verkehrten ist es ja ebensowenig.
Der Fokus sollte vielleicht auch eher auf das Eigentliche, den Kern gehen. Und weniger auf alt und neu, denn was heute neu ist, war vorgestern vielleicht auch da und wurde dann nur vergessen, ist insofern also schon alt. Und genauso kann, was alt ist, trotzdem bereits unerkannterweise verzerrt sein.
Eine Entwicklung (im weiteren Sinne Änderung) bezieht sich also auf den Jetztzustand, nicht auf den Ursprungszustand. Wenn wir uns also entwickeln, ändern wir uns aus dem Jetztzustand, und günstigstenfalls nähern wir uns damit dem eigenen inneren Kern (worauf das Wort Entwickeln ja auch hindeutet).
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#8
Zitat:Treffen sich zwei nach längerer Zeit einmal wieder, sagt der eine: „Mann, Du hast Dich ja gar nicht verändert!“. Da erschrickt der andere.

Das heißt, der Angesprochene war der Ansicht, er hätte sich weiterentwickelt, was sein Gegenüber mit seiner Aussage (vielleicht auch Schublade) dementiert.


Zitat:Mein beschränkter Wissensstand hat sich gewandelt. Allerdings frage ich, bin ich das?
Und wenn man die Verhaltensweisen über längeren Zeitraum betrachtet, so ist doch jede Neuerung sei sie im ersten Moment gut, ein weiterer Schritt von der Natur weg.

Schau doch mal in die Geschichte. Wären die rechtzeitig so geblieben wie sie sind, hätten sie diesen Schmutz nicht.

So wie ich das verstanden habe, siehst du darin: Bleib stehen, und kehre folglich nicht zu deinen Wurzeln zurück. Da kommt es dann darauf an was man als "Ich" oder "Du" ansieht.
Wenn du da die Logik mit meinst, dann hast du durchaus recht mit deiner Aussage.

Das verstehe ich nicht! Was soll das sein???
Kein besserer Freund – kein schlimmerer Feind!
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#9
@ Inte
Und was war vor der Zeugung?

@ Benu
So kann man freilich auch dem Alkoholismus eine gute Seite abgewinnen.
Wäre G.W.Bush Alkoholiker geblieben, wäre dem Planeten eine Menge nutzloses Zeug erspart worden.

Was für sich genommen allerdings völliger Blödsinn ist.
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#10
Ah, ich habe jetzt schon lange drüber nachgedacht wo mein Gedankenfehler lag.

1. Ich sah in Veränderungen nur den negativen Teil, nämlich das Verändern des Natürlichen. Und nicht die Rückkehr zur Natur im Sinne davon das Schlechte zu verändern.
2. Ich habe mich durch den Satz von Berthold Brecht aus dem Konzept bringen lassen und bin vom "Bleib so wie du bist", abgekommen.

Mittlerweile tendiere ich dazu zu sagen:

"Bleib so, wie du bist ist" ist eine Verfluchung, da es hier schließlich unvollkommen ist, und man folglich an den hiesigen Gegebenheiten gebunden werden soll.

„Mann, Du hast Dich ja gar nicht verändert!“, kann hingegen sowohl positiv als auch negativ sein. Entweder war man zum letzten Zeitpunkt auf einem hohen Stand, oder auf einem niedrigen.
Sicher ist dabei jedoch daß mit der Zeit der Stand immer weiter sinkt, daß ist nunmal der hiesige Verschleiß. Und eben daß soll hier verhüllt werden, Veränderung wird mit Verbesserung gleichgesetzt.

Mein Text davor war selber ein Fehler, indem ich Logik als Einzelnes gesehen habe. Wobei ich jetzt gerne genauer gewusst hätte, was bei dem "Du" erfasst wird.
"In deiner Treu' liegt deines Glückes Pfand."
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