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Das Heidentor
#1
Ich möchte euch vom Heidentor erzählen, einem Opferplatz der Kelten auf der Schwäbischen Alb. Aber es soll nicht nur eine Ansammlung von Daten werden, sondern auch eine kleine Geschichte (klein ist allerdings etwas untertrieben, es wurde weit länger als geplant). Und gute Geschichten beginnen fast immer mit:

Vor langer, langer, Zeit (na ja, vielleicht nicht ganz so lange, es ist nur einige Jahre her) ...

... stieß ich auf ein Buch, welches von Kultstätten in Deutschland handelte. Während des Schmökerns über viele interessante Orte, stellte ich fest, dass es sogar einige in relativer Nähe zu meiner Heimat gab. Wobei... Gegeben hat es bestimmt noch mehr, aber diese wurden wenigstens mit zusätzlichen Informationen/Vermutungen aufgeführt. Eines davon ist, wie der geneigte Leser schon vermutet, das Heidentor gewesen. Ich nahm mir sofort vor, es irgendwann mal zu besuchen. So schnell dies daher gesagt war, so lange ward es nie getan. Das Buch verschwand im Bücherregal, und der Gedanke daran verblasste.

Und die besagten Jahre vergingen, bis sich eines Tages die Gelegenheit dazu bot:

Beruflich musste ich an einen anderen Einsatzort. Beim Karten lesen und Routen suchen, kam mir die Gegend wieder in den Sinn. Und was dort noch zu finden war, also wurde ein wenig recherchiert, und ab ging die Post. Nach getanem Tagewerk sollte es auf „Schatzsuche“ gehen.

Den Teil mit der Arbeit überspringen wir mal schnell, und weiter geht’s.

Mein kleiner Navigator führte mich in einen kleinen, etwas verschlafenen Ort mit Namen Egesheim. Umgeben von Bergen und Wald, genauer gesagt auf einer Landschaft, die man Heuberg nennt, kann man es weder vor Ankunft sehen, noch von dort aus einen anderen Ort. Ich bin beim ersten Mal sogar gleich wieder rausgefahren, weil ich dachte, da käme noch etwas mehr. Und noch mal zurück zum eigentlichen Ziel: ein Bergrücken, den man Oberburg nennt, direkt an der Ortschaft gelegen. Die Straßen dort hinauf, wobei „hinauf“ noch nicht mal einem Viertel der Gesamthöhe entspricht, sind klein und steil. Mein kleiner Flitzer brachte mich aber ohne Murren, so weit ich fahren durfte, und hatte erst mal Pause.

Lobend erwähnen muss man, dass die Egesheimer Landsleute alles schön beschildert haben. Dass ich sofort den falschen Weg nahm, kann man ihnen ja nicht ankreiden... Falsch mag aber nicht ganz das korrekte Wort sein. Ich traf nämlich auf „Ferdi´s Bienenpark“. Offensichtlich hat ein Imker hier eine kleine Stadt für seine Bienenvölker geschaffen, mitsamt einem kleinen Lehrpfad der über das fleißige Völkchen gut informiert. Also hab ich mal schnell guten Tag gesagt, und von Bienen umsummt und Schmetterlingen umflattert den Aufstieg in Angriff genommen.

   

Der Weg nach oben ist gut ausgebaut und wie gesagt beschildert. Das mag aber leider nicht nur am Heidentor liegen. Der Bergrücken, von dem auch vermutet wird, dass auf ihm einst gesiedelt wurde, wird sowohl von heidnischen Dingen, als auch von Chr*stlichem... Unfug in Anspruch genommen. Da wäre z.B. ein riesiges zum Ort hin weit sichtbares Kreuz aus Metall, zu dem ein Kreuzweg gehört. Zum andern wäre da das Tor selbst. Hinzu kommt ein großer Aschenhaufen, welcher nahelegt, dass der alljährliche Brauch des Funkenfeuers (immer Ende Februar/Anfang März) hier noch gepflegt wird. Ironischerweise liegt dieser unweit des metallenem Undings.
Kurze Zeit später wechselte ich spontan auf einen kleineren Waldweg. Nicht um Passanten auszuweichen, die gab es nicht, nein es ist einfach angenehmer für mich.

   

Allerdings verschwanden so die Schilder, und ich wusste nicht mehr wohin. Dennoch ging es weiter, immer höher hinauf, bis ich oben auf dem Plateau stand. Und was jetzt? Nichts zu sehen außer Bäumen und ein recht steiler Abhang. Hätte ich gewusst, auf welcher Bergseite mein Ziel liegt, wäre es einfach gewesen. So aber machte ich mich einfach auf, am Rand entlang zu wandern. Und das ging eine ganze Weile so. Eine Ortsbeschreibung, die ich bei meinen Recherchen las, nannte die Gegend einen Märchenwald. Daran denkend, geschah es tatsächlich, wie man es von Märchen erwartet: Ich folgte einem kleinen Wildwechsel, und plötzlich brach die Sonne aus den Wolken. Und gleich drauf stand ich vor dem Heidentor. Besser gesagt, es stand unter mir.

   

Und jetzt wird’s interessant. Die Bilder ließen mich vermuten, dass es ein freistehendes Tor ist, aber es war mehr eine Art Loch in einer Felswand. Und hindurch zog sich ein recht steiler Abhang. Im Allgemeinen wird angenommen, dass es sich hier um eine Opferstätte handelt. Durch Grabräuber und später auch Ausgrabungen kamen viele Fibeln und Ringe ans Licht, die wohl durch das Tor nach unten geworfen wurden. Da ich selbst zweimal hindurchging, kann ich bestätigen, dass nichts, was da hindurch fällt, so schnell wieder nach oben kommt.

   

Mein schlaues Buch von damals sagt übrigens dazu, dass man der Ansicht ist, es handele sich um eine eher von Frauen genutzte Stätte. Kreis, weiblich, Bauch etc. Andere Stimmen sagen, dass man versucht hätte mit den Fibeln und Ringen Liebeszauber zu erwirken. Abgeleitet davon, dass Fibeln etwas zusammenhalten und Ringe ja heute noch bei Eheversprechen als „Bindemittel“ (meine Wortschöpfung) eingesetzt werden. Zu erwähnen sind übrigens noch Phallus-artige Felsnadeln in der Nähe.
Außerdem soll es in der Nähe eine Quelle gegeben haben, die inzwischen versiegt ist.

   

Der Ort ist auf jeden Fall ansprechend und einen Besuch wert. Ich selber habe die kleine Wanderung wenigstens genossen. Der Rückweg fällt wortmäßig weit kürzer aus: den richtigen Weg gefunden und abgestiegen. Allerdings habe ich festgestellt, dass mein Pfad hinauf zwar nicht der offizielle war, aber der direkte und wesentlich kürzere Lächeln

   

Blumengrüße
   

Der Heide und das Tor
   

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, und ich hoffe es war von Interesse.

Waldschrat
Das Glück ist mit den mutigen.
Antworten
Es bedanken sich: Hælvard


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