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Herbst
#1
Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.

Friedrich Hebbel
1813 - 1863

---

Ich wünsche allen eine schöne Herbstzeit!

Kelda
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#2
Ein sehr schönes Herbstgedicht. Ich finde es ganz toll, dass immer irgendwer passend zur jeweiligen Jahreszeit etwas ins Forum stellt. Das ist eine wirklich gute Sitte und ich kann es immer für die Schule gut gebrauchen. Lächeln

Hexlein
Ein schwacher Verstand ist wie ein Mikroskop, das Kleinigkeiten vergrößert und große Dinge nicht erfaßt.
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#3
Die folgende Geschichte, die in netten Versen erzählt wird, hat sich tatsächlich zugetragen. Der Herr von Ribbeck lebte seinerzeit wirklich und es stimmt auch, daß er aus Mißtrauen zu seinem knauserigen Sohn einen Birnbaum auf seinem Grab pflanzen ließ, dessen Früchte über Generationen hinaus die Herzen der Kinder in der ganzen Gegend erfreuten. Erst im Jahre 1911 fiel dieser Birnenbaum einem Sturm zum Opfer. Zu Zeiten der DDR wurde dann ein neuer Birnenbaum gepflanzt, der später aber als "unerwünscht" von der Kirche entfernt wurde und seitdem an der originalen Stelle fehlt.

Heute zum Herbstanfang am 25.09. 2005 möchte ich mit dieser Gedicht-Geschichte an den Herrn von Ribbeck und auch an den Dichter Theodor Fontane erinnern.

[Bild: fontane_foto.jpg]
Theodor Fontane


Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
ein Birnbaum in seinem Garten stand,
und kam die goldne Herbsteszeit
und die Birnen leuchteten weit und breit,
da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
und kam in Pantinen ein Junge daher,
so rief er: "Junge, wiste 'ne Beer?"
Und kam ein Mädchen, so rief er: "Lütt Dirn,
kumm man röwer, ick hebb ne Birn."


So ging es viel Jahre, bis lobesam
der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
wieder lachten die Birnen weit und breit,
da sagte von Ribbeck: "Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab."
Und drei Tage darauf
aus dem Doppeldachhaus
trugen von Ribbeck sie hinaus,
alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
trugen den von Ribbeck zum jüngsten Gericht ,
und die Kinder klagten, das Herze schwer:
"He is dod nu. Wer giwt uns nu ne Beer?"


So klagten die Kinder. Das war nicht recht,
ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht,
der neue freilich, der knausert und spart,
hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
und voll Mißtrauen gegen den eigenen Sohn,
der wußte genau, was er damals tat,
als um eine Birn' ins Grab er bat,
und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.
Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
und in der goldnen Herbsteszeit
leuchtet's wieder weit und breit.

Und kommt ein Jung' daher,
da flüstert's im Baume: "Wiste ne Beer?"
kumm man röwer, ick gew di ne Birn."
So spendet Segen noch immer die Hand
des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.


Entweder man findet einen Weg oder man schafft einen Weg!
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#4
Hallo Paganlord!

Das is wohl ,ne feine Gschicht. Darf ich die weitergeb,n oder nich?????

Fragt E,Y. Fettes Grinsen
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#5
Aber klar doch. Habt Ihr das nicht mehr in der Schule gelernt? Wir hatten das noch als "Lerngedicht" auswendig lernen müssen.

Entweder man findet einen Weg oder man schafft einen Weg!
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#6
Ne, leider nicht. Wir hatten immer Prügel bekommen, wenn wir sowas gebracht haben. Bei uns war Marx und Lenin der Favorit und so ging es mit mir den Berg bergab.

Keine Angst, hab mich erholt!

Viele Grüße von E.Y. Fettes Grinsen
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#7
Nun laß den Sommer gehen,
Laß Sturm und Winde wehen.
Bleibt diese Rose mein,
Wie könnt ich traurig sein?

Joseph von Eichendorff
geb. 10. März 1788, Oberschlesien; gest. 26. November 1857


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#8
sehr lebendiges Bild, wer ist der Künstler?
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#9
Allen ein fröhliches und erfolgreiches Equinox!

Ein Zitat des Meisters, passend zur Jahreszeit:

Schwinget euch auf,
schwinget euch nieder,
glücklicher Feen zarte Gestalten!
Denn unvergänglicher Schöne
nie verblühender Hauch
durchweht die herrlichen Welten,
atmet froh dieser Kreis.

Richard Wagner - Die Feen
Was man will – nicht was man wünscht – empfängt man.

Cosima Wagner
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#10
Gast Katanka schrieb:sehr lebendiges Bild, wer ist der Künstler?


Hallo Katanka,

ich habe den Künstler leider nicht ausfindig machen können. Vielleicht findest Du ihn? Das sehr schöne Bild stammt jedenfalls von dieser Seite:

http://www.levrai.de/gedichte.levrai.de/images/gemaelde_alte_meister.jpg

[Bild: gemaelde_alte_meister.jpg]
Entweder man findet einen Weg oder man schafft einen Weg!
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