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Die eingeredete Krankheit
#1
Quelle: Schrot&Korn September 2007

[b:ec73a3]Die eingeredete Krankheit[/b:ec73a3]

Big-Pharma erfindet immer neue gewinnträchtige Leiden oder definiert Altbekanntes plötzlich um. Dabei täuscht sie die Öffentlichkeit, ködert Ärzte und Wissenschaftler. Allmählich formiert sich Widerstand. // Elke Achtner-Theiß

Die Krankheit hat viele Namen. Nennen wir sie „Wasistes“. Anfangs tritt sie vereinzelt in Form kleiner Meldungen in der Tagespresse auf, dann überzieht sie mehrseitig Frauen- und Gesundheitsmagazine, um schließlich die Medienlandschaft flächendeckend zu befallen. „Immer mehr Menschen“, so erfahren wir, erkrankten an Wasistes, einem bislang unterschätzten Leiden. Die ersten Symptome: Müdigkeit, Schwächegefühl, Kopfschmerzen... Schon zaubert eine „gemeinnützige Stiftung“ eine Studie aus dem Hut, wonach Wasistes mit Übergewicht und/oder Cholesterinüberschuss einhergeht, Forschungsinstitute finden Belege, dass ein Mangel an Vitamin XY zugrunde liegt. Am Ende erntet die Kampagne, was sie gesät hat: „Immer mehr Menschen“ fürchten, an Wasistes erkrankt zu sein, und füllen die Wartezimmer. In Apotheken und Drogerien boomen Cholesterinsenker, Diätpulver und Vitamin-XY-Pillen.

[b:ec73a3]Menopause des Mannes?[/b:ec73a3]

Übertrieben? Leider nein! Wie die Medizinallobby arbeitet, wie sie Gesunde krank redet und zu Ader lässt, hat unter anderem der Journalist Jörg Blech im Detail recherchiert. Die Anti-Lobby-Organisation Transparency International (TI) hat die Hintergründe, speziell in Deutschland, ausführlich beschrieben. Das Spektrum der Wasistes-Formen umfasst sowohl fantasievolle Erfindungen wie die „Menopause des Mannes“ oder das „Chronische Müdigkeitssyndrom“ als auch die verblüffende Zunahme realer Krankheiten wie Osteoporose oder Diabetes. Mal wird ein einzelnes Symptom oder ein bloßes Risiko zur Krankheit selbst stilisiert, mal die kritische Markierung eines Analysewerts grundlos heruntergeschraubt. Ziel der PR-Aktivitäten: den Markt durch öffentliche Hypochondrie zu beleben, wobei Zeitungen, Fernsehsender und Buchverlage teils wissentlich, teils unwissentlich mitwirken.

[b:ec73a3]PR durch die Hintertür[/b:ec73a3]

Doch die PR-Arbeit der Pharmahersteller macht bei den Medien nicht halt. Sie kriecht auch in Arztpraxen und Kliniken durch die Hintertür beziehungsweise durch den Lieferanteneingang. Das klassische Pröbchen des Pharmavertreters als Gratisgabe für Patienten reicht nicht mehr. Ärzte werden zu sogenannten Kongressreisen eingeladen, werden überredet, sich an „Beobachtungsstudien“ zu beteiligen, indem sie bevorzugt die Me-dikamente eines bestimmten Herstellers verordnen, „Aufwandsentschädigung“ in-begriffen. Computersysteme, die die „richtigen“ Rezepte auf Tastendruck auswerfen, sind gleich mit im Angebot. Das Schlimme daran: Viele Ärzte spielen mit. Seit die Gesundheitsreform so mancher Arztpraxis ein Loch in der Kasse beschert hat, werden Patienten gern auf Privatrezept zu Ader gelassen. „IGeL“ heißt das stachlige Prinzip und steht für „Individuelle Gesundheitsleistungen“. Der ursprüngliche Sinn war, dass Patienten für Medikamente oder Verfahren selbst zahlen, die wegen nicht belegter Wirkung auf dem Index der gesetzlichen Krankenkassen stehen. Doch die Absicht des Gesetzgebers hat sich verkehrt: Heute legen Ärzte ihren Patienten nahe, sich aufwendigen Untersuchungen oder Therapien zu unterziehen (siehe Interview Seite 56). Da verwandeln sich strikte Schulmediziner urplötzlich zu Anhängern von Eigenblutbehandlung und Darmsanierung – aus bloßer Geschäftstüchtigkeit.

[b:ec73a3]Ein Drittel der Forscher „mogelt“[/b:ec73a3]

Sogar die etablierte Wissenschaft geht vor Big-Pharma in die Knie. Das US-Fachblatt Nature berichtete 2005 von einer Umfrage unter mehr als 3000 amerikanischen Biologen, Chemikern, Medizinern und Soziologen zu dem jeweiligen Hintergrund ihrer Studientätigkeit. Dabei gaben 15 Prozent an, gelegentlich Ergebnisse geschönt zu haben, weil sie von Auftraggebern unter Druck gesetzt wurden. Weitere 15 Prozent bekannten, aus dem gleichen Grund manche Daten von vornherein nicht beachtet zu haben und weitere 6 Prozent haben unwillkommene Erkenntnisse bewusst verschwiegen.

Hierzulande hat sich auf der Fachebene bereits eine Gegenwehr gebildet. Unter dem Stichwort „Evidenzbasierte Medizin“ (Evidenz heißt hier so viel wie Nachweisbarkeit) hat sich ein Netzwerk gebildet, dem heute annähernd 700 deutsche Mediziner angehören. In Kursen finden sie Unterstützung darin, reelle Studien von manipulierten zu unterscheiden, geschönte Statistiken zu durchschauen und im Gespräch mit Pharmavertretern die richtigen Fragen zu stellen.

Flaggschiff der Bewegung ist das auf Initiative des Bundesgesundheitsministeriums eingerichtete Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das Studien über Medikamente, Therapien und Heilverfahren unter die Lupe nimmt. Seit 2006 bietet es unter http://www.gesundheitsinformation.de auch Verbrauchern PR-bereinigte Informationen an. Als erste Anlaufstelle im Einzelfall empfehlen sich die unabhängigen Patientenberatungsstellen. Um sich neutralen Rat zu holen, Hilfestellung bei einer Entscheidung zu erbitten oder einfach nur, um vor der nächsten Wasistes-Epidemie gewappnet zu sein.

[b:ec73a3]So verraten sich Lobbyisten[/b:ec73a3]

Zitat:[b:ec73a3]Unkonkrete Angaben[/b:ec73a3]

„Immer mehr Menschen leiden an …“ ist eine typische Floskel der Lobbyarbeiter. Klingt dramatisch, heißt aber nichts. Seriöse Meldungen nennen Zahlen, bedienen das Wer-was-wann-wo-wie-warum, offenbaren immer die Quelle der Nachricht oder den Auftraggeber der Studie.

[b:ec73a3]Werbesprache[/b:ec73a3]

Überflüssige Adjektive? Werbetexter lieben sie, denn mit umständlichen Formulierungen lässt sich der fehlende Informationsgehalt kaschieren. Da werden Wissenschaftler „kompetent“ und Forschungsinstitute „unabhängig“ genannt, was ja selbstverständlich sein müsste.

[b:ec73a3]No-Name-Artikel[/b:ec73a3]

Autorenname oder ein bekanntes Kürzel fehlen? Vermutlich stammt die Nachricht nicht von der Redaktion, sondern einer Organisation. Dagegen spricht nichts, wenn die Quelle deutlich wird: „Nach Information des Verbandes XY …“ oder„wie ein Sprecher der Initiative YZ erklärt …“.

[b:ec73a3]Bestimmte Kürzel[/b:ec73a3]

Firmen und Verbände schätzen bestimmte „Pressedienste“, die sich nicht wie sonst von ihren Abnehmern (also den Medien), sondern vom Auftraggeber bezahlen lassen. Raffiniert, wenn sich der Service hinter einem typischen Kürzel versteckt. Gängig sind ots, qts und pts.

[b:ec73a3]Allzu eifrige „Vereine“[/b:ec73a3]

Echte Vereine und Selbsthilfegruppen sind kaum imstande, die Medien ständig mit „Wissenschaftsnews“ zu versorgen. Skepsis ist angebracht, wenn Namen oft erwähnt werden, oder Organisationen mit aufwendigem Service locken wie kostenloser „Diagnostik“.

[b:ec73a3]Unnötige Verweise[/b:ec73a3]

Wie zufällig wird auf Marken, Hersteller oder Einkaufsstätten hingewiesen, obwohl es ähnliche Produkte zuhauf gibt? Speziell in Frauenmagazinen kommen solche Artikel gegen einen Deal zustande. Ganz plumpe Masche: Direkt beim Bericht steht eine „passende“ Anzeige.
Finde Dich selbst!
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#2
Zitat:Wie die Medizinallobby arbeitet, wie sie Gesunde krank redet und zu Ader lässt, hat unter anderem der Journalist Jörg Blech im Detail recherchiert.

Kann ich jedem nur zum Lesen empfehlen!!! Jörg Blech - Die Krankheitserfinder

http://www.amazon.de/Die-Krankheitserfinder-Patienten-gemacht-werden/dp/3596158761/ref=pd_sim_b_1/302-4856781-8283233

Ein schwacher Verstand ist wie ein Mikroskop, das Kleinigkeiten vergrößert und große Dinge nicht erfaßt.
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#3
Ja selbst mit den Gesunden will man (kranke) Krankengeschäfte machen!
Die Taktik ist dabei ähnlich durchtrieben wie bei einem unseriösen Wahrsager oder bei Astrologen: Es wird mit schwammigen Phrasen umhergeworfen, die sowieso für einen Großteil der Bevölkerung gelten!
Jeder hat mal Kopfdruck oder fühlt sich ausgelaugt! Daß z.B. diese Erschöpfungszustände aber tatsächlich zunehmen liegt nicht an einer neuen Krankheit sondern unter anderem am Elektrosmog, den Auto-Kat-Gasen und der ständig abnehmenden Nähstoffversorgung durch minderwertige Nahrungsmittel - was natürlich nicht sein darf!

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#4
In diesem Zusammenhang auch mal die "neue Germanische Medizin" lesen. Gibts im Netz als PDF Datei.


Die Meisten Menschen brauchen halt ihre Hypochondrien. Selbst Schuld. Angebot - Nachfrage Prinzip.
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#5
Ich glaube an die natürliche Lehre.

Insofern halte ich die Schulmedizin sowieso für schwachsinnig.

Ich persönlich besuche auch keine Ärzte, ausser ich brauche eine Krankschreibung. *gg*

An meinen Kieferorthopäden kann ich mich noch sehr gut erinnern, er meinte zu mir, ich solle doch meine Weisheitszähne entfernen lassen,..., hab ich nie gemacht.
Ich mein, alles hat in der Natur seinen Platz, und Weisheitszähne sind sicher nicht umsonst da.

Aber das viele Krankheiten nur eingerdet sind, ist ja auch allgemein bekannt.
Im Gesundheitswesen kann mensch schliesslich viel verdienen,.....

Gruß
Nordwolf
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#6
Ist schon schlimm was sich manche Menschen durch Medien alles einreden lassen.
Gegen jedes Schmerzchen ein Tablettchen halt...ich denke durch die meisten Medikamente wird das ganze nur noch schlimmer eine Aneinanderkettung von Nebenwirkungen.
Ich habe dieses "Krankheiten/Gebrechlichkeiten" einreden besonders bei meiner Krebstherapie bemerkt. Dauernd wollten mir irgendwelche Leute sagen was ich machen kann oder für was ich zu "schwach" war. Ich bin froh das ich es so geschafft habe auch während der Therapie arbeiten zu gehen und mich nicht weiter einzuschränken.
Das hat die meisten verwundert und ich finde das ist das beste Beispiel für bloße Einredung.
Die meisten denken nur sie könnten nicht. Ich meine wenn ich mich nur hängen lassen will und immer auf das Mitleid anderer hoffe, kann ich mich auch einsargen lassen.
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#7
Inzwischen wissen doch die meisten, dass Krankenhäuser mehr krank als Gesund machen - Ich bin froh darüber, eine gute Gesundheit zu haben. Ich würde das viele weiß und die scheußliche Luft nichtr aushalten - das nimmt doch die Motivation, Gesund zu werden.

Wär mal interessant, wie wichtig die Einstellung und Motivation, gesund zu sein, tatsächlich für die Gesundheit ist. Ich denke, dass man ja eigentlich die Motivation, krank zu sein, als Hauptursache für Krankheiten sehen kann.
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#8
Ich denke auch das die Motivation einen großen Teil zum gesundwerden beiträgt.
Wer sich hängen lässt bewegt sich halt nicht von der Stelle - in keiner Weise.
Vielleicht sollten bei Therapien besonders auch Motivationsübungen mit den Patienten gemacht werden, schon als ein Teil des Gesundungsprozesses.
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#9
Und andere Farben als Leichenweiß Lol

Ich mag Weiß nicht, nicht nur, weil es bei uns die Farbe der Trauer ist. Es ist einfach leblos, kalt und tot, so etwas passt nicht in ein Krankenhaus.
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#10
Doch es paßt ganz hervorragend in ein KRANKENhaus. Nomen est omen.
;-)
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