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Bahn versprüht Glyphosat
#11
Ein zusammengekürzter Bericht von 1989 (Spiegel)


Zur Unkrautbekämpfung, die bis in die zwanziger Jahre per Handarbeit und danach mittels großer Mengen Natriumchlorat erledigt wurde, dienen seit 1955 Herbizide. Die Bahn aber wirbt mit dem Werbespruch: "Wo die Bahn fährt, da lebt die Natur"!

Anmerkung: Was für eine Pseudomoral!


Auf ihrem (damals noch) 27 000 km langen Schienennetz läßt die Bahn alljährlich rund 300 Tonnen Unkrautvernichter versprühen.

Experten (z.B. Hartmut Lichtenthaler, Professor am Botanischen Institut der Universität Karlsruhe) kritisieren: "Weshalb die Bahn das 10 bis 15fache gegenüber der in der Landwirtschaft ausgesprühten Dosis verwendet, ist unbegreiflich."

Lichtenthaler vergleicht diese Dosis mit der beim Dschungelkrieg in Vietnam verwendeten Menge durch die US-Invasoren. "Es wurden vergleichbare Mengen eingesetzt, die dazu führten, daß ganze Wälder entlaubten und Agrarflächen über Jahrzehnte hinaus für die landwirtschaftliche Nutzung unbrauchbar gemacht wurden".

Aber nicht nur Anwohne an Bahndämmen bekommen die Folgen der Sprüherei zu spüren! Immer öfter werden Rückstände der Bahn-Herbizide im Grundwasser gefunden.

Allen Protesten setzt die Bahn entgegen, daß noch "keine für die Entkrautung des Gleisbereiches anwendbare Alternative zur Verfügung steht". Um Unfallrisiken auszuschließen, müssen deshalb jedes Jahr erneut Herbizide eingesetzt werden.

Anmerkung: 30 Jahre später immer noch dieselbe Argumentation!
Jedem ist ersichtlich, daß es ausschließlich um Geld dabei geht! Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Gesundheitsschutz werden wider besseren Wissens übergangen, weil der Profit des Unternehmens an erster Stelle steht.



Kritiker der Bahn widersprechen. Die alljährliche Wiederholung der Sprühaktionen halten sie für überzogen. Der Karlsruher Botanikprofessor Lichtenthaler ist der Ansicht, daß "eine Herbizid-Applikation höchstens alle 4 - 5 Jahre notwendig ist".

Damalig bekannte Regreßzahlungen der Bahn:
- Oberlandesgerichtes Karlsruhe: 1987 435.000 DM an die Stadt Frankenthal und an einen ortsansässigen Privatmann (mehrere Dutzend Kastanien und Platanen waren nach Herbizid-Spritzungen erkrankt, zum Teil abgestorben).
- Pforzheim: 87.000 DM Schadensersatz und Sanierungskosten, nachdem Platanen in Bahnhofsnähe durch das Pflanzengift Hexazinon geschädigt worden waren.
- Hannover/Herrenhausen 32.000 DM an eine Kleingartenkolonie, weil das bei Gleisspritzungen verwendete Herbizid Bromacil mehrere Brunnen verseucht hatte.
Taktik der Bahn: Schadensersatzklagen führen zu unendlichen Geschichten vor Gericht, in denen jedes Gutachten ein Gegengutachten nach sich zieht usw.

Ein Gartenbaubetrieb in Radolfzell am Bodensee:
Die Brüder Wilhelm Friedrich und Franz Herbert Gockenbach beziffern ihre Einbußen auf mehr als 700.000 DM. Immense Schäden entdeckten die Gärtner schon 1976: "Tausende von Geranien, Petunien und Gemüsekulturen verdarben über Nacht." In den folgenden Jahren schlugen Neuanpflanzungen fehl, auch der Austausch des Mutterbodens auf den Beeten brachte keinen Erfolg.
Messungen des Wasserwirtschaftsamtes Konstanz ergaben, daß das Brunnenwasser des Gartenbaubetriebs, der nur wenige Meter von einer Bahnlinie entfernt liegt, bis zu 147 Mikrogramm Bromacil pro Liter enthielt – eine Herbizid-Konzentration, die für viele Pflanzen tödlich ist.

Der Wirkstoff, so ermittelten die Gockenbachs, gehört zum Arsenal der Gifte, die im Auftrag der Bahn versprüht werden.

Trotz deutlicher Hinweise auf die Spritzungen als Schadensursache wurde 1982 ein erstes Verfahren gegen die Bahn niedergeschlagen. Begründung: Zwar sei ein Zusammenhang zwischen den Herbizid-Aktionen und den Schäden in der Gärtnerei "wahrscheinlich", aber nicht "mit einer zur Verurteilung genügenden Sicherheit nachweisbar".

Anmerkung: Hier erkennt man deutlich, daß eine Unterlassung der Verwendung von Herbiziden staatlicherseits gar nicht erwünscht ist.


Die drei zuständigen Bundesministerien - Verkehr, Landwirtschaft und Umwelt - können sich nicht einigen, weshalb Justizinstanzen klären müssen, ob das Versprühen von Giften durch die Bahn zulässig ist.

Anmerkung: Ist das wirklich rein "zufällig" so, daß sich die Ministerien nicht einigen konnten? Und was hat sich an dieser Vorgehensweise bis heute verändert?



Die Bahn arbeitet aufgrund der Nichteinigung der Ministerien eigenverantwortlich.
In der Praxis bedeutet das: Keine Fachbehörde des Bundes oder der Länder ist befugt, die Spritzaktionen des Staatsunternehmens und seiner Vertragsfirmen zu genehmigen und zu kontrollieren. Die Bahn überwacht sich selbst – ein Usus, der sich auf einen Paragraphen im Bundesbahngesetz stützt.

Anmerkung: Was will man zu solchem Vorsatz noch sagen, außer, daß die entsprechenden Ministerien an der Umweltverschmutzung im großen Stil Mitverantwortung tragen?!


Das war das Thema vor 30 Jahren!
Wenn man heute schaut, was sich verändert hat, dann nur die Kontonummern und die Herbizide, sonst nicht viel!
Kein besserer Freund – kein schlimmerer Feind!
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#12
Damals wie heute: Die Deutsche Bahn AG ist ein Staatsbetrieb!

(30.06.12019, 17:46)wikipedia schrieb: https://www.pagan-forum.de/Thema-Bahn-verspr%C3%BCht-Glyphosat?pid=54984#pid54984Das zu 100 % bundeseigene Unternehmen ist das größte Eisenbahnverkehrs- und Eisenbahninfrastrukturunternehmen in Mitteleuropa und bereits seit mehreren Jahren international tätig
Entweder man findet einen Weg oder man schafft einen Weg!
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#13
Hier ist auch mal eine gute Nachricht:  Daumen hoch


"Österreich hat als erstes Land in der EU den Einsatz des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat verboten. Der Nationalrat hat am Dienstag mehrheitlich einem Antrag der SPÖ zugestimmt. Der nationale Alleingang ist rechtlich umstritten. Das Verbot könnte EU-Recht widersprechen, da die EU-Pflanzenschutzverordnung Glyphosat noch bis Ende 2022 erlaubt. Die einzelnen Mitgliedsländer können nur in absoluten Ausnahmefällen ein Verbot von zugelassenen Wirkstoffen verhängen.

Ein "historischer Meilenstein"

Dennoch sprach die Umweltschutzorganisation Greenpeace von einem "historischen Meilenstein". Nun liege der Ball bei der EU-Kommission, die gegen den Beschluss binnen drei Monaten Einspruch erheben könne. Die EU-Kommission habe die Möglichkeit nationaler Verbote zugesichert. Sie dürfe ihr Versprechen jetzt nicht brechen.

Der Wirkstoff Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Er wurde von der heutigen Bayer-Tochter Monsanto als Herbizid auf den Markt gebracht. In Nordamerika wurde das Mittel seit den 1970er Jahren unter dem Markennamen Roundup vertrieben. Der Bayer-Konzern sieht sich in den USA mit einer Klagewelle wegen möglicher Gesundheitsschäden durch Glyphosat konfrontiert. Seit Auslaufen des Patentschutzes wird Glyphosat auch in den Mitteln zahlreicher anderer Anbieter eingesetzt.

Viele vergebliche Versuche

Frühere Versuche, den Stoff zu verbieten, scheiterten. So musste das Bundesland Kärnten ein generelles Verbot zurücknehmen. Mit Blick auf die EU gilt das Verbot dort nur in öffentlichen Parks oder Gärten, Friedhöfen, Sport- und Freizeitplätzen, Schwimmbädern, Schulgeländen oder auf Kinderspielplätzen.

Zu Skepsis in Sachen Verbot neigt eine "nationale Machbarkeitsstudie Glyphosat", bei der unter anderem Wissenschaftler der Wiener Universität für Bodenkultur (BOKU) 400 Studien ausgewertet haben. Ihrer Einschätzung nach würde ein generelles Verbot von Glyphosat gegen EU-Recht verstoßen. Der Einsatz könne aber deutlich eingeschränkt werden. Zudem bescheinigten sie, dass Glyphosat kein erhöhtes Risiko zu vergleichbaren anderen Pestiziden habe.

Verstöß Verbot gegen EU-Recht?

Auch das deutsche Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft betrachtet ein Glyphosat-Totalverbot mit Skepsis. "An unserer rechtlichen Einschätzung, dass ein Totalverbot (EU-)rechtswidrig wäre, hat sich nichts geändert", hieß es am Dienstag aus dem Ministerium. "Diese wird auch durch Kommissions-Stellungnahmen in verschiedenen Notifizierungsverfahren zu regionalen Glyphosatverboten unterstützt."

FPÖ-Fraktionschef Norbert Hofer meinte, dass man die Entscheidung der EU nicht beeinflussen könne. "Wir denken aber, dass wir mit unserer Entscheidung den größtmöglichen Schutz der heimischen Konsumentinnen und Konsumenten sichergestellt haben."

Bisher ist der Einsatz von Glyphosat in keinem Land der Welt verboten. Vietnam hat dies unlängst zwar beschlossen, dort dürfen aber noch Restbestände verbraucht werden. Zwischenzeitlich gab es ein Verbot in Sri Lanka, die Regierung steuerte aber um.

Widersprüchliche Einschätzungen

Der Wirkstoff ist hochumstritten. Eine Unterbehörde der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte Glyphosat 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" ein. Andere Behörden und Studien kamen zum Schluss, dass Glyphosat bei sachgemäßer Handhabung sicher sei.

Der Wirkstoff spielt vor allem in Nord- und Südamerika eine große Rolle, wo Landwirte auf gentechnisch veränderte Pflanzen setzen. Solche Pflanzen ermöglichen den Einsatz von Glyphosat auch nach der Aussaat - Pflanzen ohne gentechnische Veränderungen würden nach dem Spritzen daran kaputtgehen. In der EU werden gentechnisch veränderte Pflanzen noch nicht im großen Stil angebaut, daher schränken sich die Einsatzmöglichkeiten von Glyphosat stark ein - bestimmte Felder werden vor der Aussaat damit bespritzt, um Unkraut den Garaus zu machen.

Die deutsche Bundesregierung will voraussichtlich im September ein Konzept zum Umgang mit Glyphosat präsentieren. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bekannte sich jüngst ausdrücklich zu dem im Koalitionsvertrag vereinbarten Ausstieg: "Wir werden dahin kommen, dass es eines Tages keinen Glyphosat-Einsatz mehr gibt."

Quelle: https://www.gmx.net/magazine/politik/oesterreich-beschliesst-totalverbot-glyphosat-33818114
Innen wie Außen
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#14
Zitat:"Wir werden dahin kommen, dass es eines Tages keinen Glyphosat-Einsatz mehr gibt."

Dieser Satz ist vollkommen nichtssagend.
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#15
(02.07.12019, 20:34)Andrea schrieb: https://www.pagan-forum.de/Thema-Bahn-verspr%C3%BCht-Glyphosat?pid=55008#pid55008
Zitat:"Wir werden dahin kommen, dass es eines Tages keinen Glyphosat-Einsatz mehr gibt."

Dieser Satz ist vollkommen nichtssagend.

Sehe ich leider genauso!
Eine der unzähligen Phrasen, die Hoffnung bei allen Befürwortern eines Verbotes schürt, mehr aber auch nicht! Ein Spiel auf Zeit! Wenn man es genau betrachtet, muß man in Tagen denken! Jeder Tag, an dem dieses Gift weiter in unvorstellbaren Mengen versprüht wird, ist ein unentschuldbares Verbrechen an Umwelt, Natur und Mensch! Jeder Tag zählt also, doch leider muß man bereits von Jahren/Jahrzehnten sprechen, in denen dieses Zeug Anwendung findet!
Kein besserer Freund – kein schlimmerer Feind!
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