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Hauptsächliche Zubereitungsarten
#1
Erläuterung der hauptsächlichen Zubereitungsarten

Tinkturen und Geiste lasse ich einfach weg - ich schätze an Zubereitungsarten, die Alkohol beinhalten, besteht ohnehin kein Interesse.
Lösungen können zwar mit Weingeist hergestellt werden, aber Wasser tut es auch.


Abkochung:

Während der Absud oder Aufguß bei Blüten, Blättern, also bei Pflanzenteilen bevorzugt wird, die leicht quellbar und ausziehbar sind oder aber wirksame, leichtflüchtige Stoffe, wie ätherische Öle, enthalten, bedient man sich bei der Ausnutzung weniger quellbarer, holziger, knorpeliger Pflanzenteile, wie der Wurzel, Hölzer, der Abkochung, bei der die Substanz mit kaltem Wasser angerührt wird, nach halbstündigem Stehen und Erhitzen 10 bis 15 min in bedecktem Kochgefäß ausgekocht, abgegossen und abgepresst wird. Nach Bedarf wird mit Honig gesüßt.


Absud, Aufguß:

Beide Bereitungsweisen decken sich eigentlich der Ausnutzung nach. Der Absud wird vorgenommen, indem die bestimmte Wassermenge zum Sieden erhitzt und dann die betreffende Heilsubstanz zugegeben wird. Nach einmaligem Aufwallen wird das Ganze vom Feuer entfernt, 10 - 15 min ziehen gelassen, abgegossen und leicht ausgepresst.
Beim Aufguß oder Überbrühen wird die in einem Siebchen/Filter befindliche Substanz mit siedendem Wasser übergossen/überbrüht und leicht ausgepresst.
In beiden Fällen stellt das Abgelaufenen den Tee dar, der ungezuckert, oder mit Honig gesüßt, warm gegeben wird.


Breiumschläge:

Die - meist gemahlenen - Kräuter (z.B. Bockshornkleesamen und Leinsamen sind gebräuchlich) werden mit kochendem Wasser angerührt zu einem steifen Brei in der Konsistenz wie Senf = Mostrich und dann heiß oder kalt aufgelegt. Senfmehl macht eine Ausnahme; es darf nur mit warmem Wasser bis zu 50 Grad Celsius angerührt werden. Bei höherer Temperatur leidet die Wirksamkeit.

Emulsionen:

Emulsionen werden aus Ölen, Balsamen mit einem Bindemittel zum Verreiben hergestellt. Hierzu gehören die Emulsionen aus Rizinusöl, Mandelöl, Perubalsam. Die Samenemulsion, wie Mandelmilch, Hanfmilch, Mohnmilch, werden im Verhältnis 1 zu 10 hergestellt durch Zerstoßen der Samen im Messing- oder Steinmörser und allmähliches Verreiben mit Wasser.


Extrakte:

Darunter werden kalte und warme Auszüge verstanden, die nach dem Klären und Seihen oder auch Filtrieren eingedickt, eingedampft werden bis zur Honigdicke oder auch bis zur Trocknung.


Gemischte Verfahren:

Man stellt zunächst den Kaltwasserauszug her und seiht ab. Auf die Rückstände gibt man kaltes Wasser und bereitet die Abkochung. Nach 10 min Stehen- und Ziehenlassen, wobei die Abkochung zugleich abkühlen soll, gießt man beide, Abkochung und Kaltwasserauszug, zusammen. Wer diesen Tee nicht kalt oder kühl trinken mag, kann ihn anwärmen, aber nicht über 40 Grad Celsius, also Trinkwärme, hinausgehen.


Kaltwasserauszug:

Zerschnittene frische oder getrocknete Kräuter werden mit kaltem Wasser übergossen, das Gefäß bedeckt und 10 bis 16 Stunden stehengelassen. Umrühren und abseihen.


Klistiere:

Dazu werden Aufgüsse oder Abkochungen verwendet, wie das bei der Teezubereitung angegeben wird.


Kräuteröle:

Für ölige Auszüge kommen meist Blüten oder das blühende Kraut in Frage. Blüten werden sauber ausgezupft, dann in fest verschließbare Behälter gefüllt und Olivenöl oder Sonnenblumenöl, auf jeden Fall aber ein hochwertiges, kaltgepresstes Pflanzenöl, daraufgeschüttet. Die Behälter müssen fest verschlossen sein; jedoch ist es wichtig, dem Inhalt reichlich Spielraum zu lassen, da sich das Öl in der Wärme stark ausdehnt. Als Verschluß eignet sich ein Gärspund ganz ausgezeichnet, der mit dem gleichen Öl gefüllt wird, das zum Auszug verwendet wurde. Nun stellt man den Auszug 4-6 Wochen an die Sonne und rührt, bzw. schüttelt täglich um. Am besten eignet sich ein Platz im Garten oder eine Stelle auf dem Balkon oder vor dem Fenster, die möglichst lange von der Sonne erfasst wird.
Nach Ablauf der Zeit wird der Inhalt abgepresst, wozu man am besten eine Tinkturpresse verwendet. Man kann sich auch mit einem sauberen, starken Leintuch zum Auspressen mit den Händen behelfen; jedoch geht dabei viel Öl verloren, da bereits bei Benutzung einer Presse mit einem Ölverlust von etwa 15 Prozent zu rechnen ist. In dem nun ausgepressten Öl verbleiben oft feine Rückstände, z.B. Blütenstäubchen. Diese müssen langsam zu Boden sinken, was bis zu sechs Wochen dauern kann. Dazu füllt man das Öl in Flaschen mit senkrechter Wandung. Nachdem die Rückstände zu Boden gesunken sind, d.h. das Öl vollständig klar geworden ist, hebt man dasselbe mit einem Saugheber vom Bodensatz ab.
Man sollte nur so viel Ölauszug bereiten, als man im Laufe eines Jahres benötigt, da überjähriges Öl leicht ranzig wird.
Nach dem Abpressen der Öle stellt man sie an einen dunklen Ort. Stehen sie dort längere Zeit, bilden sich erneut leichte Niederschläge am Boden der Flasche. Das sind Pflanzenschleime, die zu Boden sinken, jedoch das Öl in keiner Weise beeinträchtigen. Soll das Öl ganz klar sein, muß wiederum abgesaugt werden.
Im Winter frieren solche Öle, besonders die mit Olivenöl angesetzten, sehr leicht; das Öl wird fest. Einen Tag lang in einem mäßig warmen Raum gestellt, taut das Öl wieder auf.


Latwergen:

Die Latwergen, die in früheren Zeiten, als die Heilmittel großenteils pflanzlich waren, eine große Rolle im Arzneischatz spielten, werden im Allgemeinen so hergestellt, daß Chemikalien und vegetabilische Pulver gemischt und mit einem flüssigen Bindemittel zusammengehalten werden. Als Bindemittel dienen Wasser, Honig, Wacholdermus, Holundermus, Sirup. Mit Honig oder Sirup verriebener Wurmsamen stellt eine Latwerge dar. Die Bindemittel und Quellmittel decken oft den bitteren oder sonst unangenehmen Geschmack.


Lösungen:

Die Lösungen entsprechen der Bezeichnung, denn sie sind nichts weiter als Auflösungen von Salzen in Wasser.


Mazerieren und Digerieren:

Unter Mazerieren oder Mazeration wird das Ausziehen von Pflanzenteilen und Gemischen bei gewöhnlicher Temperatur verstanden, während das Digerieren oder Digestion bei 30 - 40 Grad Celsius bewerkstelligt wird.


Mixturen:

Unter Mixturen werden Mischungen, Abkochungen, Lösungen verstanden, die fast immer zum innerlichen Gebrauch bestimmt sind. Sie enthalten gewöhnlich außer der Wirkung versprechenden Substanz noch geschmacksverbessernde Zusätze.


Pulver:

Gemischte Pulver sind gleichmäßige Mischungen von Heilmitteln, die durch Stoßen, Reiben oder Mahlen grob, mittelfein oder fein gepulvert sind. Die nötige Bearbeitung soll möglichst mit Geräten aus Porzellan, Steingut, Holz oder hartem Metall stattfinden. Die kleinsten Mengen werden zunächst untereinander- und dann erst mit der Hauptmenge gemischt, wenn nötig gesiebt.


Schüttelmixturen:

Die Schüttelmixtur ist lediglich eine Aufschüttelung von Pulvern oder Pulvermischungen mit Flüssigkeit. Die Pulver werden zerrieben, mit Wasser, Leinschleim, Kleientrank, Milch angerieben und in einer Flasche mit der übrigen Flüssigkeit geschüttelt.


Säfte:

Früher waren die Kräutersäfte hauptsächlich zur Frühjahrszeit sehr angesehen als Reinigungsmittel der Körpersäfte. Hierzu wurden die frisch emporgesprossenen grünen Blätter von Löwenzahn, Schafgarbe, Kerbel mit wenig Wasser im Mörser zerrieben und der Saft ausgepresst und so zum Genuß fertiggemacht. Sirupe werden bereitet durch Ansetzen und Ausziehen der Pflanzenteile mit Wasser. Die abgegossenen und geklärten Lösungen werden z.B. mit Rohrzucker zu einem Sirup verkocht in dem Verhältnis, daß der fertige, erkaltete Sirup leichtflüssigem Honig entspricht. Sie sind kühl aufzubewahren wie eingemachte Früchte.


Spézies:

Sind Teegemische von unzerkleinerten oder zerkleinerten Pflanzenteilen miteinander oder mit anderen Stoffen. Zuweilen werden die Pflanzenteile mit Lösungen getränkt und getrocknet. Bei Teegemischen für Aufgüsse oder Abkochungen empfiehlt es sich, gröber zerschnittene oder gequetschte Spézies zu verwenden. Zur Füllung von Säckchen eignen sich feinzerschnittene oder zerriebene Stoffe. Zu feuchten Umschlägen und Breiumschlägen sind grobe Pulver zu wählen.


Als allgemeine Richlinien gelten:

- Kräuer mit Inhaltsstoffen, die durch Hitze leiden bzw. minderwertig werden, soll man im Kaltwasserauszug bereiten. Hierzu gehören z.B. Baldrian und Mistel.
Kräuter, bei denen es in der Hauptsache auf die Auswertung der Aromastoffe, Duftstoffe und ätherischen Öle ankommt, also vornehmlich Blätter und Blüten, werden als heißer Aufguß (Infusum) hergestellt.
Kräuter mit schwerlöslichen Bestandteilen, oder wenn man den größeren Wert auf die Ausnutzung der Mineralstoffen, z.B. Kieselsäure oder der Gerbstoffe legt, insbesondere Wurzeln und Rinden, werden als Abkochung (Decoctum) bereitet.
Oft kann es notwendig oder erwünscht sein, beide Arten der Ausnutzung miteinander zu verbinden, z.B. dann, wenn man neben den Aromastoffen auch die Mineral- und Gerbstoffe auszuwerten wünscht, aber auch dann, wenn fertige Kräutermischungen verwendet werden, bei denen bereits Blätter, Blüten, und Wurzeln oder Rinden gemischt sind.


- Zur Teebereitung nimmt man von stark wirkenden Kräutern und von solchen, die sehr bitter sind, 1 Tl auf 1/4 l Wasser, das ist 1 große Kaffeetasse voll. Von den anderen Kräutern 1 El voll.
Tagesgabe: 1 - 3 Tassen, selten mehr.
Man nimmt den Tee wie folgt: Morgens nüchtern oder auch zum Frühstück, mittags 1/2 Stunde vor oder 2 Stunden nach der Hauptmahlzeit, abends vor dem Schlafengehen.
Die beste Auswertung durch den Organismus findet statt, wenn man die Tagesmenge in kleinen Schlucken tagsüber zu sich nimmt.


- Von Ölen nimmt man ein- bis dreimal am Tag 10 - 20 Tropfen zu den Zeiten wie oben angegeben. Öle nimmt man ohne etwas hinzuzufügen ein.
Wenn die angegebene Menge bei unseren heimischen giftfreien Heilkräutern etwas überschritten wird, führt das kaum zu Schäden. Jedoch hätte das keinen Zweck, da der Körper ein Zuviel nicht auswerten kann, aber u.U. das Gegenteil der erwarteten und gewünschten Wirkung eintritt.


Dauer der Heilkuren:

Je nach Lage des Einzelfalles kann man einen Tee, eine Tinktur, ein Kräuteröl zwei, drei bis sechs Wochen lang nehmen; dann sollte man aussetzen oder eine andere Heilpflanze oder Mischung nehmen.
Es sollte unbedingt vermieden werden, den Körper an eine Wirkung oder Wirkungsrichtung zu gewöhnen!
Anknüpfend an alte Erfahrungen der Volksmedizin ist die moderne Pflanzenheilkunde auf wissenschaftlich biologischer Grundlage zu der Erkenntnis gekommen, daß die gesamten Inhaltsstoffen der frischen, unveränderten Pflanzen oder Pflanzenteile eine überlegene Wirkung zeigen gegenüber einzelnen isolierten Bestandteilen. Die als oftmals belanglos angesehenen Begleitstoffe, auch Ballaststoffe genannt, spielen eine sehr wesentliche Rolle. Um den vollen Arzneiwert der meisten Heilpflanzen zu erfassen, ist es daher zweckmäßig, sie in ihrem ursprünglichen frischen und unveränderten Zustand anzuwenden.
Absoluten Laien ist zu empfehlen, besondere Spézies, komplizierte Auszüge, Salben, Pulver und Öle in den Apotheken herstellen zu lassen.

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