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Bran´s Arbeiten
#1
Die Arbeiten des Bran
BRAN, der sich quer über den Fluß legte,
den Kopf am einen Ufer, die Füße am anderen,
sprach: Wer der G*tt ist, der sei auch die Brücke!
Und so konnten das Volk und die Viehherden
von einem Land ins andere gelangen.

Sie verließen das Land, wo die Nacht anbricht
für das Land, wo der Morgen dämmert.

Bran spürte kaum auf seinem Körper
die Last der Menschen, der Krieger und der Rinder.

Etwas schwerer drückten ihn schon
die schwangeren Frauen; und die Blinden,

die, so sehr sie den Kopf auch zurückwenden mochten,
niemals den Nebel über den heimatlichen Hügeln sehen würden.

Der letzte, der den Fluß überquerte, war der Barde,
der sich gerade an ein neues Lied zu erinnern versuchte
und auf den Lippen, mit der Stimme, suchte er
ein Detail, das den Turteltauben des Westens eigen war.

Ein Sprichwort ging ihnen allen nicht aus dem Kopf:

Auf dem Ast einer Weide überlasse ich mein Herz
der Nacht, dem Regen, der Kälte!

Bran spürte auf seinen Nieren die Last
der Schwermut des Barden,
und um es diesem im Lande des Sonnenaufgangs zu ermöglichen,
seinem Herzen dort ein neues Nest schaffen,
befahl er den Weiden des Flußufers,
daß sie ihm durch das Tal folgen sollten - alle bis auf eine,
die Bran für sich selbst zurückbehielt,
für den Fall, daß er eines Tages aufhören sollte, G*tt zu sein,

um stattdessen ein Sänger verlorener Landschaften zu werden.

Als er sich erhob, bemerkte Bran eine Lerche,
die einen Ast schüttelte, und er sprach:

Animula, vagula, blandula!

Denn er war ein G*tt, Bran mit dem erhobenen Haupt,
und er mochte die Vögel nicht,

ebensowenig wie das Schmetterlingsgeflatter der Erinnerungen.
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