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Holger Danske - der dänische Barbarossa
#1
   
Noch sitzt er und wacht von seinem vorläufigen Platz aus in Skjern. Im Herbst dieses Jahres wird er seinen permanenten Aufenthaltsort auf dem Mølletorvet in der Stadt beziehen, der gleichzeitig in Holger-Danske-Platz umbenannt wird.


Zu der Sagengestalt:
Besucht man im Westen von Jütland (Dänemark) nahe des Ringkøbingfjords die kleine Stadt Skjern, trifft man am Bahnhofsplatz auf die dänische Sagengestalt Holger Danske (Holger der Däne / Holger Dänisch), welcher in Norddeutschland auch als König Dan bekannt ist.

Der Legende nach kehrte der unbesiegbare Krieger von einem Feldzug nach Dänemark zurück und fiel dort in einen sehr tiefen Schlaf. Wenn das dänische Königreich aber in größter Gefahr ist, dann wird Holger Danske wieder erwachen und für sein Land in den Kampf ziehen.

H.C. Andersen schrieb ein Märchen über Holger Danske, in welchem starke Parallelen zu der bekannten Sage um König Barbarossa zu erkennen sind:

(...) Aber das Prächtigste ist doch das alte Kronborg (Anm.: Übrigens auch der Schauplatz von Shakespeares Hamlet), und dort unten, in dem tiefen finstern Keller, wohin niemand kommt, sitzt Holger Danske. Er ist in Eisen und Stahl gekleidet und stützt sein Haupt auf die starken Arme. Sein langer Bart hängt über den Marmortisch hinaus und ist darin festgewachsen. Er schläft und träumt; aber im Traume sieht er alles, was oben in Dänemark geschieht. (...)
Gerät es aber in Gefahr, dann wird der alte Holger Danske sich erheben, dass der Tisch berstet, wenn er den Bart herauszieht. Dann tritt er hervor und schlägt mit seinem Schwert an den Schild, dass es über alle Länder der Erde tönt. (...) Holger Danske träumte auch von der kleinen, ärmlichen Stube, wo der Bildschnitzer saß; er hörte alles, was gesprochen wurde, nickte im Traume und sagte:
"Ja, mein dänisches Volk, denkt nur an mich. Behaltet mich in Erinnerung. Ich komme in der Stunde der Not."


Quelle: andersenstories.com


Holger Danske ist auch unter dem Namen "König Dan" in Schleswig bekannt. Er ist der Namensgeber Dänemarks und in dieser Sage ein heidnischer Held:

"Im Lande Dithmarschen geht die Sage, daß der erste König von Dänemark Dan geheißen, der habe dem Lande den Namen gegeben, und nach ihm heiße es Danemark, er habe aber nicht im heutigen Dänemark gewohnt, sondern in Schleswig. (...) Zu seiner Zeit war alles noch heidnisch, die Leute verbrannten ihre Toten, taten die Asche in Urnen und setzten sie bei in Riesenbergen (Hünenhügeln/Hühnengräbern).
König Dan wollte aber nicht verbrannt sein, sondern auf seinem königlichen Stuhl im Grabe sitzen, und wollte auch sein aufgesattelt Pferd bei sich haben, das ist auch so befolgt worden.

Unweit von Tönning in Eiderstedt ist ein kleiner Erdhügel mit einer Höhle. Darinnen sitzt König Dan wie der Kaiser Friedrich im Kyffhäuser, mit zweimalhunderttausend Mann Wappnern, und alle schlafen. Einstmals wurde einem zum Tode verurteilten Soldaten das Leben versprochen, wenn er in die Höhle hineingehen und berichten wollte, was er sähe. Da nun der Soldat in die Höhle kam, sah er den König sitzen an einem Tisch, und hatte sein Haupt auf den Arm gestützt und schlief. Der Bart war ihm lang gewachsen und hing unter den Tisch herab. Jetzt erwachte der König und fragte den Soldaten: Was willst du? - Mich schickt mein Herr und König herein, daß ich Nachricht von Euch bringe. Sage deinem Herrn, erwiderte König Dan, ich werde zu seiner Zeit wiederkommen und ihm Hilfe bringen, und er soll herrschen über die ganze Welt. - Diese Zeit ist noch nicht gekommen und dürfte wohl auch noch etwas lange verziehen."

Quelle: Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853



Die historische Figur des Holger Danske geht allerdings auf das Rolandslied aus Frankreich zurück. In dieser Sage taucht ein "Ogier le Danois" auf, Sohn von König Gudfreds.
Der edle Ritter Ogier hatte einen Sohn, welcher von dem Sohn Karls des Sachsenschlächters ermordet wurde.
Diese Tat bedeutete Rache, und so töte Ogier den Mörder seines Sohnes und schließlich beinahe auch dessen Vater Karl. Sieben Jahre lang hielt er Karl dem Sachsenschlächter stand, bis sie einen Waffenstillstand aushandelten, um gemeinsam gegen die Sarazenen in den Krieg zu ziehen.



Zu dem Denkmal:
Die Statue von Holger Dankse wurde von H. P. Pedersen-Dan im Jahre 1907 geschaffen und stand seitdem vor dem Hotel Marienlyst in Helsingør. 2013 sollte Holder Danske von dem Hotel ins Ausland verkauft werden, woraufhin ein Geschäftsmann aus Skjern das Denkmal kaufte, damit es in Dänemark bleibt. Anschließend wurde ein Holger-Danske-Fond eingerichtet, und es wurden auf die alte Statue Volksaktien ausgegeben. Knapp 100 Bürger haben in Skjerns neu hinzugekommenen Sagenheld investiert, auch mehrere Gewerbereibende haben Geld zugeschossen. Der Sagenheld gehört also nicht länger dem Schäftsmann Jørgen Axelsen allein, sondern einer westjütländischen Gemeinschaft.

Besonders interessant ist die sehr ähnliche bildhauerische Darstellung zu Barbarossa-Skulpturen und die schöne Midgardschlange. Auch einen (Thors)Hammer kann man erkennen.
Hier nicht sichtbar ist das Schild des Holger Danske, welches drei Löwen und drei Kronen zeigt, wohl an das alte dänische Wappen angelehnt.


Als wir in Skjern waren, beobachteten wir folgendes:
Zwei jugendliche Elvis-Anhänger waren unterwegs, um Plakate für die "Sommerkirche" aufzustellen.
Die beiden wollten sich mit Plakat vor dem Denkmal fotografieren und stellten ein Plakat auf den Sockel. Doch Holger Danske hatte etwas dagegen, denn ein kräftiger Windstoß kam und mit einem lauten Scheppern fiel das Plakat zu Boden. Lol

An der Geschichte von Holger Danske, König Dan und Barbarossa sieht man mal wieder, dass die Mythen, Legenden und Sagen sich nicht für Ländergrenzen interessieren und man oftmals auf Reisen alten Bekannten wiederbegegnet, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht.


Viele Grüße von

Kelda
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