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Gestutzte Eiche
#1
Gestutzte Eiche


Wie haben sie dich, Baum, verschnitten,
Wie stehst du fremd und sonderbar!
Wie hast du hundertmal gelitten,
Bis nichts in dir als Trotz und Wille war!
Ich bin wie du, mit dem verschnittnen
Gequälten Leben brach ich nicht
Und tauche täglich aus durchlittnen
Roheiten neu die Stirn ins Licht.
Was in mir weich und zart gewesen,
Hat mir die Welt zu Tod gehöhnt,
Doch unzerstörbar ist mein Wesen,
Ich bin zufrieden, bin versöhnt,
Geduldig neue Blätter treib ich
Aus Ästen hundertmal zerspellt,
Und allem Weh zu Trotze bleib ich
Verliebt in die verrückte Welt.


Hermann Hesse
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#2
Das ist dann wohl eines von den besseren Sachen aus der Hess'schen Feder? Ich weiß nicht, wie ich zu diesen Zeilen stehen soll. Zum einen sind sie eine sehr richtige Beschreibung und animieren zum "Aufstehen" und "Durchhalten" , zum anderen sind sie jedoch auch eine Art gewünschtes Martyrium.
Sei!
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#3
Eine momentane Gefühlslage vielleicht?

A.
Das Ziel vor Augen!
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#4
Violetta schrieb:zum anderen sind sie jedoch auch eine Art gewünschtes Martyrium.
Hallo Violetta.

Magst mir diesen Gedankengang etwas näher ausführen?
So hatte ich es bislang nämlich nicht aufgefasst, und - das ist natürlich eher eine persönliche Vermutung/Schlußfolgerung - ich denke, von Märtyrern hielt er nicht sonderlich viel, der Hesse.
Mir ist schon logisch, daß ein 'Leidensweg' (blöder Begriff) nach Ursache und Wirkung selbst herbeigeführt ist. Nur ist das ja eben etwas, was einem nicht unbedingt sofort von Kindesbeinen an bewußt ist, und angenehmer wird es durch dieses Wissen auch nicht.
Wenn er schreibt 'Doch unzerstörbar ist mein Wesen,
Ich bin zufrieden, bin versöhnt,' so drückt das für mich aus, daß er sich eben nicht (mehr) als 'Opfer' äußerer Einflüsse und Umstände empfindet.

Menschen wurden beispielsweise während der Inquisition gejagt, gefoltert und getötet. Und sicher haben die das ihre dazu getan, daß es dahin überhaupt gekommen ist. Das ändert nichts an den Narben. Nichtsdestotrotz wieder da zu sein und weiterzumachen, seinen Frieden mit sich selbst und der Welt zu machen - obwohl und gerade weil man sich bewußt ist, wie abartig das hier teilweise alles ist - so fasse ich das Geschriebene auf.
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#5
ein wunderschönes gedicht,... manchmal ist es besser nicht unbedingt den sinn zu hinterfragen, da der klang, rhytmus und aussage mit jedem lesen deutlicher, klarer wird und jeder sein eigenes gefühl beim lesen bekommt. so soll es sein. so ist es richtig. man lässt sich erst darauf ein, wenn man es nicht ganz versteht. wenn es immer noch andere interpretationen gibt. dann interpretiert man es richtig.
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