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Wagner wieder bei den Salzburger Festspielen
#1
Gestern war Premiere von Wagners Meistersinger von Nürnberg bei den Salzburger Festspielen. Ich habe mir das gestern aufgenommen und heute in Ruhe angesehen.

http://www.salzburgerfestspiele.at/oper/meistersinger-2013

Auch wenn ich vielleicht nicht der beste Opernkritiker bin, hat mir die Aufführung gut gefallen. Stefan Herheim hat die Oper im der Zeit belassen, in der sie entstanden ist, im Biedermeier. Damit war die Kostüme der Oper entsprechend stimmig. Die Sängerinnen und Sänger haben meiner Meinung nach ihr bestes gegeben, mußten sie doch ein stellenweise lautes Orchester der Wiener Philharmoniker übertönen. Dadurch waren manche Stellen etwas schwerer zu verstehen. Es hat der Stimmung aber keinen Abbruch getan. Für mich endlich mal eine schöne Inszenierung einer Wagner Oper.

Interessanter Weise sind sich nicht mal die Kritiker beim ORF über diese Inszenierung einig. Während der Ö1 im Morgenjournal voll des Lobes war, zeichnet die Nachrichtenseite news.orf.at (http://orf.at/festspielhighlights/stories/2595739/) ein zwiespältiges Bild.

der Standard (http://derstandard.at/1373514529855/Opernsehnsuechte-eines-Einsamen) spricht sehr positiv über einige Schauspieler, von anderen nur mittelmäßig. Auch den Philharmonikern stellt man ein gutes aber auch zurückhaltendes Zeugnis aus.

Die Süddeutsche (http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1478891) gibt ein generell positives aber auch neutrales Bild der Oper.
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#2
Richard Wagner – mit der Kunst gegen Unmenschlichkeit
http://globalfire.tv/nj/13de/zeitgeschichte/richard_wagner_kunst_gg_unmenschlichkeit.htm

Am 22. Mai 2013 jährte sich Wagners Geburtstag zum 200. Mal. Er löste Kontroversen aus, die mit politischem Sprengstoff verglichen werden müssen. „Wagner ist ein Mann von bewunderungswürdigem Genie, eine neue und glänzende Erscheinung in der Kunst“, heißt es in einem Empfehlungsschreiben des großen Komponisten Franz Liszt für Richard Wagners Aufenthalt in Paris 1849.

Wagners „Parsifal“ ist ein Monumentalwerk von religions- und kunstphilosophischen Ideen. Hier kommen historisch-rituelle Handlungen, geheimnisvolle Überlieferungen, Allegorien und Symbole in unserer modernen Gedankenwelt zum Tragen. Die Verbindung von chr**tlicher und buddhistischer Lebensphilosophie ist in „Parsifal“ vorherrschend. Rituelle Zeremonien des Chr**tentums – das Abendmahl, die Fußwaschung, die Taufe – werden ebenfalls auf der Bühne dargestellt. Der Verfall der Menschheit, das Geheimnis der Seelenwanderung (Metempsychose) und das Verbot der Tötung von Tieren, werden von Wagner in diesem Werk in den Mittelpunkt gerückt. Diese Sicht, vor allem das Verbot der Tötung von Tieren, ist buddhistischen Ursprungs.

Anmerkungen Paganlord: Es ist befremdend, wenn man Wagners Ideologie ausgerechnet mit Buddhismus in Verbindung bringt. Weiß Globalfire nicht, daß Wagner wie auch König Ludwig aufgrund ihres Wissens um Ihre Herkunft/Reinkarnation gezwungen waren, sich gewissen politisch-unkorrekten und religiös-erforderlichen Spielregeln zu unterwerfen? Denn bei Nichtwissen würde Globalfire dem Wagner das einheimische Urwissen (der germanischen Erdgöttin Jörd) absprechen.

Im antiken Matriarchat, auf welches Wagner immer wieder hinter Musik verborgen hinweist, war das Töten von Tieren, wie auch das Abholzen von Wäldern (also die Zerstörung der Natur) strikt untersagt. Wer dagegen verstieß, wurde aus dem Buch des Lebens entfernt. Im modernen Chr**tentum dagegen wurde schon immer der Machtmißbrauch des Menschen verherrlicht.

Nur weil Arthur Schopenhauer sich mit indischer Philosophie befaßte und daraufhin Wagner sogar eine Buddha-Oper unter dem Titel „Die Sieger“ geplant hatte, darf man nicht grundsätzlich Buddhismus in Wagners Ideologie und Musik- und Lebensphilosophie voraussetzen. Einflüsse religiöser Struktur können leicht überspringen, denn ob man einen unsichtbaren G*tt im Kreuz und mit Papst als Stellvertreter ansieht oder einen Buddha, seine allgegenwärtigen dickbäuchigen Buddhafiguren und seine Repräsentanten die Lamas, auch Dalai Lama, spielt keine allzu große Rolle. Auch Buddhisten wollen die ganze Welt ihrer eigenen Glaubensdiktatur unterwerfen und nehmen jede Möglichkeit wahr, sich auch in Deutschland fest zu etablieren. Auch im Jahr I2013 wiederholt der Dalai Lama in öffentlichen Ansprachen seine Aussage, "... daß der Weltfrieden erst dann eintreten kann, wenn die ganze Welt zum Buddhismus bekehrt worden ist. Die Menschheit „müsse leiden“, um diesen Frieden erfahren zu können."

Wenn man sich den Buddhismus jedoch genauer ansieht, dann entdeckt man, daß der Buddhismus der weitaus älteren indischen Kultur des Hinduismus entsprang. Der Hinduismus ist eine traditionelle Vielgötterreligion.

Buddha fand seine angebliche Erleuchtung unter dem Bodhi-Baum, der heiligen Feige (Lebensbaum der Göttin Ishtar).

Die Seelenwanderung (hier ebenfalls mit dem Buddhismus assoziiert) ist ein anderer Teil des ureuropäischen Glaubens, der durch das Chr**tentum entstellt, verdreht und verteufelt wurde. So wie der Regentropfen aus den Wolken fällt, in die Erde eindringt, sich mit bereits vorhandenem Wasser verbindet und als Dunst und Nebel wieder in den Himmel aufsteigt, um sich wieder mit Wolken zu verbinden, so bewegt sich auch der Lebensfunke (von manchen Seele genannt) im ewigen Kreislauf des Lebens. Körper kommen und gehen, doch der Frequenzfunke (Seele) bleibt immer existent. Im Rahmen der geforderten Vorsicht (zwecks religiöser Überwachung) verpackte Wagner alles in Symbole, Rhythmen und Musik. Was er nicht direkt verantworten und verpacken konnte, wurde in der Architektur von Bayernkönig Ludwig II. in dessen Schlössern deutlich und sichtbar für jedermann der Welt zur Verfügung gestellt.


Bis heute ebbt der politisch-korrekte Haßgesang auf Wagner, auf dessen gewaltfreies Gedankengut (mit Ausnahme der ehrenhaften Selbstverteidigung; besonders deutlich im Parsifal zum Ausdruck gebracht) und die Mißgunst auf seine Vision und auf seinen Mythos nicht ab.

Wer weiß schon, daß die Gralsritter keine Waffen trugen? Vor allem aber: Im Bereich des Grals dürfen keine Tiere getötet werden. Die Gralsritter orientieren sich allein am Göttlichen, folgerichtig enthalten sie sich fleischlicher Nahrung und ernähren sich nur von Wein und Brot. Mehr noch, die Gralsritter verurteilen Gewalt, wie uns Gurnemanz im ersten
Aufzug lehrt. Gurnemanz tadelt den Toren, nannte das Töten eines Schwans Mord.

„Unerhörtes Werk! Du konntest morden, hier im heil’gen Walde, des stiller Friede dich umfing.“

Dann folgt eine weitere Anklage, nachdem Parsifal wutentbrannt auf Kundry losgeht: „Verrückter Knabe. Wieder Gewalt!“ Und im dritten Aufzug ermahnt Gurnemanz den bewaffneten Parsifal sogar, daß es nicht gestattet sei, im Gral Waffen zu tragen.

Anmerkungen Paganlord: Den Schwan zu töten heißt im Chr**tentum gleichzeitig, den Planeten Erde zu zerstören, weil sich die Erdmutter nicht freiwillig dem neu erfundenen unsichtbaren Chr**teng*tt unterwerfen will. Tiere zu töten oder Frauen zu vergewaltigen ist im Chr**tentum nicht verboten. Jwe hat laut Bibel den Tieren und den Frauen keine Seele gegeben. Gewaltlosigkeit ist im Chr**tentum verpönt. Jhwe fordert statt dessen die Ermordung aller Ungläubigen. Diese Vorgehensweise hat sich auch im Jahr I2013 nicht verändert.

Wagner sprach immer wieder emphatisch vom „Frieden“, ein zentraler Gedanke, der ihm Sinn des Lebens war. Am meisten beschäftigte ihn in den letzten Jahren seines Lebens der zivilisatorische Niedergang, die „Degeneration“ der Menschheit.

Aber auch die Möglichkeit, einen neuen Menschentyp zu schaffen, die „Regeneration“ der Menschheit, nahm in seinem Denken breiten Raum ein. Er führte den zivilisatorischen Verfall der Menschheit vor allem auf die Herrschaft des Geldes, die Institution des Eigentums und die grassierende Lieblosigkeit zurück. Wagner war fest davon überzeugt, daß die ganze Zivilisation durch den Mangel an Liebe zugrunde gehen werde. Diese „Lieblosigkeit“ könne nur auf dem Boden der Eigensucht gedeihen. Das Geld hätte die Menschheit ruiniert. Hinzu kämen, so Wagner, „der Verderb des Blutes, die Vermischung der Rassen und die fleischliche Nahrung.“

Anmerkungen Paganlord: Mangel an Liebe und Lieblosigkeit muß mit "Respekt allem Lebendigen" gegenüber übersetzt werden. Wer der Erde keinen Respekt zollt, sondern sie aus Geldgier heraus zerstört, zerstört hemmungslos auch jegliches andere Leben, egal ob Tier oder Natur.
Entweder man findet einen Weg oder man schafft einen Weg!
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#3
Wagner ging aufgrund seiner Studien davon aus, daß der Mensch sich ursprünglich fleischlos ernährte und erst im Laufe der Zeit zu einem Fleischesser wurde. Die Fleischnahrung habe aber die Raub- und Blutgier des Menschen geweckt. Sie habe ihn zu einem Raubtier gemacht, das die friedliche Welt beherrschte. Wagner war fest davon überzeugt, daß die Fleischernährung mit dem Eroberungsdrang des Menschen und dem Krieg in einem kausalen Zusammenhang stünde.

Seiner Zeit um Jahrhunderte voraus, machte das Genie konkrete Vorschläge zur Therapie des Menschen. In der grundlegenden Veränderung der Ernährungsgewohnheiten, nämlich in der Umstellung auf Pflanzenkost, sah Wagner die Möglichkeit, daß die Welt zivilisatorisch genesen könne. Wagner stand der Bewegung der Vegetarier nahe, kritisierte aber, daß viele religionslos seien. Überhaupt kritisierte er die „moderne, religionslose Welt“ immer und immer wieder. Er beklagte das Versagen der „erhabensten Religionen, Chr*stentum und Buddhismus“, da beide Religionen in einer tiefen Krise steckten. Nur mit einer neuen, wahrhaften Religion könne die Menschheit gerettet werden.

Anmerkungen Violetta: Das Wort „religionslos“ muß, wie das Wort „lieblos“ mit „respektlos, hemmungslos, ohne Moral etc.“ übersetzt werden.

Was Wagner als neue Religion vorschwebte, war die Vereinigung von chr**tlichen und bu**histischen Elementen. Indem er das Chr**tentum als das Fundament einer neuen Religion betrachtete, machte er keinen Hehl daraus, daß gleichwohl ein geläutertes Chr**tentum geschaffen werden müsse, das sich mit wichtigen Teilen des Buddhismus zu verschmelzen habe.

Anmerkungen Violetta: Hätte Wagner im geringsten „Heidentum, germanische Heiden, antike Göttinnenkultur, Muttergöttin oder Erdmutter Gaia“ angedeutet, ihm hätten von Zwangseinweisung in die Psychiatrie, Ermordung (wie mit König Ludwig II. geschehen) oder sogar ein tatsächlicher Hexenprozeß gedroht. Man muß seine Symbole, die Wagner in Sprache, Musik und Rhythmus eingebunden hat, richtig d. h. im Urzustand deuten.

Wenn Wagner Chr**tentum und Buddhismus vereinigt sehen wollte, oder sogar auf eine religionslose Welt hinwies, dann muß auf die subatomaren Botschaften in Wagners Musik und Texten und der heiligen Geometrie (in Ludwigs Architektur verpackt) geachtet werden. In einem chr**tlichen Land im 19. Jh. kann selbst ein Komponist nicht automatisch erfolgreich werden, nur weil es Musikliebhaber seiner Stilrichtung gibt. Vor allem bei Themen wie dem Gral und den Gralsrittern mußte Wagner beachten, daß sein Hintergrundwissen um die Vorgehensweisen der antiken Götterrunde (hier speziell der germanischen Kultur) nicht direkt hervorgehoben werden konnte, ohne die klerikale Polizei und Tugend-/Sittenwächter auf den Plan zu rufen. Auch mit der Hochfinanz und mit der Politik mußte er, zumindest nach außen hin, einer Meinung sein.
Sei!
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#4
Nachdem die alte Parsifal-Inszenierung an der Wiener Staatsoper in die Jahre kam, stand heuer wieder eine Neuinszenierung an. Übernommen hat dies Alvis Hermanis. Ich hatte dieses Jahr das Vergnügen der Generalprobe beizuwohnen. Und ich muss schon mal vorab sagen, es war wirklich ein Vergnügen.

Der Regisseur Hermanis hat gleich 2 'Treffen' eingebracht ... Richard Wagner trifft auf Otto Wagner (die Handlung wurde ins Otto Wagner Spital auf den Steinhofgründen verlegt) & Moderne trifft auf Zukunft (zeitlich spielt sie Ende 19. Anfang 20. Jahrhundert). Gurnemanz wurde als Arzt angelegt, der sich um die alternden, und dem spirituellen und geistigem Verfall ausgestzten, Ritter (damalige Größen der Psychiatrie: Jung, Freud, ... etc.) kümmert, Kundry als dem Wahnsinn nahe, umherirrende Suchende, Klingsor als Pathologe a la Dr. Frankenstein und die Blumenmädchen wiedererwachende Schönheiten. Auf jeden Fall ziehen sich Gehirne durch die gesamte Inszenierung, auch der Gral ist als leuchtendes Gehirn dargestellt und Amfortas' gestohlener Speer geht mitten durch ein Gehirn (wie anno dazumal Excalibur im Stein). Spätestens jetzt wird klar, warum Amfortas den blutenden Verband am Kopf hat und dieser an beiden Seiten blutet. Hermanis lässt diesmal auch nicht nur Titurel sterben, sondern auch Amfortas und bricht in dieser Inszenierung aber noch mit einer anderen Tradition: Es ist Kundry, welche den Gral als Geheilte öffnet und die Szenerie danach glücklich durch den Hintergrund verläßt

Da aber Wagner gerade bei Parsifal genaueste Anweisungen gegeben hat, wie zu inszenieren sei, wirken manche Umsetzungen karikativ und ironisch ... Kundry wird im ersten Teil in einem Netzbett von Klingsor aus der Szenerie entführt; Klingsor versucht in der Pathologie Herzeleide mit einer Gehirnoperation wieder zu erwecken; Kundry auf Freuds Sofa wirkt wie eine aus Aida geflohene Prinzessin Leia (Star Wars) die unpassend versucht Parsifal zu verführen; Anfang dritter Teil wird die szenische Anweisung bzgl Blumen und Einsiedlerhaus gezeigt, aber man sieht nur das Innere des Otto Wagner Spitals; Parsifal in goldener Ritterrüstung aus der Bronzezeit mit Voll-Visier reinirrend wirkt zeitlich völlig deplaziert; die Gralsritter mit Ihren Flügelhelmen wirken wie aus Asterix & Obelix ... man könnte noch so einiges finden, was irgendwie gegensätzlich oder unpassend wirkt.

Trotzdem, oder gerade deswegen, ist diese Inszenierung meiner Meinung nach durchaus besser gelungen als die vorhergehende (hatte ich auch letztes Jahr vor Ostern noch gesehen, alles abgehalftert (bis auf Klingsors Bordell) und auch beim Karfreitagszauper kam kein Glanz auf oder war optisch irgend eine Verwandlung auszumachen). Ich bin nach knapp 15 Minuten regelrecht entschwebt und mitgezerrt worden ... nicht weil irgendwas langatmig oder einschläfernd war ... ganz im Gegenteil ... ich bin so wunderbar aus meinem derzeit extrem stressigen Alltag geholt worden, dass ich nach dieser Zeit so im Parsifal mitgeschwebt bin, dass der Alltag für über 2 Teile (ca. 4 Stunden) genau keine Rolle gespielt hat und ich alles draußen vor dem Operneingang hab liegen lassen können. Das hat mich sehr erholt um auch die nächsten Wochen Arbeitsstreß "durchzudrücken".

Aus diesem Grund kann ich Kritik in Richtung Dirigend Semyon Bychkov überhaupt nicht nachvollziehen, die manche von sich gegeben haben.

Da ich nicht so bewandert bin in den derzeitigen Darstellern und großen Sängern der Zeit waren mir, bis auf Jongming Park (Titurel; hatte ich schon bei einer Verdi-Oper davor erlebt), Gerald Finley (Amfortas; nur namentlich) und Chr*stopher Ventris (Parsifal; auch nur namentlich), alle Sänger nicht bekannt. Auch dass manche Kritiker René Pape, der für den erkrankten Hans-Peter König sehr kurzfristig als Gurnemanz eingesprungen ist, nicht den Respekt zollte, denn er eigentlich verdient (das Publikum wusste es sehr wohl zu würdigen) für diese schwere Rolle, ist nicht nachvollziehbar. Auch Nina Stemme (Kundry), welche als einzige in keiner Kritik, die mir bis dato untergekommen ist verrissen wurde, und Gerald Finley (Amfortas) spielten und sangen echt grandios. Einzig Jochen Schmeckenbecher (Klingsor) fand ich sängerisch zu brav angelegt, ist er doch der eigentlich Böse hier.

Einziger Kritikpunkt meinerseits, wie üblich in Wien: Die Lautstärke des Orchesters war phasenweise viel zu laut. Man konnte die Sänger an diesen Stellen überhaupt nicht verstehen. Ich empfinde Oper als gemeinsames Spiel von Orchester UND Sängern ... in Wien artet es leider immer wieder zu einem Wettstreit zwischen Sängern und Orchester aus ... Leider Traurig ... Auch wenn die Philharmoniker exzellent sind, kann man Ihnen durchaus mal Paroli bieten und sie auf den Boden der Tatsachen holen ... denn wie würde das aussehen, wenn man so stimmgewaltige Sänger hätte, die die Musik in den Hintergrund drängen könnten? Geht nicht ... muss/sollte also für Musik auch gelten ...

Ich liebe natürlich klassische Inszenierungen, aber ich kann auch Modernisierungen durchaus was abgewinnen, wenn es themenmäßig paßt und gut umgesetzt ist (die Inszenierung in der Chemiefabrik damals (war das Tannhäuser?) war für mich mehr als unpassend!). Geschmäcker sind verschieden ... wissen wir alle ... Aber diese hier zu verreißen empfinde ich mehr als übertrieben. Wenn mir etwas nicht gefallen hat oder gefällt, kann ich mich normal davon distanzieren ... Buh-Rufe sind gerade bei Kunst und vor allem bei Wagner, der zwar viele genaue Anweisungen hinterlassen hat, aber auch sehr viel Interpretationsspielraum und Ideenreichtum für stimmige Modernisierung bietet, mehr als unangebracht.

Hier noch ein paar Szenen um sich selbst ein Bild davon zu machen:

   
   
   
   
   

Und hier die Kritiken zum Nachlesen:

http://diepresse.com/home/kultur/klassik/5193283/Wiener-Staatsoper_Bei-diesem-Parsifal-gingen-die-Wogen-hoch

Eine sehr schöne, neutral-positive Kritik

http://orf.at/stories/2384754/2384755/

Vorabinfos mit interessanten Betrachtungsweisen

http://der-neue-merker.eu/wien-staatsoper-parsifal-5

Ausführliche und recht negative Kritik (beim Merker aber nicht unüblich ... da wird fast jede Inszenierung von Wagner zerrissen)

https://l.facebook.com/l.php?u=https%3A%2F%2Fwww.br-klassik.de%2Faktuell%2Fnews-kritik%2Fparsifal-wiener-staatsoper-wagner-premierenkritik-alvis-hermanis100.html&h=ATMsaD6XODRHmsyrGsffp557PKCseJLf6LC_kK-yMmSHCL3MrO3FDXJw4psYGG5ri9h8mGpSTgYBSrQgtiSm1uyodk5Nmx-5zV5AqXpWSltVqavSHuwti00F90heiVsF1WAAyw

Kritik komplett daneben. Allein schon der erste Absatz zeigt, dass die Kritikerin sich entweder die Inszenierung gar nicht angesehen hat, oder von der Materie keine Ahnung hat.

In diesem Sinne ... Schönes Wochenende

Winken
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#5
In der Deutschen Oper Berlin wird zur Zeit meine Lieblingsoper: "Der Fliegende Holländer" aufgeführt. Das haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Als Holländer ist Samuel Youn (ein Japaner) zu hören. Die in einigen Kritiken als: "Schmutzig-Schwarzes-Setting" beschriebene Inszenierung findet sowohl optisch, als auch akustisch großen Gefallen. Für meinen Geschmack wunderbar zum Eintauchen in vergangene Zeiten geeignet. Die gesamten Aufbauten und alle Darsteller sind in schwarz-weiß gehalten. Man kommt sich vor, als würde man einen alten S/W-Film sehen. Der Nebel und die riesengroßen Türen verstärken die entsprechende mystische Stimmung optisch eindrucksvoll. Das hat Stil! Das ist mal etwas Anderes. Neuartig zwar, aber trotzdem irgendwie traditionell – und vor allen Dingen richtig mystisch. Mit nur wenig Kulisse schafft der Regisseur ein Bühnenbild, welches einen von der ersten Sekunde an fesselt, in seinen Bann schlägt und einen mitnimmt auf die Reise über die Nord- und Ostsee des 19. Jahrhunderts.  

Am besten gefällt mir jedoch der ziemlich neue schwedische Opernstar Ingela Brimberg als Senta. Sie schafft es auch in den höchsten und schrillsten Tonlagen, ihre explosive Stimme zu kontrollieren. Ich mußte zwar hin- und wieder stöhnen (aufgrund der für Männerohren nicht geeigneten ganz hohen Töne), aber die Brimberg hat es echt drauf. Das war eine phantastische Leistung!

Wer mal reinhören möchte:



Entweder man findet einen Weg oder man schafft einen Weg!
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#6
Hallo zusammen,

genauso habe ich es auch wahrgenommen. Durch die düstere und zugleich mystische Atmosphäre konnte man der Totenreise folgen und in diese Reise „emotional“ eintauchen. Der gewählte Kontrast zwischen hell und dunkel, traurig und ausgelassen, spiegelt hervorragend den Wechsel von Leben und Tod wider. Wie Licht und Schatten auf unsere Psyche wirken, kann man gerade jetzt erleben. Beim kleinsten Sonnenstrahl steigt unsere Stimmung und weckt die Lebensfreude in uns. In der dunklen Jahreszeit wirkt alles eher trist und melancholisch.

Hell und dunkel, Licht und Schatten, laut und leise, Sommer und Winter, Leben und Tod.  
Hierzu passt das minimalistische Bühnenbild hervorragend.

Das war wirklich eine ganz gelungene Vorstellung!  

Liebe Grüße
Inara
Das Glück Deines Lebens hängt von der Beschaffenheit Deiner Gedanken ab.
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