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Wer war König Hinz?
#1
Spätestens nach unserem freudschen Verfahrer stellt sich die Frage: Wer war Herzog Hinz? Ich will in diesem Ordner die Fakten zusammenschreiben, die sich hier in naher Zukunft zeigen werden.


1.  Es gibt eine Sage. Diese Sage lautet:

1. Version

König Hinz

In grauer Vorzeit gab es in der Prignitz einen König, der hieß Hinz. Er war gut und gerecht zu jedermann und überaus beliebt bei seinen Untertanen wie nie ein Herrscher zuvor. Doch niemand lebt ewig, und so starb auch der König eines Tages. Jedoch sein Volk beschloss, wenigstens die Erinnerung an diesen treuen Führer auf alle Zeiten lebendig zu halten; so errichtete man dem Toten ein wahrhaft königliches Grabmal, welches einzig in seiner Art sein sollte: In drei verschiedenen Särgen, wovon der wertvollste in Gold getrieben war, bestattete man den Edlen sowie seine Gemahlin und eine treue Dienerin, die ihm voller Schmerz in den Tod gefolgt waren. Auf dass niemand fürderhin die Ruhe des Herrschers stören könne, wurde ein mächtiger Hügel um das Grab aufgeschüttet - so entstand der "Hinzberg".

Durch die Jahrtausende hinweg wurde nun die Geschichte von König Hinz von Generation zu Generation weitergegeben, so, wie es einst der Wille der Menschen gewesen war. Im vorigen Jahrhundert jedoch machte sich ein Bauer, in dessen Besitz der Hügel lag, an das Aufgraben. Ruhelos verbrachte er die Tage mit Wühlen und förderte doch nichts als Steine zutage. Da er darüber vergaß, seinen täglichen Pflichten nachzugehen, stand er bald arm und mittellos dar. Vielleicht ist es aber auch die Strafe des Königs gewesen, die ihn für seine Habgier traf.

Den Berg jedoch hat man nicht wieder in Ruhe gelassen. Im Jahre 1899 legten Archäologen die Grabkammer frei und bargen bronzezeitliche Gefäße mit den Resten dreier Personen, darunter eines Mannes in einem Bronzegefäß von einzigartiger Form - dem "goldenen" Sarg, wohlbeschützt von den beiden äußeren Umhüllungen, der Steinkammer und der Erdaufschüttung. Es gibt aber in der Nähe noch zwei weitere Hügel, in denen der Fingerring des Königs und andere Habseligkeiten liegen sollen.


2. Version

Das Königsgrab von Seddin

Nahe Seddin, ungefähr auf halber Strecke zwischen Pritzwalk und Perleberg, erhebt sich einer der größten Grabhügel Europas. Mit ursprünglich etwa elf Metern Durchmesser, an seinem Fuß außerdem von einem Kranz zentnerschwerer Feldsteine umgeben, bietet er seit ewigen Zeiten weithin einen imposanten Anblick. In diesem Hügel, so berichtete im vorigen Jahrhundert die Überlieferung, sei der Riesenkönig Heinz oder Hinze begraben.

Dieser würde in einem dreifachen Sarg ruhen: einem ersten aus purem Gold, dieser stehe in einem zweiten aus reinem Silber und der wiederum in einem dritten Sarg ganz aus Kupfer. Bei sich habe der König außerdem sein goldenes Schwert und andere kostbare Kleinodien. Damit nicht genug: ein weiterer großer Hügel in der Nähe berge den goldenen Fingerring des Riesenkönigs in sich, so groß wie ein Armring für gewöhnliche Menschen, und in einem dritten Hügel gar ruhe die Schatztruhe des großen Herrschers.

Als man daranging, einen der drei Hügel - den, der den Fingerring enthalten sollte - abzutragen, fand man in seiner Mitte tatsächlich einen goldenen Armring. Da hatte man den Fingerring des Riesenkönigs! Umso mehr glaubte man nun an den Schatz im Hinzerberg und daran, dass in dem dritten Hügel die Schatztruhe ruhe. Dieser Hügel wurde ganz und gar abgetragen, aber der Schatz fand sich nicht. Doch der Fund des goldenen Ringes ließ den Besitzer des Hinzerberges nicht ruhen. Es ging ihm schlecht, da er mehr Zeit im Krug als auf seinem Feld und dem Hof verbrachte. Hinzes Goldsarg sollte ihn herausreißen. Also ans Werk. Wochen um Wochen brachen er und sein Knecht mit der Radehacke die Steine und schafften sie den Berg hinunter, so dass der spätere Besitzer viele hundert Fuhren Steine zum Bahn- und Chausseebau verkaufen konnte und ein gewaltiger Krater in dem Königshügel entstand. Der Goldsarg kam jedoch nicht zum Vorschein. Nur ein Bronzeschwert und einige andere Bronzen wurden gefunden. Diese aber sind dem Bauern verschollen, den die Schulden von Haus und Hof vertrieben. Erst sein Nachfolger fand das Gold in den Steinen, indem er sie verkaufte.

Schließlich wurde dennoch der dreifache Sarg mit den Überresten des Königs Hinz entdeckt. Als man vor hundert Jahren beim Steinabbau auf eine Grabkammer stieß, fanden sich außer Schmuck und Waffen auch ein großes Tongefäß und darin eine kostbare Bronzeamphore mit den Bestattungsresten eines Mannes, dem König Hinz der Sage. Und auch das Schwert des Königs fand sich: mit der Spitze nach oben steckte es im Lehmfußboden der Grabkammer.

Zwar nicht aus Gold, sondern aus einer durch das Alter grün patinierten Bronze; in neuem Zustand - zu Zeiten des Königs Hinz - hatte es jedoch einst genauso goldgelb geglänzt wie das prächtige Bronzegefäß, das diesem zuletzt als Urne diente - der goldene Sarg der Sage.
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#2
2.  Die Kenntnisnahme

Die Sage von König Hinz ist stets präsent. Die Menschen erzählen sie seit ca. 3.000 Jahren. Auch mir wird immer wieder von dieser Sage berichtet. Das geht bereits in der Schule und im Kindergarten los. Und natürlich gab es auch den obligatorischen Wandertag meiner Schulklasse zum alten Königsgrab nach Seddin.

Es gibt ein entsprechendes Buch: "Das Königsgrab von Seddin", welches sich in vielen brandenburgischen Bücherschränken des 20. Jahrhunderts befindet. So auch in meinem Bücherschrank von Kindesbeinen an.  

Im 21. Jahrhundert berichten die Regionalzeitungen und Regionalnachrichten ebenfalls regelmäßig von Herzog Hinz und seinem Hügelgrab in der Prignitz. So erhält der Herzog Einzug in die sozialen Medien und in die heutige Form der Nachrichtenübermittlung.

Und wenn der König Hinz einmal in Vergessenheit geriet > und man gar nicht mehr weiß, wo denn Seddin nun genau liegt (???) > hoppla die polter, dann ist er plötzlich wieder da. In Form von Ausflügen, die Freunde unternehmen, oder sogar in Form von Liedern, von einer Freundin gesungen.
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#3
3. BHS, oder: Man wird mit der Nase darauf gestoßen!

Trotz modernster Technologie (wie Navigationssysteme, Autokarten und Routing) kommt es dazu, daß wir uns verlaufen, verfahren oder vom eigentlichen Weg abkommen. Wenn man normal "sortiert" ist, dann passiert das relativ selten. Denn es muß eine starke persönliche Anziehungskraft von diesem Ort ausgehen, die uns, wie von Geisterhand, von unserem eigentlichen Weg abbringt.

In Bezug auf das Hügelgrab in Seddin ist uns das am 07.07.18 passiert. Wir waren auf der B 5 in Richtung Salzwedel unterwegs. Dazu fährt man von Kyritz kommend nach Perleberg und biegt an der ersten Kreuzung in Perleberg links in Richtung Wittenberge ab. Unser Navigationssystem ließ uns in die genau entgegengesetzte Richtung fahren. Wir bogen also nach rechts in Richtung Pritzwalk ab.

Nach wenigen hundert Metern bemerkte meine Logik den Irrtum, schimpfte über das Navi und drehte wieder um, damit wir den eigentlichen Kurs weiterfahren können. Weiter darüber nachgedacht haben wir nicht.

In einer der nächsten Nächte dann der folgende Traum:

Ich bin von einem Freund eingeladen. Dieser Freund benötigt meinen Rat, meine Hilfe oder sowas dergleichen. Ich mache mich auf den Weg, biege jedoch an einer Stelle in die verkehrte Richtung ab. Statt dessen lande ich auf einer Hochzeit, die auch sehr schön ist. Jedoch wartet mein Freund vergebens. Ein Mann/Bote kommt zu mir und sagt, Dein Freund Hinz wartet noch auf Dich. Warum bist Du falsch abgebogen?

Ich wache also auf und weiß sofort, was los ist. Ich schaue bei Google Maps und finde die Stelle, wo wir "falsch abgebogen" sind. Der Weg rechtsherum hätte genau zum Hinzhügel geführt.

Natürlich habe ich den Besuch inzwischen nachgeholt. Das ist auch der Grund, warum ich in den nächsten Wochen und Monaten von "unserem Herzog Hinz" berichten will.
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#4
4. Das Historische

Was weiß man eigentlich (historisch betrachtet) vom damaligen Herzog Hinz?

1. Herzog Hinz lebte im 9. Jahrhundert v. d. Z., also in der germanischen Bronzezeit (1.800 v. d. Z. – 530 v. d. Z.). Das könnte also etwa um 850 v. d. Z. gewesen sein.

2. Des Herzogs Vorfahren sind in den Hügeln ringsherum begraben. Das wurde genetisch nachgewiesen. Es handelt sich also um eine Familiendynastie von Edelleuten, die auf ihrem Territorium/Stammsitz auch ihre Begräbnisstätten unterhielten.

3. Herzog Hinz war ein semnonischer König. Die Semnonen sind ein germanischer Stamm. Der Überlieferung nach sind die Semnonen der edelste und älteste aller Germanenstämme. Die Semnonen gehören zum Volk der Sueben und werden auch als sogenannte elbgermanische Sueben bezeichnet.    

Zitat:„Als die ältesten und vornehmsten Sueben betrachten sich die Semnonen. Den Glauben an ihr hohes Alter bestätigt ein religiöser Brauch. Zu bestimmter Zeit treffen sich sämtliche Stämme desselben Geblüts, durch Abgesandte vertreten, in einem Haine, der durch die von den Vätern geschauten Vorzeichen und durch uralte Scheu geheiligt ist. Dort leiten sie mit öffentlichem Menschenopfer die schauderhafte Feier ihres rohen Brauches ein. Dem Hain wird auch sonst Verehrung gezeigt: niemand betritt ihn, es sei denn gefesselt, um seine Unterwürfigkeit und die Macht der Gottheit zu bekunden. Fällt jemand hin, so darf er sich nicht aufheben lassen oder selbst aufstehen; auf dem Erdboden wälzt er sich hinaus. Insgesamt gründet sich der Kultbrauch auf den Glauben, dass von dort der Stamm sich herleite, dort der allbeherrschende G*tt wohne, dem alles unterworfen, gehorsam sei. Der Reichtum der Semnonen steigert ihr Ansehen: sie bewohnen hundert Gaue, und die Größe ihres Stammes veranlaßt sie, sich für den Hauptstamm der Sueben zu halten.“

– Tacitus, Germania, 39

Anmerkungen: Ab dem dritten Jahrhundert n. d. Z. verließen die Semnonen bis auf Restgruppen ihre Heimat an Havel und Spree in Richtung Oberrhein und gingen in den Alemannen auf. Die Semnonen werden zum letzten Mal 260 n. d. Z. in einer Inschrift (auf dem 1992 aufgefundenen Augsburger Siegesaltar) als Synonym zu Juthungen erwähnt. Der Name Juthungen bedeutet: "Abkömmlinge der Riesen". Die Nachfahren der Semnonen waren also zu den Juthungen geworden und hatten sich dem Stammesverband der Alemannen angeschlossen.

In diesen Jahren ging das Limesgebiet für das Römische Reich verloren bzw. wurde von den Römern infolge interner Machtkämpfe im Imperium selbst geräumt. 270/71 Schlacht von Placentia und Schlacht bei Pavia. Hier fielen die Juthungen in Italien ein und wurden schließlich von Kaiser Aurelian (271) besiegt. Zwischen 356 n. d. Z. und 358 n. d. Z. erfolgte zusammen mit den Alemannen ein Einfall in die Provinz Raetien, bei dem das Legionslager Regensburg zerstört wurde. Beim erneuten Vorstoß nach Raetien 383 wurden die Juthungen durch ein Heer von Alanen und Hunnen zurückgeschlagen. Der weströmische Magister Militum (Heeresmeister) Aëtius kämpfte zwischen 429 und 431 n. d. Z. in den Provinzen Raetien und Noricum erfolgreich gegen die Juthungen. Danach verschwinden sie aus den historischen Quellen.
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#5
Etymologisch leitet sich vom Wort „Sueben“ der spätere Stammesname der Schwaben ab. Als suebisch bezeichnete Stämme waren zur Zeit Tacitus’ die Semnonen, Markomannen, Hermunduren, Quaden und Langobarden, manchmal werden auch die Angeln dazugezählt.


Kapitel: Sueben und östliche Grenzvölker

„Jetzt muss die Rede auf die Sueben kommen, die nicht, wie die Chatten oder Tenkterer, aus einem einzigen Volksstamm bestehen; denn sie haben den größeren Teil Germaniens inne und sind noch in eigenen Stämme und Namen geschieden, obwohl sie im allgemeinen Sueben genannt werden."


Auszug Tacitus „Germania“ (Götterverehrung)

„Ein Teil der Sueben opfert auch der Isis. Worin Anlass und Ursprung des fremden Gottesdienstes liegen, habe ich nicht mit Sicherheit erfahren können nur dass uns das Bild selbst, das in der Art eines Schnellseglers gestaltet ist, über eine Einführung der Verehrung von außen belehrt.

Übrigens finden sie es der Größe der Himmlischen nicht angemessen, die Götter in Tempelwände zu bannen oder sie irgendwie menschlichen Zügen ähnlich darzustellen. Haine und Waldtriften betrachten sie als heilig und bezeichnen mit dem Namen Gottheit jenes Geheimnisvolle Etwas, das sie einzig mit dem Auge der Andacht schauen.“


Den Isis-Kult in Germanien kann sich auch der Gelehrte Tacitus nicht erklären. Hieran sieht man doch aber ganz genau, die weltweite Vernetzung.  

„Ein Kennzeichen dieses Volkes ist die Sitte, das Haar schräg zu tragen und in einem Knoten zusammenzubinden. Hierdurch unterscheiden sich die Sueben von den übrigen Germanen, hierdurch die Freigeborenen unter den Sueben von den Sklaven.“

Man trägt die Haare wohl mit einem Knoten, um sich somit für den Gegner optisch größer zu  machen.

„Als die Ältesten und Edelsten unter den Sueben bezeichnen sie die Semnonen. Weiteres Ansehen verleiht den Semnonen ihre äußere Lage: hundert Gaue bewohnen sie, und ihre große Volkszahl bewirkt, dass sie sich als Haupt der Sueben ansehen.“
Das Glück Deines Lebens hängt von der Beschaffenheit Deiner Gedanken ab.
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