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Rohkost-Seminar - Ein Erlebnisbericht
#1
Am 22/23. Oktober hatte ich in diesem Jahr die Gelegenheit beim Schopf gepackt und ein Rohkost Seminar bei Urs Hochstrasser besucht. Das Ganze fand bei sonnigem Wetter im schönen Cottbus in der Lausitz statt.
Um die Erkenntnisse und Erfahrungen, die ich dort gewonnen habe, darzustellen, werde ich mich hier einfach einmal selber in ein Zwiegespräch bitten:

Frage-Ich: Du hast also ein Rohkost Seminar besucht. Was können wir uns darunter vorstellen? Und wer ist dieser Urs Hochstrasser, daß er so etwas durchführt?

WMann: Fangen wir mit dem Seminar Leiter an. Urs Hochstrasser ist ein gelernter Koch und Hotelier aus der Schweiz, der während seiner Karriere an einem bestimmten Punkt bemerkte, daß er den eingeschlagenen Lebensweg so nicht weiter verfolgen kann. Er begann umzudenken, sein Weg führte ihn in die Bircher-Benner Klinik in der Schweiz, wo er mit der Rohkost als Heilungsmethode in enge Berührung kam. Über einen zweimonatigen Selbstversuch kam er auf das Ergebnis, daß die rohe Ernährung letztlich die einzig richtige sein kann. Über die nächsten Jahre suchte er die menschliche Gesundheit (und die Krankheit) zu erforschen, was ihn quer über den Globus reisen ließ. Mit dem gewonnenen Wissen und seinem Beruf als Koch hat der die "Haute Cuisine Cru" entwickelt.
Dieses Wissen, also, wie bereitet man rohe, ungekochte Nahrung, schmackhaft und kulturvoll zu, kann man sich in den von ihm angebotenen Seminaren aneignen.

Frage-Ich: Wie läuft das Ganze dann ab?

WMann: Das Seminar war sehr gut besucht, rund 20 Personen. Sehr angenehm übrigens, endlich einmal ein Seminar zu besuchen, in dem 100% Nichtraucher (keine Raucherpausen, kein Gestank) und 100% zumindest Vegetarier sind (keine flachen Witze, keine schiefen Blicke oder Fragen); aber das nur am Rande.
Der Ablauf: Wir saßen um die Zubereitungstheke herum, konnten dabei alle Handgriffe genau beobachten. Es wurden jeweils die Gerichte genannt, die zubereitet werden sollten. Dabei wurde auch immer wieder Hinweise und Kniffe gegeben und gezeigt, zum Beispiel, wie der "Milchersatzstoff" Mandelmuß wirkt oder mit etwas Zitrone und Orange in eine tolle, rohe Mayonaise verwandelt werden kann.

Frage-Ich: Milchersatzstoff? Das heißt es wurde rein vegan, sprich ohne tierische Produkte gearbeitet?

WMann: Ja, tierische Produkte wurden überhaupt nicht verwendet. Das hängt mit der Philosophie und den Erkenntnissen zusammen, die Urs Hochstrasser im Lauf der Zeit gesammelt hat. So wurde uns gesagt, daß Milch von der Natur ja eigentlich dafür vorgesehen ist, daß die Mutter dem Kind bzw. die Kuh dem Kalb die benötigten Nährstoffe zur Verfügung stellt, damit es in kurzer Zeit seinen Körper vollständig entwickeln kann. Dabei enthält Kuhmilch eine bestimmte Nährstoffmischung, die eben für ein Kalb passt und Menschenmilch ist eben für einen Säugling gedacht. Sobald der junge Körper dann eine bestimme Entwicklungsstufe erreicht hat, ist die Milch nicht mehr notwendig. Alle Tiere in der Natur wissen das, der Mensch ist das einzige Wesen, das bis ins hohe Alter Milch trinkt, und dann auch noch Artfremde. Dieses Verhalten führt in unserer Gesellschaft dann zu Allergien und Krankheiten.
Zu Hühnereiern wurde gesagt, daß es sich bei unbefruchteten Eiern um Menstruationsabfall handelt; das Huhn entgiftet durch die Eiablage; dadurch wird auch die hohe Zahl der Fäulnisbakterien (Salmonellen) erklärt, die in Eiern zu finden sind.

Frage-Ich: Das klingt ja gar nicht mehr appetitlich. Was ist denn dieses Mandelmuß, kann das die Milch wirklich ersetzen?

WMann: Mandelmuß besteht aus kaltgepressten Mandelkernen. Die Mandel hat viele für den Menschen vorteilhafte Eigenschaften, ist ein guter Kalziumlieferant und enthält Lezithin. Beides Eigenschaften, die auch und gerade immer wieder Kuhmilch und Hühnereiern nachgesagt wird, mit dem Unterschied, daß der menschliche Organismus das Mandelkalzium und -lezithin um ein Vielfaches besser verarbeiten kann. Bei Milch soll es sogar so sein, daß der Aufwand, das in der Milch enthaltene Kalzium herauszuarbeiten den gewonnenen Anteil um den Faktor 1,4 übersteigt. Unter dem Strich verliert unser Körper letztlich Kalzium wenn wir (Kuh-) Milchprodukte zu uns nehmen. Der Körper muß, wenn der Verlust zu groß wird und aus der Nahrung nicht gedeckt werden kann also seine Reserven anzapfen, und das sind Zähne und Knochen. So entstehen Karies und Osteoporose, Krankheiten, die z.B. bei Japanern, die Milch kaum verkosten viel weniger verbreitet sind

Frage-Ich: Jetzt bin ich neugierig - beschreibe doch bitte einmal, wie die Gerichte denn gekocht, oder besser gesagt, zubereitet worden sind. Und - wie stand es um den Geschmack?

WMann: Die Zutaten waren entsprechend der Vorgabe natürlich roh, d.h. ungekocht. Es wurde auch sehr viel Wert auf die Qualität der verwendeten Früchte und Gemüse gelegt, sprich Bio-Qualität; einen Teil der Zutaten (z.B. ein riesiger "Saukürbis" oder eine alte Apfelsorte) wurde von Urs aus seinem Garten mitgebracht. Und ein Teilnehmer organisierte einmal noch ein paar Wildkräuter aus seinem nahen Garten für einen Grünen Trunk (neudeutsch "Green Smoothie").
Stichwort grüner Trunk: Zu Beginn gab es an den beiden Tagen am Morgen zunächst Frühstücksdrinks. So wurde aus Paranüssen und Wasser im Mixer eine (erstaunlich) weiße, der Kuhmilch sehr ähnliche Nußmilch. Diese wurde dann durch ein Passiertuch gelassen, um die Rückstände herauszufiltern. Die "Milch" anschließend mit ein paar frischen Äpfeln und Honig noch einmal durch den Mixer gedreht und fertig war eine sehr leckere Rohkost-Nußmilch. Und aus den Nußrückständen würde dann sogar noch ein Käse gemacht. Geschmacklich war beides sehr lecker!
Darauf folgten dann eine ganze Reihe weiterer Gerichte, die wir dann zur Mittagszeit gemeinsam am Buffet zusammen verspeisen durften. Dort gab es dann zum Beispiel vorab eine Kürbissuppe (sehr rahmig und cremig!), Rotkraut/Apfelbällchen (wurden mit einem Eisportionierer angerichtet und roher Mayonaise verziert), Wildkräuter-Salat mit Hanfdressing, Zucchini-Waffel-"Nudeln" mit Tomatensoße, Kürbis-Orientalisch (mit Ingwer, Ananas, Rosinen, Kokosflocken - exotisch aber sehr lecker), Coleslaw (Krautsalat, ähnlich dem einer besser unbekannt gebliebenen Schnellimbißkette, aber um Länger besser), Chili Non Carne (ein scharfes Chili, statt Fleisch wurde gekeimter, durch den Wolf gedrehter Wildroggen verwendet).
Als Nachtisch gab es einmal einen Apfelstrudel (der Teig bestand aus pürierten Bananen und eingeweichten Sonnenblumenkernen, der für einige Zeit im Dörrofen unter 42 Grad getrocknet wurde) und zum guten Abschluß wurden noch Pralinen zubereitet.

Frage-Ich: Da bekomme ich ja sofort Appetit! Hast Du denn später all die Gerichte selber auch zubereiten können? Ich meine, nur dann hat das Ganze ja einen praktischen Nutzen ...

WMann: Natürlich, das war ja genau mein Ziel, warum ich dieses Seminar überhaupt besucht habe. Von der Gewohnheit kenne ich, wie die meisten Menschen, ja die "klassische" Koch-Küche. Mir fehlte zum einen die Vorstellung, wie Rohkost denn (außer Salat) aussehen kann oder schmeckt. Die Vorstellung in einen ungekochten Blumenkohl zu beißen lockte keine Euphorie in mir hervor, im Gegenteil. Und die Gewohnheit säuselte mir bei allen meinen Gehversuchen ins Ohr, daß ein Käsebrot oder ein paar Nudeln doch viel besser von der Hand gehen. Ja, genau wegen der Gewohnheit wollte ich eine Gegen-Gewohnheit haben, mit der ich im Alltag dann eben genauso einfach rohe Gerichte zubereiten kann.

Frage-Ich: Und hast Du dieses Ziel erreichen können? Was gab es denn bei Dir bisher so an Köstlichkeiten zu Hause?

WMann: Was mir leicht fällt, sind die Frühstücksdrinks. Die haben schnell einen festen Platz in meiner Frühstücksliste bekommen und halten erstaunlich lange satt. Hier ist auch Kreativität gefragt. Was so an Obst eben gerade zur Hand ist kann verarbeitet werden, mit Carobpulver (ein Ersatz für Kakao) wird schnell ein Schokoladendrink draus, die Grenze setzt hier nur die Phantasie.
An die anderen Rezepte arbeite ich mich so langsam heran. So klappte die Kürbissuppe auf Anhieb (und das, wo ich zuvor noch nie einen Kürbis verarbeitet hatte), Zucchini mit Tomatensauce geht von der Hand wie zuvor Nudeln kochen und heute abend gab es den erwähnten Blumenkohl - fein zerkleinert in einer scharfen Curry-Ananas Soße!

Frage-Ich: Kannst Du vielleicht noch abschließend für alle nun neugierig gewordenen Leser sagen, wo man weitere Hinweise finden kann?

WMann: Im Internet unter http://www.urshochstrasser.ch sind die Seminare auch noch einmal beschrieben, hier findet man auch viele Rezepte. Wer mit der Kochkunst ein wenig bewandert ist, wird sicher diese Rezepte nachvollziehen können. Mir persönlich hat es aber wirklich geholfen, die Entstehung einmal mit verfolgen und direkt verkosten zu können.

Frage-Ich: Vielen Dank für dieses Gespräch!
Das hast Du Dir so gedacht!
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#2
Hallo Wilder Mann,

das ist eine sehr schöne und anschauliche Schilderung, und man kann dies sehr gut weitergeben an Interessenten. Daumen hoch
aromarin - Haut wie Samt und Seide
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#3
Da bekomme ich ja glatt Hunger...

Für den kommenden Wettbewerb (und auch so) habe ich gute Anregungen bekommen, danke! Da sieht man wieder, Rohkost kann sehr vielseitig und interessant zubereitet werden. Das ist eine Zeitlang ganz gut für die Logik und für die Kochgewohnheiten, die umgestellt werden sollen. Allerdings finde ich Rohkost am natürlichsten, wenn es so wenig wie möglich zubereitet wird. Zum Beispiel einen ganzen Apfel mit Kerne und Schale, dazu eine Handvoll Mandeln. Was kann das toppen?

Grüße,

Pamina
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