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Penthesilea und ihre tödlichen Schwestern
#1
http://www.welt.de/kultur/article1865591/Penthesilea_und_ihre_toedlichen_Schwestern.html

Die Amazonen waren wild, grausam, kriegerisch, sie waren geboren um zu siegen. Sie schnitten sich die rechte Brust ab, um besser Pfeile schießen zu können. Die mythischen Frauen verachteten alles männliche, doch wurden sie von den Griechen vergöttert. Jetzt geht ein Forscher der Legende nach und deckt Wahrheiten auf. Jochen Fornasier legte eine illustrierte Studie vor, die „Frauen, Kämpferinnen und Städtegründerinnen“ schilderte.

Als „männertötend“ beschreibt sie Herodot. Nur die größten, erfolgreichsten Feldherren ihrer Zeit schienen akzeptable Väter für ihre Nachkommen zu sein. So reiste die Amazonenkönigin Thalestris zu Alexander dem Großen und wählte ihn zum geeigneten Partner. 35 Tage soll sie mit 300 Gefährtinnen zu ihm gereist sein, Steppen und Gebirgszüge überwindend, während er gegen das persische Großreich zu Felde zog. Alexander lud die eintreffende Halbgöttin bereitwillig ein, dreizehn Tage in Frieden zu verweilen. Bevor sie schwanger den Rückweg antrat.

Wenn eine Amazone überhaupt Kinder gebar, zog sie lediglich ihre Töchter groß. Knaben seien, so Überlieferungen, verstümmelt worden. Dennoch blieben Amazonen ein reizvolles Motiv für die Griechen. Ihre Spuren führen auch an die Küsten des Schwarzen Meeres, nach Kleinasien, ins westliche Libyen und sogar ins südliche Rußland.

Auch wenn das Leben und Kämpfen der Amazonen also geschichtswissenschaftlich nicht belegt werden kann, so erfüllte die Sage in der Antike doch eine wichtige sozialintegrative Funktion: Das Abartige, diese kämpfenden Frauen in ihren blutverschmierten Panzern, diente den Griechen als sicherer Garant für die Richtigkeit des eigenen Wertekodex‘. Die herrschende Moral forderte Demut, Disziplin und Zucht. Gleichwohl ließ sich an dem rasenden Frauenvolk die Verbindung von Krieg und Eros reizvoll demonstrieren.


Anmerkungen Paganlord: Selbstverständlich schnitt sich niemals eine Frau eine Brust ab oder verstümmelte ein eigenes Kind. Bei Amazonen geht es zu wie bei der Beschreibung von „Berserkern“ oder im Mittelalter den teufelswütigen Hexen – man glaubt, was einige wenige Autoren behaupten, und irgendwann wird der Glaube zur Wahrheit erhoben, auch wenn sich keinerlei tatsächliche Beweise finden lassen.

Weibliche Militärs sind so alt wie die Welt, genauso wie Pilotinnen, weibliche Kapitäne für U-Boote und ähnliches. Man schaue sich nur die weiblichen antiken Wesen mit Flügeln oder Fischschwanz an, dann kommt man der Wahrheit schon sehr nahe.

Entweder man findet einen Weg oder man schafft einen Weg!
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#2
Zitat:Sie schnitten sich die rechte Brust ab, um besser Pfeile schießen zu können.

Dieser Mythos hat es mir besonders angetan. Lol Hallo Logik, wo bist Du wenn man Dich mal braucht!? Lol

Die Interpretation ist die: man(n/frau) hält den Bogen in der rechten Hand, somit könnte bei unkorrektem Abschuß - der zugegeben in der Hektik eines Gefechtes schon mal stattfinden kann - die Bogensehne die rechte Brust streifen (übrigens auch beim Mann!). Neben der Schmerzhaftigkeit ist die Gefahr des Verfehlens des Zieles dadurch der wesentlichste Punkt.

Rechte Hand = Bogenhand bei den Linkshändern = rechte Flanke eines Heeres.

Linke Hand = Bogenhand bei den Rechtshändern = linke Flanke eines Heeres.

Hatten die rechte-Brust-amputierten Amazonen also keine linke Flanke? Andernfalls müßten sich die Rechtshändigen unter ihnen nämlich die linke Brust amputieren.

Und was ist, wenn eine Flanke nicht standhält? Das ist dann Pech, oder? Denn die rechtsamputierten können links ja nicht.... Biggrin

Spaß beiseite: Das Getue um die Amazonenbrust ist natürlich (männliche? -> die Frauen zuhause sind friedliche Ehefrauen mit beiden Brüsten) Erfindung. Denn die Logik allein müßte hier schon ausreichen: im Krieg - und darum geht es ja in diesem Kontext - braucht man zwei funktionierende Flanken! Da kann man es weder dem Zufall überlassen, "Heute haben wir leider nur zwei Mann/Frau auf der rechten Seite, da alle anderen Rechtshänder sind" Lol noch kann man es sich erlauben, daß einseitige Spezialisierung eintritt. Bei allem Rechtshänder-Linkshändertum: beide müssen auch von der anderen Seite aus schießen können (sowie außerdem noch nach vorne und nach hinten). Beide Seiten der Flankenreiter müssen austauschbar sein um im Fall des Falles die geschwächte Flanke unterstützen zu können. Und zwar blitzschnell - genau das hat ja auch einen Teil des Erfolges der Reiterheere ausgemacht.
Der Bogen entfaltet seine Macht durch deine Energie - Der Pfeil wird davon fliegen auf ein entferntes Ziel - Aber dein Leben wird immer bei dir sein - Gedenke der Alten Werte - Ehre die Ahnen, die dir den Bogen in die Hand gelegt haben
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#3
Moderne Geschichtswissenschaftler neigen dazu, alles auf sozial-wirtschaftlich-wissenschaflticher Basis erklären zu wollen; Persönlichkeiten spielen hierbei keine große Rolle. Das steht im krassen Gegensatz zur Weltanschauung der Antike. Geschichtswissenschaftler nehmen auch antike Überlieferungen nicht ernst, sondern spotten sogar noch über jeden, der sich auf jene beziehen will und werden als Hobbywissenschaftler tituliert. Warum Überlieferungen von Herodot oder Thukydides oder Plutarch in diesem Fall nicht für voll genommen werden, entspringt dieser Verdummungsstrategie, mit der die Menschen von altem Wissen ferngehalten werden sollen. Wer jedoch noch mit gesundem und klarem Menschenverstand ausgestattet ist (und genau hier ist das Kernproblem der heutigen Zeit), kann sogar mit einfachen Mitteln erkennen, daß hier was nicht stimmen kann. Die Amazonen stellten demnach eine "reale Bedrohung" für damalige Menschen dar.
Warum sollte man also Amazonen als schicke Motive für Wand- und Vasenmalereien verwenden?
Warum sollte man etwas als Tempelschmuck verwenden, wovor man Angst hat (ein Tempel ist etwas sehr heiliges)?
Warum sollte man sich mit etwas schmücken, vor dem man Angst hat? (rhethorische Fragen)
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#4
Zitat:Sie schnitten sich die rechte Brust ab, um besser Pfeile schießen zu können.

Was für einen Quatsch! Keine Frau macht das freiwillig! Die weibliche Brust ist ein Symbol für das Weibliche!

Beim Bogenschießen kommt die Brust doch eh nicht in den Weg. Und wenn, dann hätten die Kriegerinnen die störende Brust abbinden können.

Also darüber habe ich jetzt wirklich schmunzeln und den Kopf schütteln müßen.
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#5
her mit bogenschießenden Frauen, aber bitte mit Brust BiggrinLol
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#6
Ich denke, da sind einfach Kulturen kollidiert. Auf der einen Seite eine rein männliche Kriegerkultur, auf der anderen Seite eine Kultur, in der auch Frauen aktiv (und geschult) in den Krieg gezogen sind. Das war für die männliche Kriegerkultur offensichtlich so erschreckend, daß sie entsprechende Mythen kreiert hat.
Der Bogen entfaltet seine Macht durch deine Energie - Der Pfeil wird davon fliegen auf ein entferntes Ziel - Aber dein Leben wird immer bei dir sein - Gedenke der Alten Werte - Ehre die Ahnen, die dir den Bogen in die Hand gelegt haben
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