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Entschuldigung
#1
Hallo!

Gestern haben wir ja mal etwas über das Wort Entschuldigung geplaudert. Skuld (=Schuld) ist eine der drei Nornen und steht für eine Wirkung in der Zukunft. Wenn man nun um Entschuldigung bittet, dann in der Hoffnung, daß einem eine Wirkung in der Zukunft erspart bleibt. Wenn ich zum Beispiel jemanden den Arm breche und Entschuldigung sage, erwarte ich vom Gegenüber, daß er die Entschuldigung annimmt und nicht nachtragend ist. Es wird jemand anderes Gebeten, einem selbst nicht die Rechnung zu präsentieren. Damit kann natürlich auch keine Verantwortung für das eigene Tun übernommen werden.

Im Klartext: Ein Versuch, das Gesetz von Ursache und Wirkung auszuhebeln!

Gruß Hriki
(Diese Nachricht wurde am 17.10.02 um 07:30 von Hriki geändert.)
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#2
Guten Morgen Hriki,


hier mal mein Teil dazu, denn deines klingt als enthielte das Wort selbst es, dass die Ursache verhindert werden soll, dabei ist das nur etwas das im Zusammenhang mit dem Vorgang der Entschuldigung propagiert wird. Auch hier wurde viel verdreht.

Denn ent-schulden heißt seine Schuld zu begleichen, wenn ich also jemanden um Entschuldigung bitte sage ich tatsächlich "bitte lass mich meine Schuld begleichen/auflösen".
(so habe ich das gestern jedenfalls verstanden, sollte ich das mißverstanden haben lasse ich mich gerne korrigieren)



Dann hier noch etwas zu Skuld (im net gesammelt):




Skuld ist die Norne der Zukunft

Skuld ist die Norne der Zukunft. Emotionslos und unerbittlich setzt sie die Zwänge des Schicksals um. Sie ist die Göttin des göttlichen Gesetzes, die Hüterin der göttlicher Gerechtigkeit, die oftmals das menschliche Verstehen übersteigt, und des göttlichen Gesetzes . Sie ist aber auch die Norne des Todes oder Besser des Vergehens oder der Auflösung (als natürlicher Teil des Schöpfungsgeschehens und des Lebens).


Skuld

(nord. "Schuld, Zukunft") Skuld ist die jüngste der drei Nornen. Sie steht für das Werdensollende und ist die jüngste der Nornen.
Diese drei Nornen heißen Urd, Verdandi und Skuld (Edda, Voluspa 20).

Quelle <a href="http://www.sungaya.de/schwarz/germanen/skuld.htm]schwarzes netz.de</a>

Gelegentlich wird Skuld zu den luftreitenden Walküren gezählt (Voluspa 24, Grimm 1992 S. 335) befindet, daß sie als die jüngste der drei Nornen von diesen auch am ehesten zu jenen Kriegsjungfrauen zu denken ist.).

Wie auch Heidr oder Hamglöm streift Skuld nächtens durch die Wälder, ehrerbietig wird sie von den Menschen eingeladen und um Weissagung gebeten. Auf dem Schemel Seidhjallr sitzend läßt sie diese an ihrem Zauber Seidr teilhaben.

Von F. G. Klopstock stammt die Ode "Skulda" (1766).

Skulda

Ich lernt es im innersten Hain,
Welche Lieder der Barden, ah,
In die Nacht deines Tals sinken, Untergang,
Welch auf den Höhen der Tag bleibend umstrahlt.

Ich sahe - noch beb ich vor ihr -
Sah der richtenden Norne Wink;
Ich vernahm hör ihn noch - ihres Fluges Schlag,
Daß bis hinauf in des Hains Wipfel es scholl.

Gekühlt von dem wehenden Quell,
Saß und hatt auf die Telyn1 sanft
Sich gelehnt Braga. Jetzt brachte Geister ihm,
Die sie, in Nächten des Monds, Liedern entlockt,

Die Norne Werandi, und sie
Hatt in Leiber gehüllt, die ganz
Für den Geist waren, ganz jeden leisen Zug
Sprachen, Gebilder, als wär s wahre Gestalt.

Zehn neue. Sie nahten. Nur eins
Hatte Mienen der Ewigkeit,
Vom Gefühl seines Wertes schön errötend, voll
Reize des Jünglings und voll Stärke des Manns.

Mit Furchtsamkeit trat es herzu,
Als es stehen die Norne sah,
Die allein nach des Tags fernen Hügel führt
Oder hinab, wo die Nacht ewig bewölkt.

Nachdenkender breitete schon
Skulda schattende Flügel aus;
Doch es sank nieder noch ihr der Eichenstab,
Dessen entscheidender Wink Toren nicht warnt.

Die Neune betraten den Hain
Stolz und horchten mit trunkenem Ohr
Dem Geschwätz, welches laut Stimmenschwärme schrien
Und von dem wankendem Stuhl Richter am Tal.

Sie schreckte das Lächeln im Blick
Skuldas nicht, und sie schlummerten,
Noch getäuscht, ahnungsfrei, auf den Kränzen ein,
Welche jetzt grünen ihr Traum, welken nicht sah.

Ah, Norne! ... Sie hub sich im Flug,
Schwebt und wies mit dem ernsten Stab
In das Tal. Taumellos endlich schlichen sie
Kürzeren, längeren Weg, aber hinab.

Dem einen nur wandte sie sich
Nach den schimmernden Hügeln hin.
Es entfloß Lautenklang ihrer Flügel Schwung,
Da sie sich wandt , und der Stab Ewigkeit wies.

1Telyn: Die Leier der Barden

Nach: Klopstock, Oden und Epigramme.
Reclam Universal-Bibliothek 1391 - 1393, Leipzig. o.J.








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#3
Hallo hriki, hallo Sothis,

ich glaube hier besteht die Diskrepanz zwischen Wort und dem, was heute unter dem Wort verstanden wird. Ent-Schulden heißt seine Schulden zurückzuzahlen, und das sollten wir niemanden verweigern. Wenn aber jemand sagt: "Verzeih mir" oder "Vergib mir" wird es schon eher problematisch, denn dann meint der tatsächlich, wir sollten es vergessen bzw. dem Kosmos ein entsprechendes Signal liefern.



Entweder man findet einen Weg oder man schafft einen Weg!
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#4
Hallo werter Lord,


genau das habe ich sagen wollen: das, was die tatsächliche Bedeutung ist und das, was daraus gemacht wurde.

lieber
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#5
Genau, wer sich bei mir ent-schulden will, nur zu. Da warte ich schon lange drauf, aber zu meinen Bedingungen, weil derjenige sich einst ungerecht o.ä. gegen mich verhielt. Also hat der was wieder gut zu machen. Ich halte die Hand auf und sage irgendwann: ent-schuldung abgeschlossen bzw. Entschuldigung akzeptiert. Allerdings käme ich nie auf die Idee, jemanden ohne Gegenleistung eine ent-schuldung zu gewähren. Das wird zwar heute unter dem Wort verstanden, aber das ist es für mich ganz bestimmt nicht.
Sei!
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#6
Violetta,

das war super! Fettes Grinsen mit wenigen Worten alles auf den Punkt gebracht *Daumen hoch*
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#7
hi alle,

ich verstehe das so, dass jemand eine schuld bei mir besitzt. also einen schuldschein, den er wieder ablösen muss. irgendwann kommt dann dieser jemand und sagt, er möchte sich entschulden. da sage ich: "dann bekomme ich von dir diese und jene gegenleistung". er zahlt es und dadurch schließt sich der kreis. wir sind wieder quitt und derjenige hat sich ent-schuldet.

wenn er aber kommt und sagt, ich sollte den "schuldschein" ohne gegenleistung zurückgeben, dann war der schein tatsächlich, vergebens oder vergeblich und zudem bittet er darum vergeblich, denn es gibt für mich kein vergeben.

Daphnee

show no mercy

:-)









(Diese Nachricht wurde am 17.10.02 um 09:52 von Daphnee geändert.)
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#8
Zitat:hi alle,

ich verstehe das so, dass jemand eine schuld bei mir besitzt. also einen schuldschein, den er wieder ablösen muss. irgendwann kommt dann dieser jemand und sagt, er möchte sich entschulden. da sage ich: "dann bekomme ich von dir diese und jene gegenleistung". er zahlt es und dadurch schließt sich der kreis. wir sind wieder quitt und derjenige hat sich ent-schuldet.

wenn er aber kommt und sagt, ich sollte den "schuldschein" ohne gegenleistung zurückgeben, dann war der schein tatsächlich, vergebens oder vergeblich und zudem bittet er darum vergeblich, denn es gibt für mich kein vergeben.

Daphnee

show no mercy

:-)

Genau so würde ich das auch sehen. Es mag sein, daß man mal die ein oder andere Sache, die nicht schwer wiegt, vergißt, aber Vergebung gibt es nicht *wie zitiert*, außer der Schuldner begleicht seine Schulden. Angemessen natürlich!
Wenn man in Zukunft wieder mit dieser Person zu tun hat, ist man sicherlich vorsichtiger. Mal davon ausgegangen, daß die Person die Schuld mit vollem Bewußtsein, sprich: vorsätzlich, auf sich genommen hat, (was ja in den meisten Fällen eh schwachsinnig zu sein scheint -Bewußtsein-), hat man wohl daraus gelernt.
Da es keinen Zufall gibt, geschieht ja nichts aus Versehen.

Bragi
(Diese Nachricht wurde am 17.10.02 um 15:20 von Bragi geändert.)
Kein besserer Freund – kein schlimmerer Feind!
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