Tal der weisen Narren
Burnout-Syndrom - Druckversion

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Burnout-Syndrom - Erato - 13.02.12012

In der heutigen Zeit wird man oft mit dieser Art von Erkrankung konfrontiert. Eine Krankheit, die für mich Fragen aufwirft.

Ausgebrannt kann nur jemand sein, der für die Sache (z.Bsp. Arbeit) brennt. Also eine Art von Fanatismus oder auch sich selbst in gewisser Weise aufgeben. Vielleicht auch eine Art von übermäßigem Ehrgeiz oder Strebsamkeit.

Mich würde interessieren, ob diese Art von Krankheit nur eine Folge von Emotionen ist oder ob es sich hier auch um eine Folge der gesellschaftlichen Entwicklung handelt.


RE: Burnout-Syndrom - Hælvard - 13.02.12012

Die psychische Verfassung eines Arbeitssklaven, der gerade so viel verdient, daß er seine Arbeitskraft aufrechterhalten kann, wird auf Dauer stark strapaziert.

... so wie auch das Verhältnis zwischen Arbeit und Erholung einer gerechten Harmonie bedarf ...

Bei 20 Tagen Urlaub, die manche Halsabschneider ihren Angestellten gewähren, ist die Folge nur eine Frage der Zeit.


RE: Burnout-Syndrom - Benu - 13.02.12012

Es ist doch nichts Falsches daran, für eine Sache zu brennen.
Würde jemand z.B für die Rückkehr des Heidentums kämpfen, wäre sein gesamtes Leben von einem Sinn erfüllt.

Das Problem ist, daß sich die heutige Bevölkerung für weltliche und vergängliche Dinge einsetzt. Würde jemand Arbeiten, um die Spitze der Karriereleiter zu erreichen, wäre das zwar ein hohes Ziel. Aber was bringt es ihm, wenn er dabei sein Leben nicht genießt? Oder zumindest das daraus hervorgehende Geld für nichts anderes einsetzt, als schnöden Luxus.

Um bei dem Beispiel zu bleiben, könnte er das Heidentum durch finanzielle Mittel wiederbeleben. Dann würde er auch nicht ausbrennen.

Die heutige Gesellschaft will natürlich den Konsummenschen, eine Arbeitsmaschine, die konsumiert und nicht weiter nachdenkt.
Von Idealen oder Lebensqualität keine Spur.

Dazu fallen mir folgende Worte aus der Edda ein:

Besitz stirbt,
Sippen sterben,
Man selbst stirbt wie sie!
Eines nur weiß ich, das ewig lebt!
Der Toten Tatenruhm!



RE: Burnout-Syndrom - Novalis - 14.02.12012

Hallo,

das sog. "Burnout-Syndrom" ist mMn etwas komplexer, als "sich auf der Arbeit fertigzumachen". Es kommt vor allem in den Berufsgruppen vor, die wenig oder gar keine Rückmeldung für ihre Mühen bekommen, also z.B. in den sozialen Berufen. Wenn der Mensch keine Bestätigung/Anerkennung für seine geleistete Arbeit erfährt, dann sinkt die Motivation irgendwann auf den Nullpunkt.

Jemand, der nur noch aus falschem Pflichtgefühl oder weil er es muß eine Arbeit ableistet und aus dem Geleisteten keine Erfolgserlebnisse/Resonanz/Bestätigung ziehen kann, der erschöpft nach und nach auch die letzten Reserven. Irgendwann ist derjenige dann tatsählich "ausgebrannt".

Daher ist es ungemein wichtig, sich neben der Arbeit zum Gelderwerb eine (individuell) sinnvolle Tätigkeit zu suchen, die o.g. Defizite nicht aufweist und bei der man entsprechend mit Spaß und Begeisterung bei der Sache sein kann.

Die beruflich erfolgreichsten Menschen sind oft die, die beides miteinander vereinbaren können oder dies zumindest zum Teil schaffen.


RE: Burnout-Syndrom - Hernes_Son - 14.02.12012

Zitat:Mich würde interessieren, ob diese Art von Krankheit nur eine Folge von Emotionen ist oder ob es sich hier auch um eine Folge der gesellschaftlichen Entwicklung handelt.

Bei dem Burnout-Syndrom geht es wohl um die Sucht nach der heißgeliebten und gewünschten Anerkennung und Aufmerksamkeit, unter jeglicher Mißachtung des eigenen körperlichen oder geistigen Wohlbefindens. Personen, die dieses Verhalten aufweisen, haben den Fokus für den eigentlichen Sinn des Lebens aus den Augen verloren: die Lebensfreude. Lächeln

Burnout-Syndrom ist nach meiner Meinung eine Extremform von Streß, man arbeitet mehr als die körperliche oder geistige Verfassung verträgt, mit dem Ergebnis des völligen körperlichen Zusammenbruchs.

Es gibt immer mal wieder Phasen im Leben, wo man sicher sehr viel zu tun hat, aber man darf sich nicht daran irgendwie hochziehen oder das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren, dann sieht die Welt schon wieder etwas anders aus. Pausen und Erholung sind genauso wichtig wie die eigene Arbeit. Die Natur ist ja auch nicht das ganze Jahr über aktiv, sondern legt regelmäßig Pausen ein (Jahreszeiten).




RE: Burnout-Syndrom - Inara - 14.02.12012

Burnout ist ein neumoderner englischer Begriff, der ständig und überall in den Mund genommen wird, um deutlich zu machen, dass man sich überarbeitet fühlt. Mir kommt es manchmal so vor, dass alle möglichen Menschen sich hinter diesem Begriff verstecken. Man kann sich damit nämlich auch wichtigmachen, Mitleid haschen und sich letztlich damit aus der eigenen Verantwortung nehmen - denn das ist es im Grunde. Es ist genauso wie es Hernes Son beschreibt, es geht wieder einmal um das Thema Stressbewältigung. Guckt man dann nämlich genauer hin, so sieht man, dass diese Menschen sich selber ausbrennen. Denn diese Menschen lassen es zu, dass man sie ausnutzt. Es sind die Menschen, die niemals nein sagen können und für Lob und Anerkennung von außen alles tun.
Diese Menschen wollen unersetzlich sein, trauen keinem anderen etwas zu (nach dem Motto: „Wenn ich es selber schnell mache, dann weiß ich wenigstens das es richtig gemacht wurde“) und bürden sich damit die Arbeit selber auf. Sie sind immer zu Stelle und genießen das Gefühl, gebraucht zu werden. Hier sind sie unersetzlich, wichtig und gebraucht. Fakt ist aber auch, dass das nicht lange gut geht. Und wer sich anbietet, der wird eben auch in Anspruch genommen. Also kann man auch nicht den Menschen die Schuld geben, die solch einen Charakterzug ausnutzen. Dieses Verhalten ist menschlich, und im Grunde reagieren diese Personen ja nur auf die Signale der sich anbietenden Person. Oftmals kennt man dieses Verhalten auch von Führungskräften. Das sind die Vorgesetzten, die alles und jeden kontrollieren und ständig zeigen, dass sie alles alleine besser können. Leider verlieren diese Personen den Überblick und verlieren sich im Detail. Dadurch wird der Arbeitsumfang immer mehr, bis es nicht mehr geht. Außerdem demotiviert man damit auch andere Menschen, indem man ihnen keinen Raum mehr zur eigenen Entfaltung gibt. Das führt dann zu Arbeitsverweigerung bei der gegenüberliegenden Seite.
Burnout ist also selbstgemacht und bedarf einer grundlegenden Überarbeitung der eigenen Einstellung. Wer lernt nein zu sagen, anderen Menschen Chancen einzuräumen und anfängt seinen Alltag zu organisieren und zu strukturieren, der fühlt sich auch nicht mehr ausgebrannt. Im Gegenteil, derjenige wird sehen, wieviel man an einem Tag so schaffen kann.

Allen einen erholsamen Tag. Winken
Inara



RE: Burnout-Syndrom - Violetta - 14.02.12012

Zitat:Burnout ist ein neumoderner englischer Begriff, der ständig und überall in den Mund genommen wird, um deutlich zu machen, dass man sich überarbeitet fühlt. Mir kommt es manchmal so vor, dass alle möglichen Menschen sich hinter diesen Begriff verstecken.

Ganz genau. Es werden ständig neue Krankheiten (Begriffe) erfunden. Mit diesen neuen Begriffen gibt es dann neue Medikamente und einen ganzen Industriezweig, der sich auf die Bekämpfung des neu erfundenen Begriffes spezialisiert. Wenn sich die Leute nicht soviel einreden lassen würden, dann wären sie weniger blöd.


RE: Burnout-Syndrom - Agni - 14.02.12012

Violetta schrieb:Wenn sich die Leute nicht soviel einreden lassen würden, dann wären sie weniger blöd.

Lol Für mich der Satz des Tages. Daumen hoch




RE: Burnout-Syndrom - Hælvard - 14.02.12012

Violetta schrieb:Wenn sich die Leute nicht soviel einreden lassen würden, dann wären sie weniger blöd.

Wer seine Eigenverantwortung ablegt, muß sich nicht wundern, daß ihm sonstwas im Leben begegnet.




RE: Burnout-Syndrom - Sirona - 15.02.12012

Zitat:Diese Menschen wollen unersetzlich sein, trauen keinem anderen etwas zu (nach dem Motto: „Wenn ich es selber schnell mache, dann weiß ich wenigstens das es richtig gemacht wurde“) und bürden sich damit die Arbeit selber auf. Sie sind immer zu Stelle und genießen das Gefühl, gebraucht zu werden. Hier sind sie unersetzlich, wichtig und gebraucht.

Genau, so sehe ich das auch! Unersetzlich, wichtig und gebraucht - das will diese Personen sein, die dann sehr oft mit der Diagnose Burn-Out in den Krankenstand geht. Und somit den Arbeitskollegen auch noch mehr Arbeit bereitet - weil die Person als Arbeitskraft dann auch noch ausfällt.
Sie will oft im Mittelpunkt stehen. Frei nach dem Motto: "Seht her, wie toll ich doch bin!", und will von außen auch noch bewundert werden, weil sie so "gute Arbeit" leistet.
Daß es die meisten Arbeitskollegen jedoch nervt, weil diese Person immer glaubt alles besser zu machen, das bemerkt sie gar nicht!

Ich denke, Burn-Out ist eine übersteigerte Form des Perfektionismus!