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Gentechnik Neuigkeiten
#71
In der aktuellen Schrot&Korn wird die US-Umweltbehörde widerlegt.

Kanadische Wissenschaftler haben das Bt-Toxin "Cry1Ab" in Frauen und Neugeborenen nachgewiesen.

Dieses Toxin wird ursprünglich von der Bakterienart "Bacillus thuringiensis" produziert. Bei bestimmten Insekten kommt es im Verdauungstrakt zur Entfaltung des Giftes und zerstört die Zellen.

In Genmais und Genbaumwolle ist dieser toxische Stoff "eingebaut" und soll als "natürliches" Pestizid dienen.

Die US-Umweltbehörde EPA argumentierte, daß Bt-Toxine auch in größeren Mengen für den Menschen nicht akut giftig seien. Angeblich wird der Stoff im Verdauungstrakt abgebaut. Mehrere Fütterungsversuche weisen jedoch darauf hin, daß sich der Giftstoff negativ auf das Verdauungssystem auswirken kann.


Anmerkung:

Ganz grob zusammengefaßt, hat die Natur ein natürliches Selektionsverfahren. Ob nun in Funktion eines Raubtieres oder in Form eines Bakteriums. "Das Raubtier und das Wild müssen..." Ich schweife ab ... ein natürlicher Kreislauf eben... Blinzeln
Wenn man nun versucht die Natur zu verbessern, hat es immer wieder Folgen! Und was für ein Insekt giftig ist, hat natürlich auch für den Endverbraucher Konsequenzen!
"Das Gift entfaltet im Verdauungstrakt seine Wirkung." Und dann fragt noch einer, warum es sich negativ auf das Verdauungssystem auswirkt...???
Und da ein menschlicher Körper nur Stoffe abbauen kann, die er zu sich nehmen sollte, ist es eigentlich auch nachvollziehbar, daß sich Fremdstoffe im Körper anreichern können...

Man sollte sich die Frage stellen, was heute noch ein Lebensmittel definiert...Uebel
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#72
Portugiesische Wissenschaftler haben untersucht, inwieweit Studienergebnisse beeinflusst werden, wenn bei Forschungen an gentechnisch veränderten Organismen Verbindungen zu Gentechnikunternehmen bestehen.

Alle 41 Untersuchungen, bei denen mindestens 1 Mitarbeiter eines Bio-Tech-Unternehmens beteiligt war, das an GVO Interesse hat, lassen die Gentechnik ausnahmslos in positivem Licht erscheinen.

"Die Ergebnisse zeigen, daß berufliche Verbindungen oder direkte finanzielle Unterstützung wahrscheinlich das endgültige Ergebnisse solcher Studien im Sinne des kommerziellen Interesses der involvierten Unternehmen beeinflussen." So die Aussage der Wissenschaftler.

Quelle: Schrot&Korn

Was soll man dazu noch anmerken. Außer vielleicht, daß die Aussage der Wissenschaftler noch sehr nett formuliert ist...
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#73
Na, wenn das die Wissenschaft bemerkt, dann muß das ja auch wohl wahr sein.

Wer braucht die eigentlich?
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#74
Gentechnik-Pommes

Die BASF Plant Science beantragte für die 3. genmanipulierte Kartoffelsorte (Amflora, Amadea, Fortuna) bei der EU die Zulassung. Amflora und Amadea wurden als Stärkekartoffel für die Industrie eingeführt. Fortuna ist gegen Kraut - und Knollenfäule resistent und ist für den Anbau und als Futter- und Lebensmittel bestimmt.
Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung Gentechnick ablehnt, plant BASF weitere Experimente.


Anmerkung: Die Mehrheit entscheidet eigentlich die Richtung. In der Politik wird es jedenfalls offiziell so gehandhabt. Es ist also sehr deutlich das Ziel zu erkennen. Es wird kein NEIN akzeptiert, da die Richtung schon beschlossene Sache ist. Die Bevölkerung wird entmündigt, und irgendwann in naher Zukunft ist Gentechnik Normalität. So viel zum Thema Volksentscheidung ...
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#75
Tod als Teil des Geschäfts
Von Romano Paganini

Auf den Gensojafeldern Argentiniens werden Giftstoffe versprüht, die in ähnlicher Form im Vietnamkrieg eingesetzt wurden. Fehlgeburten, Mißbildungen und erhöhte Krebsraten sind die Folge. Doch es gibt Widerstand.

   
Baden ist hier nicht empfohlen: Schild am Rande eines Sojafeldes in der Provinz Santa Fe warnt vor »agrochemischen Abfällen«

Die junge Frau sitzt am Bahnsteig des stillgelegten Dorfbahnhofs und wartet, bis die beiden Studenten ihre Kamera in Position gebracht haben. Es geht ein fieser Regen an diesem Sonntagvormittag durch Ibarlucea, ein kleines Dorf, eingeklemmt zwischen Sojafeldern und den Vorstadtslums der argentinischen Provinzhauptstadt Rosario. Doch Luciana Algrain ist nicht des Wetters wegen gekommen, sondern wegen ihres fünfjährigen Sohns: »Ich lebe seit sechs Jahren gegenüber einem Sojafeld und wußte, daß die dort eingesetzten Chemikalien schädlich für die Umwelt sind«, beginnt die 35jährige. »Aber es war mir nicht klar, welche Folgen sie für die Menschen haben können.« Die beiden Studenten nicken, kommen jedoch nicht dazu, Fragen zu stellen. Luciana Algrain erzählt nicht zum ersten Mal, daß sie Mitte 2007 Juani zur Welt brachte, der wegen eines Hirnfehlers im Rollstuhl sitzt. Gründe dafür konnte auch der Arzt ihr nicht nennen. »Nur eine Erbkrankheit«, sagt die Frau, »das schloß er definitiv aus.«

Erst durch die Gespräche mit den Nachbarn erfuhren die Algrains, daß Juani nicht der einzige im Dorf ist, der gesundheitliche Probleme hat. »Es meldeten sich Frauen, die keine Kinder bekommen können, Nachbarn mit Krebs oder das 12jährige Mädchen, das an Leukämie erkrankt war. Wir informierten uns, diskutierten und kamen zum Schluß, daß dies alles kein Zufall sein kann.« Schließlich gingen die Nachbarn zur Gemeinde und verlangten, einen Mindestabstand von 100 Meter zwischen Sojafeldern und Wohngebiet. »Ich bin ziemlich sicher«, sagt die Hochschullehrerin zum Schluß, »daß Juani wegen der Chemikalien einen Hirnfehler hat. Aber Beweise habe ich keine«. Dann steht sie auf, fragt, ob das so OK gewesen ist und betont nochmal, daß sie keine Beweis hat. Die Studenten nicken erneut. Sie drehen an einer Dokumentation über die Folgen des Sojabooms in ihrer Provinz Santa Fe, dem Zentrum des argentinischen Sojaanbaus. Es sind Folgen, über die die argentinische Öffentlichkeit kaum Bescheid weiß.

Auch deshalb startet die Betroffenenvereinigung Pueblo Fumigado (Versprühtes Volk) etwas später an diesem Vormittag ihre Informationskampagne. Auf den stillgelegten Bahnsteig des kleinen Städtchens sind 25 Bewohner gekommen, darunter Luciana Algrain, die ihre Hände nun an einem Matetee wärmt. Trotz Kälte herrscht angeregte Stimmung. In den Gesprächspausen macht selbstgemachte Pizza die Runde – und immer wieder die Frage: Was tun? »Wichtig ist, daß ihr euch zusammenschließt«, sagt Fernando Albrecht von Pueblo Fumigado. »Nur so könnt ihr etwas erreichen.«

Albrecht fordert in Ibarlucea, was ein Großteil von Pueblo Fumigado seit Jahren fordert: daß bei der Bewirtschaftung von Agrarflächen keine Chemikalien eingesetzt werden. Die Bevölkerung sei schließlich nie gefragt worden, ob sie das wolle. »Das war«, sagt Albrecht, »kein demokratischer, sondern ein autoritärer Entscheid.« Auf dem stillgelegten Bahnsteig von Ibarlucea geht es nicht nur um eine Plattform für die Betroffenen, sondern auch um Grundrechte in einer Demokratie. »Die Bürger sollen wieder Selbstvertrauen entwickeln und ihre Meinung äußern«, sagt Albrecht. Er weiß, daß es bei Gensoja um mehr geht als Chemikalien und Zusatzstoffe.

Eine Bohne wird zum Kapital

Gensoja ist in Argentinien, was Kupfer in Chile oder Erdöl in Nigeria: ein riesiges Geschäft. 2011 wurden rund 11,6 Milliarden Dollar mit dem Verkauf der Hülsenfrucht erzielt – so viel wie noch nie. Ein Großteil der jährlich inzwischen 60 Millionen Tonnen Soja von argentinischen Äckern landet in den Futtertrögen chinesischer und europäischer Mastbetriebe – auch in Deutschland. Gensoja war in Argentinien, dem weltweit drittgrößten Sojaproduzenten, von Anfang an kein Nahrungsmittel. Es war Kapital – Kapital, das heute über die Hälfte des fruchtbaren Bodens des Landes besetzt.

Dabei spielte Soja bis vor fünfzehn Jahren kaum eine Rolle. Angebaut wurde Weizen, Mais oder Sonnenblumen. Erst ab 1996, also im selben Jahr, in dem gentechnisch verändertes Soja auch in den USA auf den Markt kam, begannen sich argentinische Bauern für die Nutzpflanze zu interessieren. Auslöser war wie in Nordamerika der US-Chemiekonzern Monsanto. Er brachte nicht nur gentechnisch veränderte Organismen an den Río de la Plata, sondern reiste gleich mit einer ganzen Ideologie an. Sein Gensoja verkaufte er nur zusammen mit dem Glyphosat der Marke Roundup – einem seit Mitte 70er Jahre eingesetzten Herbizid zur Unkrautbekämpfung; es wird heute in Millionen von Gärten weltweit verwendet.

Gleichzeitig kamen neue Technologien auf den Markt, mit denen noch schneller mehr gesät, geerntet und letztlich verdient werden sollte. Monsanto ging sowohl zu den Produzenten als auch zu den Agrarstudenten des Landes. Diesen wurde in eigenfinanzierten Laboratorien und Studien beigebracht, daß Glyphosat keinerlei negative Folgen habe, im Gegenteil: Es erhöhe die Ernte. Schließlich war die von den Chemikern in St.Louis entworfene Gensojabohne resistent gegen das Glyphosat. Und so machte Monsanto aus der einstigen Getreidekammer der Welt ein Versuchslabor für Gensoja. Die Konsequenzen dieses Produktionsmodells werden sechzehn Jahre danach langsam sichtbar. Durch die Verharmlosung des Herbizids Glyphosat benutzten die Bauern es wie Wasser – und rutschten dabei in einen Teufelskreis. Denn das Unkraut wurde im Laufe der Jahre immer resistenter gegen das Herbizid Roundup. Es entstanden sogenannte supermalesas, Super-Unkräuter – worauf die Bauern entweder die Dosis erhöhten oder das Glyphosat mit anderen, noch stärkeren Agrarchemikalien mischten. Die giftigsten dieser Chemiecocktails setzen sich zusammen aus Glyphosat, Paraquat, Endosulfan oder der Essigsäure 2,4-D. Letztere wird nicht nur gegen Unkraut verwendet, es sorgt auch dafür, daß die Ernte schneller trocknet.

Dabei hat 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure, wie die Chemikalie mit ganzem Namen heißt, eine dunkle Vergangenheit. Sie war in leicht modifizierter Form Bestandteil des Entlaubungsgifts Agent Orange, das die US-Armee während des Vietnamkriegs über den Wäldern versprühte. So sahen die Scharfschützen besser, wo sich ihre Gegner versteckten. Der Krieg in Vietnam ist offiziell seit knapp vierzig Jahren zu Ende. Doch die Folgen von Agent Orange sind geblieben: verseuchte Böden, erhöhte Krebsraten und Kinder, die mit Mißbildungen zur Welt kommen.

Es sind die gleichen Merkmale, die heute bei Menschen beobachtet werden, die in der Nähe von Agrarflächen mit gentechnisch veränderte Organismen Gensoja wohnen.

Lähmungserscheinungen

Eine von ihnen ist Viviana Peralta. Die 44jährige ist wie Luciana Algrain Nachbarin eines Sojabauern, sie wohnt in San Jorge, eine Stadt knapp 200 Kilometer nördlich von Ibarlucea. Die Reise dorthin führt durch endlose Soja- und Maisplantagen, vorbei an Lagerhallen und Fabriken und an Werbeschildern mit Aufschriften wie »AgrosSoluciones« oder »Turboalimento« (Turboernährung).

San Jorge ist ein Städtchen mit 25000 Einwohner, unzähligen Silos und Lagerhallen und natürlich großen Fuhrparks. Ohne diese würde das Soja nicht an den Rio Paraná und damit nicht in die Welt gelangen.

Viviana Peralta bietet ihren Gästen Matetee an und deutet auf die andere Straßenseite. Zehn Meter von ihrem Haus entfernt hatte der Nachbar jahrelang seine Herbizide ausgebracht – mit Sprühmaschinen oder Flugzeugen. Vivianas Lippen lähmten sich, und sie konnte kaum sprechen, als das Gift in der Luft lag. Sie schloß jeweils Fenster und Türen, damit das komische Gefühl aufhört.

Ailen konnte das nicht. Die jüngste Tochter von Viviana Peralta hatte schon bald Atemprobleme und immer wieder Hustenanfälle. Ein Immunologe aus Rosario bestätigte ihr, daß die Probleme mit den Chemikalien ihres Nachbarn zu tun haben; dieser sprühte nur wenige Meter von dort, wo Ailen spielte und schlief.

Viviana Peralta wandte sich an den Bürgermeister von San Joge. Doch der habe nur mit den Schultern gezuckt und ihr dann ein Haus in der Stadt angeboten, erzählt sie. Auch Autos, Hotelaufenthalte und Medikamente sollen der Familie Peralta offeriert worden sein – ein beliebtes Mittel in der Region, um Nachbarn mundtot zu machen.

Über Pueblo Fumigado gelangte Viviana Peralta schließlich an eine junge Anwältin. Die erwirkte 2009 einen Gerichtsentscheid, der landesweit für Aufsehen sorgte. Der Bauer darf seine Chemikalien nur noch bis zu einer gewissen Distanz zur Nachbarschaft ausbringen, konkret: 800 Meter, wenn er mit der Maschine sprüht, und 1500 Meter, wenn die Aplikation aus dem Flugzeug erfolgt. Es war das erste Mal, daß in Argentinien eine staatliche Instanz ein Reglement dazu aufstellte. Seither kam es in verschiedenen Dörfern und Städten zu ähnlichen Urteilen.

Zudem veröffentlichte das Gesundheitsministerium der Provinz Santa Fe erst kürzlich eine Untersuchung, wonach die Arztbesuche seit dem neuen Reglement um 16 Prozent zurückgegangen sind. Viviana Peralta hingegen, die jahrelang den Chemikalien ausgesetzt war, wurde von der Ärztin geraten, keine Kinder mehr zu bekommen. Das Glyphosat habe sich schon zu sehr in ihrer Plazenta abgelagert.

2,4D auch für Kartoffeln

San Jorge wäre wohl längst von der Landkarte verschwunden, wenn es nicht vor den Genpflanzen dagewesen wäre. Es wirkt wie eine menschliche Ausnahme inmitten eines horizontlosen Pflanzenmeers.

Nahe des Zentrums, mitten in einem Wohnquartier, werden Traktoranhänger mit Soja gefüllt. Ein älterer Mann stempelt gerade Lieferscheine und blickt erstaunt auf, als er hört, daß ein Journalist aus Europa da sei. Er kommt aus dem Büro, während er die Tür der Lagerhalle neben den Silos aufstößt, flüstert er: »Aber nur für ein paar Minuten.« Eigentlich darf er nicht mit der Presse sprechen, scheint jedoch hin und her gerissen zwischen den Interessen seines Brötchengebers und jenen seiner kranken Nachbarn. »Normalerweise ist der Schuppen voll mit Samen und Chemika­lien«, sagt er und deutet auf die leere Fläche in der Mitte. Zwei Straßenhunde sind in die Halle geschlichen und verrichten ihr Geschäft an einem Wulst aus leeren Säcken, Plastikplanen und Staub. Es riecht wie im Chemiezimmer, das der Lehrer in der Pause zu lüften versuchte. Beim Eingang stapeln sich leere Kanister mit verschiedenen Markierungen, auch solche mit der Aufschrift 2,4D. Auf deren Etikette steht die empfohlene Dosis pro Hektar – nebst Soja und Weizen auch für Kartoffeln, Reis und Zuckerrohr.

Ob die Chemikalien gefährlich sind? Der Mann zögert zunächst und antwortet dann: »Der Produzent sagt, sie richten keine Schäden an.« Die Kanister seien mit roten, gelben und grünen Streifen gekennzeichnet, so daß man immer genau wisse, welche Produkte gefährlich seien und welche weniger.

Es waren diese Kennzeichnungen, die den Agraringenieur Claudio Lowy vor einem Jahr in einen mehrtägigen Hungerstreik vor dem Landwirtschaftsministerium in Buenos Aires treten ließ. Er warnte, daß die enthaltenen Produkte wesentlich giftiger seien, als auf der Etikette behauptet wird.

»Hier im Dorf«, sagt der Mann und schiebt die Tür der Lagerhalle wieder zu, wisse man schon, daß die Chemikalien schädlich seien. »Aber wenn du zwischen einem Job wählen kannst, der dir monatlich 2500 Pesos bringt, oder einem mit Chemikalien, bei dem sie dir das Doppelte zahlen«, sei die Entscheidung klar.

Kritiker werden bedroht

Für Fernando Albrecht von Pueblo Fumigado hat sich in Argentinien ein Produktionssystem etabliert habe, bei dem alle irgendwie mitverdienen – und dadurch davon abhängig geworden seien. Er nannte es auch die Diktatur des Marktes. Andere Meinungen haben darin keinen Platz. Erst kürzlich wurde dem Direktor eines lokalen Radiosenders per Telefon mit Prügel gedroht, wenn er die kritische Berichterstattung zu den Genpflanzen nicht einstellt. Mitglieder von Pueblo Fumigado erhielten auch Morddrohungen, anderen wurde das Auto angezündet oder Scheiben eingeschlagen. Hinzu kam, daß die Behörden einzelner Provinzen, darunter Santa Fe, Schulmaterial zurückbehielt, in dem sich kritisch mit gentechnisch veränderten Organismen beschäftigt wurde. »Und um die geht es letztlich«, sagt Albrecht. Sie sei die Basis eines Produktionsmodells, das Monsanto zusammen mit der neoliberalen Regierung Carlos Menems Ende 90er Jahren installiert habe. »Die Chemikalien dienen lediglich dazu, es aufrechtzuerhalten.«

Es überrascht deshalb nicht, daß Studien wie jene des Embrionenforschers Andrés Carassco von der Universität Buenos Aires kaum beachtet werden. Dieser hatte vor drei Jahren nachgewiesen, daß Glyphosat schon bei geringer Anwendung zu Mißbildungen bei Embrionen führen könne. Monsanto sagte darauf, ihre Untersuchungen wären zu einem anderen Ergebnis gekommen. Und die Regierung um Cristina Fernández de Kirchner versteckt sich schon länger hinter den Exporteinnahmen, die durch den hohen Sojapreis von Jahr zu Jahr wachsen.

Widerstand hat sich hingegen an der medizinischen Fakultät Rosario gebildet. Studenten und Professoren arbeiten dort an einer großangelegten Studie, in der seit 2010 über 40000 Nachbarn von Agrarflächen mit gentechnisch veränderten Organismen zu ihrer Gesundheit befragt wurden. Erste Ergebnisse zeigen, daß die Menschen in den betroffenen Gebieten vermehrt an einer Schilddrüsenüberfunktion leiden – einer Krankheit, die im Resten des Landes praktisch nicht auftritt.

Schlafen neben Chemikalien

Eine Autoraststätte, wenige Kilometer vor der Grenze zur Provinz Santiago del Estero. Auf den Bildschirmen an der Wand werden die Zusammenfassungen der Fußballspiele des Vortages gezeigt, am Fenster sitzt Roberto Ríos, der gerade von einer Untersuchung im Spital zurückgekommen ist. Rios hat zwischen 2001 und 2009 für eine lokale Agrarfirma Chemikalien gemischt und sie auf den Feldern ausgebracht. Tag für Tag. Mit Rucksackkanistern oder Maschinen, aber ohne Handschuhe, Anzug oder Schutzmasken. »Uns wurde weder gesagt, daß wir uns schützen müssen noch das die Mittel gesundheitliche Schäden verursachen«, erzählt der 35jährige.

Argentinien steckte Anfang Nullerjahre mitten in einer Wirtschaftskrise, Bauern und Produzenten achteten weniger auf die Dosis der Chemikalien als vielmehr darauf, was die Ernte einbringt. »Das Ziel«, erinnert sich Ríos, »war von Jahr zu Jahr das Gleiche: Noch mehr Ertrag pro Hektar.« Roberto schlief zusammen mit anderen Mitarbeitern während zwei Jahren in derselben Lagerhalle, in der er tagsüber die Cocktails mischte – neben Kanistern mit Glyphosat, 2,4D und Endosulfan. »Die Firma stellte uns keine andere Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung.« Über Nacht nach Hause zu fahren, habe sich nicht gelohnt.

Ríos stammt aus ärmlichen Verhältnissen und lebt seit seiner Jugend von der Landwirtschaft. Zunächst gab er den immer stärker werdenden Kopfschmerzen und Muskelkrämpfen während der Arbeit keine Bedeutung. Als er aber immer weniger aß, sich im Spiegel nicht mehr wiedererkannte und eines Tages nicht mehr Gehen konnte, begab er sich in ärztliche Behandlung. Er mußte sich an Speiseröhre und Niere operien lassen, zudem wurde ihm die Galle entfernt. »Was ich genau habe, können die Ärzte nicht sagen.« Was sie dem Mann aber sagten, ist, daß er keinen Kontakt mehr mit Agrarchemikalien haben dürfe.

Viele der in Argentinien angewendeten Düngermittel sind in Europa verboten – obwohl sie aus den dortigen Laboratorien stammen: von Syngenta aus Basel, von BASF aus Ludwigshafen am Rhein oder von Bayer aus Leverkusen. Die Chemie- und Pharmaindustrie verdient ihr Geld aber nicht nur mit dem Verkauf ihrer Chemika­lien. Sie verdient auch dann, wenn die Nachbarn von Ackerflächen mit gentechnisch veränderten Organismen krank werden und in Behandlung müssen.

Quelle: http://www.jungewelt.de/2012/06-02/004.php
Entweder man findet einen Weg oder man schafft einen Weg!
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#76
Erst gestern sprach ich mit einer Bekannten über die Zusammenhänge von Krankheiten und Chemikalien in der Ernährung und Umwelt. So, wie in dem Text angemerkt, kann nach Jahrzehnten der chemischen Einwirkungen niemand mehr feststellen, was nun genau die Ursache für die körperlichen Beschwerden ist.

Und wieder einmal wird sehr deutlich, daß Gesundheit nicht das Interesse ist! Kranke Körper haben Angst und sind finanziel und medikamentös abhängig.
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#77
Scheibchenweise mehr Gentechnik?

Zitat:Nach Plänen der EU-Kommission sollen künftig mehr illegale Gentech-Partikel in Lebensmitteln erlaubt sein.

Schon allein die Überschrift verrät, daß Gentechnik in Lebensmitteln zugelassen ist. Die Agrarlobby hatte vor einem Jahr eine Toleranz von 0,1% bei Futtermitteln durchgesetzt.


Zitat:Zuvor waren GVOs, die in der EU keine Zulassung besitzen und damit auch keine Prüfung auf Gesundheits- und Umweltrisiken durchliefen tabu.

Es sind also Futtermittel mit ungeprüften GVOs im Umlauf!


Zitat:Die Lockerung bei Futter wurde vor allem von Schweinemästern verlangt. Die Trennung der Warenströme sei nicht mehr aufrecht zu erhalten.

Ob eine Trennung der Warenströme gewollt ist, sollte man erfragen. Es ist sogar von "Futternotstand" die Rede.


Zitat:Nun soll - offenbar auf Betreiben vor allem der Ölmühlen - die Nulltoleranz für Lebensmittel gekippt werden.

Futtermittel und Lebensmittel werden in den gleichen Mühlen verarbeitet.

Es dreht sich alles nur um Profit. Die Wertigkeit eines Nahrungsmittels ist völlig aus dem Bewußtsein der Bevölkerung verschwunden, und die Ursache des Nahrungsmittel-Problems wird nicht erkannt!
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#78
Zitat: Es dreht sich alles nur um Profit.

Ist das nicht immer so?
Tue was Du willst, aber wisse was Du willst!
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#79
Zitat:Die Wertigkeit eines Nahrungsmittels ist völlig aus dem Bewußtsein der Bevölkerung verschwunden, und die Ursache des Nahrungsmittel-Problems wird nicht erkannt!

Wenn wir ehrlich sind, die Leute haben es nicht einmal mitbekommen, daß die Nahrungsmittel von Jahr zu Jahr mit immer mehr und immer neuen Zusätzen versehen wurden. Auch, daß sie krank werden, schieben sie nicht der mit Zusätzen versehenen Nahrung zu. Das ist für die 'normal' im Alter. Da wird eben gewetteifert, daß es dem Nachbarn XY ja noch schlechter ginge, oder anderherum, man versucht sich gegenseitig zu übertrumpfen ...


Zitat:Schon allein die Überschrift verrät, daß Gentechnik in Lebensmitteln zugelassen ist. Die Agrarlobby hatte vor einem Jahr eine Toleranz von 0,1% bei Futtermitteln durchgesetzt.

Da fällt einem nichts mehr ein ...
Kein besserer Freund – kein schlimmerer Feind!
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#80
Für mich schließt sich hier der Kreis wieder. Der Mensch (zum "Verbraucher" degradiert) schätzt Lebensmittel nicht mehr und greift blind auf billigste Nahrungsmittel zurück und die Bauern (degradiert zu Agrarproduzenten) greifen z.B. auf Gentechnik zurück, um dem Bedürfnis der Konsumenten nach billig nachzukommen. Für beide Seiten liegt der Focus auf größtmöglicher Wirtschaftlichkeit. Da hammer's wieder, die Materialismushörigkeit. Was zählt ist die (inzwischen fiktive, digitale) Währung in Form von Geld. Gesundheit steht nicht mehr im Vordergrund.

Der Bogen entfaltet seine Macht durch deine Energie - Der Pfeil wird davon fliegen auf ein entferntes Ziel - Aber dein Leben wird immer bei dir sein - Gedenke der Alten Werte - Ehre die Ahnen, die dir den Bogen in die Hand gelegt haben
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