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Philosophen
#1
Ich habe mich lange hier in diesem Forum nicht mehr blicken lassen. Dennoch habe ich hier damals viel gelernt und mitgenommen, und als überzeugte Vegetarierin auch nicht damit angefangen, Würmer zu essen. Lol
Gerade beschäftigt mich eine Frage, die ich irgendwo anders als hier stellen möchte: Was soll man von ihnen halten, den großen Denkern, die man Philosophen nennt, und von den von ihnen produzierten Gedanken, Fragen und Theorien, die sich zum Teil gegenseitig doch so widersprechen? Ist es reine Zeitverschwendung, ihre Texte aufzudröseln und versuchen zu verstehen? Denn auch dieses Forum ist ja auf seine Weise philosophisch, ich brauchte auch erst eine Zeit, bis ich die hier verwendeten Begriffe verstanden habe, und vieles hat bei mir angeeckt – mit der Zeit aber immer weniger, nicht weil ich durch euch manipuliert worden bin, sondern eher weil ich vieles kritischer hinterfragt habe. Manipulationen anderer entdeckt habe. Erst nachdem ich viel in diesem Forum gelesen habe, habe ich ganz und gar mit dem Fleischessen und mit dem Trinken aufgehört.
Dass ich mich gesünder fühle, ist da kein Wunder.
Was ich mir hier wünschen könnte, wäre nun noch eine Diskussion zu den besagten Philosophen, oder vielleicht eher eine jeweilige Diskussion zu Einzelpersonen. Zu Nietzsche wurde ja schon viel hier geschrieben, und fürwahr wurde mir dieser schwache Mensch dadurch um einiges unsympathischer.
Wie ist es denn nun, wenn Aristoteles und Kant sich, einerseits mit einer Tugendethik, andererseits mit dem Glauben an ein absolutes Gesetz, nun gar nicht in Einklang bringen lassen? Reicht es, sich damit abspeisen zu lassen, dass Aristoteles sich als Befürworter der Sklaverei interpretieren lässt und das Kant sehr eindeutig rassistische Aussagen gemacht hat, um sich gar nicht weiter mit ihnen auseinanderzusetzen?
Oder das so was von Heidegger stammt:
"Nicht Lehrsätze und 'Ideen' seien die Regeln eures Seins. Der Führer selbst und allein ist die heutige und künftige Wirklichkeit und ihr Gesetz." (Aufruf an die Deutschen Studenten [Rede], in: Bernd Martin (Hrsg.), Martin Heidegger und das „Dritte Reich“. Ein Kompendium, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1989)
was ihn ja sehr deutlich disqualifiziert (also anzeigt, dass er mehr von Emotion und Logik gesteuert wurde als von seiner eigenen Intuition), obwohl gerade seine Begriffe der Eigentlichkeit und der Eigenverantwortlichkeit, gerade auch seine Kritik des „Man“ und des Verhaltens der breiten Masse durchaus nicht schlecht waren?
Vielleicht kennt ihr ja noch belege dafür, warum oder warum nicht Menschen wie Leibniz, Hannah Arendt und Platon lesenswert sind. Gerade Hannah Arendt scheint mir eine zu sein, die auch in diesem Forum hätte mitschreiben können... wie sie Heideggers Todesphilosophie ihr Lob der Gebürtlichkeit entgegensetzte, wie sie über Materie, Erde und Natur poetische Dinge schrieb, die man auch der Erde oder dem Leben, der Mutter eben, hätte widmen können… wie abfällig sie über das Verhalten der Masse schreibt und das Handeln im Miteinander lobt, eben gerade das Miteinander rühmt und das Gegeneinander wie das mitleidige Füreinander als Zustände verurteilte, in denen sich jeder versteckt, ohne wirklich in Erscheinung zu treten und zu wirken, zu wollen…
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#2
Hallo nguyen!

Schön von Dir zu hören, ich habe mich schon gefragt, was aus Dir geworden ist.   Winken

Zitat:Dennoch habe ich hier damals viel gelernt und mitgenommen, und als überzeugte Vegetarierin auch nicht damit angefangen, Würmer zu essen

Sehr vernünftig, dass Du es gelassen hast.  Ogrins

Mit den Philosophen ist es doch wie mit allem eigentlich. Man sollte sich immer ein eigenes Bild machen, wie und warum ein Philosoph etwas gesagt oder getan hat und im jeweiligen zeitlichen Kontext betrachten. Wenn jemand Kant als einfach rassistisch darstellt und Aristoteles nur als Befürworter der Sklaverei denunziert, so ist das natürlich erstmal sehr einseitig und sagt nicht wirklich etwas über den Menschen Kant oder Aristoteles aus, sondern vielmehr über die Personen, die diese Aussagen so in den Raum stellen.
Aristoteles als Sklavenbefürworter zu reduzieren ist schon recht anmaßend, denn das mit heutigen Maßstäben zu vergleichen ist nicht nur falsch, sondern ziemlich primitiv. Aristoteles hat vor über 2.300 Jahren gelebt, also in einer ganz anderen Zeit. Ein heute lebender Mensch sollte ja auch nicht mit den Maßstäben in 2.300 Jahren verglichen werden, denn das passt einfach nicht.  

Du schreibst es selbst, über Nietzsche hat sich Dein Bild deshalb geändert, weil Du viel über die Person hier gelesen hast, und Dir somit ein eigenes Bild und eine eigene Meinung bilden konntest. Lies mal (vielleicht auch hier) etwas über Alexander und Aristoteles, und Du wirst ihn mit Sicherheit nicht nur als Sklavenhalter ansehen. Über Immanuel Kant weiß ich jetzt auch nicht viel.
Für mich zählen vor allen Dingen die Taten einer Person, und da spielt es keine Rolle, ob jemand heute meint, die Person ggf. in den Schmutz zu ziehen, um einer allgemeinen (politischen) Meinung oder aktuellen (politischen) Strömung gerecht zu werden.  

Falls jemand etwas mehr über Kant weiß, würde mich das allerdings auch interessieren.

Meine Grüße
Es geht nicht darum mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, sondern darum mit den Augen die Tür zu finden!
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#3
nguyen schrieb:Denn auch dieses Forum ist ja auf seine Weise philosophisch, ich brauchte auch erst eine Zeit, bis ich die hier verwendeten Begriffe verstanden habe, und vieles hat bei mir angeeckt – mit der Zeit aber immer weniger, nicht weil ich durch euch manipuliert worden bin, sondern eher weil ich vieles kritischer hinterfragt habe. Manipulationen anderer entdeckt habe.

Schön geschrieben. Deine Schilderung kommt mir irgendwie so vertaut vor Blinzeln


nguyen schrieb:Erst nachdem ich viel in diesem Forum gelesen habe, habe ich ganz und gar mit dem Fleischessen und mit dem Trinken aufgehört.

Sehr schön zu hören! Was das Trinken angeht (war bei mir eh nicht viel) verdanke ich das auch dem Forum und insbesondere Katanas damaliger kurzer, knapper und wie immer treffenden Antwort auf einen meiner Erstbeiträge hier. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle mal bei Katana  Herz-lich bedanken.


nguyen schrieb:Was ich mir hier wünschen könnte, wäre nun noch eine Diskussion zu den besagten Philosophen, oder vielleicht eher eine jeweilige Diskussion zu Einzelpersonen.

Mehr oder weniger ausführlichere Diskussionen zu Einzelpersonen gibt es ja z.B. zu Nietzsche. Als eher kurze und knappe Übersicht schaust Du vielleicht mal hier rein:

http://www.pagan-forum.de/welche-kuenstler-autoren-etc-waren-vegetarier--t26869.html-st=0&sk=t&sd=a

Das geht doch so in die Richtung - ausführlichere Diskussionen zu für Dich interessanten Personen kannst Du ja auch gerne selbst anstoßen Lächeln

Schöne Grüße

Glückskind
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#4
Zitat:Ich habe mich lange hier in diesem Forum nicht mehr blicken lassen.

Du bist hier immer  Herz –lich willkommen, liebe Nguyen!
EigenSinnige Frauen
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#5
Schön von Dir zu hören.

Jeder Philosoph ist ein Kind seiner Zeit und seiner Kultur.
Manche haben wenigstens den Nutzen des schlechten Beispiels.
Suche Dir raus was Du brauchst und mach etwas daraus.

Alles andere findet sich von selbst.
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#6
Die abendländische Philosophie beginnt mit den Großen, deren Namen jeder kennt: Platon, Sokrates und Aristoteles. Worin unterschieden sie sich von den Denkern, die zuvor wirkten? Sie stellten den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Erörterungen. Wie lässt sich ein gelungenes Leben führen? ist eine Frage, die sich auch heute noch jeder Mensch stellen sollte.
Sokrates ist von ihnen mein liebster Denker und Lehrer, da er durch seine Art der Gesprächsführung, die er Mäeutik, Hebammenkunst nannte, bei seinen Gesprächspartnern das bereits vorhandene Wissen wieder in Erinnerung bringen wollte.
Sokrates' Ziel war es, das Gute in den Menschen hervorzurufen. Das Gute war für ihn die Erkenntnis, jedoch nicht im Sinne von Bescheid-wissen, sondern von Bewusstheit. Um sich seiner selbst bewusst zu werden, muss man jedoch erst einmal von den falschen Erkenntnissen und eilig gezogenen Schlüssen loslassen, mit denen man sich fälschlicherweise identifiziert.

Denn wer sich selbst kennt, der weiß, was für ihn nützlich ist, und vermag zu unterscheiden, was er kann und was nicht. Wer das betreibt, was er versteht, der erwirbt sich, was er benötigt, und es geht ihm gut; andererseits hält er sich von dem fern, was er nicht versteht, und so begeht er keine Fehler und bleibt vor Unheil bewahrt.

Sokrates verwendete hierfür jedoch nicht die Methode der Belehrung, sondern eine geschickte Art der Gesprächsführung und Fragekunst, mit der die Meinung des Gesprächspartners oftmals demontiert wurde. Häufig stellte er sich unwissend und kam auf dem Marktplatz mit Gelehrten ins Gespräch. Sokrates nahm es nicht einfach hin, wenn jemand sicher war, beispielsweise die Bedeutung eines Begriffes wie "Tugend" oder "Mut" verstanden zu haben. Er fragte nach, bis der andere erkannte, einer oberflächlichen oder fremdbestimmten Definition aufgesessen zu sein, und versuchte dann mit ihm gemeinsam, eine genauere Definition zu finden.

Sokrates maß dem Instinkt mehr Bedeutung bei als der Logik:

Das Daimonion (auch Dämonion) bezeichnet in der griechischen Antike einen persönlichen Schutzgeist, der Teil des Ichs ist. Es wacht über das dem Menschen vorherbestimmte Schicksal.

Das Daimonion wurde von Sokrates als eine innere Stimme von göttlichem Ursprung erklärt. Diese innere Stimme warnte ihn in entscheidenden Augenblicken und hielt ihn von der Ausführung einer unrechten Absicht ab. (Er verstand es als eine Gegeninstanz zum Logos, die das erkennt, was der Vernunft verborgen bleibt, und vom Falschen abrät, jedoch zu nichts zurät. Sein Daimonion schätzte Sokrates so hoch ein, dass er ihm auch gegen seine rationale Einsicht gehorchte. Da er es auch über die Götter stellte, wurde ihm vorgeworfen, es als einen neuen G*tt einführen zu wollen.


Dieses Leugnen der Götter war einer der Gründe, warum er zum Tode verurteilt wurde. Er lehnte die Fluchtpläne seiner Freunde ab und nahm den Schierlingsbecher.
Morgen kann alles ganz anders sein.
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#7
Gibt es wirklich ein dem Menschen vorherbestimmtes Schicksal?
Ich denke nicht.Jeder Mensch bestimmt sein eigenes Schicksal durch seine Gedanken und die daraus folgenden Taten.
Leider auch durch Emotionen,die von den meisten leider nicht einmal mehr als solche wahrgenommen werden.
Eine Vorherbestimmung des Schicksals könnte höchstens der unbewußte Teil im Menschen sein:
Ich meine damit die Ursachen (Emotionen),die in früheren Leben gesetzt wurden und die dem Menschen leider nicht mehr bewußt sind.
Doch auch hier ist der Mensch nicht einem vorherbestimmten Schicksal ausgeliefert:
Auch hier kann der Instinkt weiterhelfen.
Das Problem ist nur,daß der Instinkt nur sagt:
"Tu das" oder "Laß es sein" aber keine Begründung dazu liefert.Die Logik ist damit unzufrieden weil sie fragt "warum".Diese Antwort kann der Instinkt nicht liefern,er weiß nur:
Ist nützlich für mich oder ist schädlich.

Ein gutes Beispiel finde ich,wenn ein Erdbeben bevorsteht und man bemerkt,daß plötzlich scheinbar grundlos alle Tiere flüchten.Statt nach dem "warum" zu fragen,wäre es besser den Tieren zu folgen,denn sie haben das Glück stärker von ihrem Instinkt geführt zu werden wie die Menschen.



"Zahme Vögel träumen von der Freiheit.
Wilde Vögel fliegen."
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#8
Es ist ja erfreulich, wenn selbst überlegt und nachgedacht wird, statt daß einfach etwas übernommen wird. Aber nicht jeder ist dabei erfolgreich und kommt dabei, und auch immer, zum richtigen Ergebnis. Die sich Philosophen nennen (oder genannt werden) bilden da keine Ausnahme.
Ihr Verdienst ist, daß sie überhaupt dachten und selbst dachten, sie berühmt wurden, und damit das Selberdenken eine anerkannte Sache wurde.

Zitat:Gibt es wirklich ein dem Menschen vorherbestimmtes Schicksal?

Schicksalsgläubigkeit macht verantwortungslose Gesellen, denn sie meinen ja dann, was ihnen widerfährt läge nicht an ihrem Tun und Lassen, und mitunter sogar noch weiter, sei eh nicht beeinflußbar. Es macht auch zum Spielball von anderen, denn auch das ist ja für sie "alles Schicksal".

Zitat:daß der Instinkt nur sagt:
"Tu das" oder "Laß es sein"

Sehe ich auch so.
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#9
(05.09.12016, 13:14)Andrea schrieb: http://www.pagan-forum.de/Thema-Philosophen?pid=51053#pid51053Es ist ja erfreulich, wenn selbst überlegt und nachgedacht wird, statt daß einfach etwas übernommen wird. Aber nicht jeder ist dabei erfolgreich und kommt dabei, und auch immer, zum richtigen Ergebnis.

Was ist denn das richtige Ergebnis?

Und warum sollte jemand nicht durch eigenes Nachdenken darauf kommen?

Und wenn nicht dadurch, wodurch dann?


Kleine Anmerkung:
Sokrates war durchaus nicht der Meinung, seine Gespräche können bei jedem etwas bewirken. Seine innere Stimme – der Daimon – riet ihm auch hierbei.
Morgen kann alles ganz anders sein.
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#10
Zitat:Gibt es wirklich ein dem Menschen vorherbestimmtes Schicksal?
Ich denke nicht.Jeder Mensch bestimmt sein eigenes Schicksal durch seine Gedanken und die daraus folgenden Taten.

Genau, und auch eine Emotion stellt eine Ursache im oben geschilderten Sinn dar.
Entweder man findet einen Weg oder man schafft einen Weg!
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