Djeser Djeseru
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Grab der Priesterin enthielt Vogelfedern und Blumen

   
Rekonstruktion der Tracht der Priesterin von Bad Dürrenberg (Sachsen-Anhalt) mit Federschmuck. Der Phänotyp wird mal wieder "Höhlenmenschmäßig" dargestellt.

Mikroskopische Untersuchungen von Spuren aus dem Grab der Priesterin von Bad Dürrenberg haben Fragmente von Federn ans Tageslicht gebracht. Daß die Teile verschiedener Vögel die Jahrtausende überstanden haben, ist eine Überraschung.

Das Grab der Schamanin gilt als einer der spektakulärsten Funde der mitteleuropäischen Archäologie. In der Mittelsteinzeit war hier eine etwa 30- bis 40-jährige Frau bestattet worden. In ihren Armen lag ein rund sechs Monate altes Kind, welches zuvor von ihr geheilt werden sollte, was aber mißlang.

Ein Kopfschmuck aus Rehgeweih, Tierzahngehänge und weitere reiche Beigaben verweisen auf eine besondere soziale und spirituelle Stellung der Frau innerhalb ihrer Gemeinschaft – sie wird als Schamanin, als spirituelle Spezialistin ihrer Gruppe, interpretiert.

Die sogenannte "Schamanin von Bad Dürrenberg" ist mindestens 9.000 Jahre alt und stammt damit aus der mittleren Steinzeit. Sie ist also weit älter als die Himmelsscheibe von Nebra oder als das offizielle Alter, das für Stonehenge angegeben wird. Sie ist damit auch älter als der Tiroler Ötzi.

Herr Engel, ein einfacher Schachtarbeiter, fand 1934 "zufällig" das Grab der Priesterin (Schamanin, Medizinfrau) bei Bauarbeiten im Kurpark von Bad Dürrenberg. Bad Dürrenberg rückte für eine kurze Zeit ins Rampenlicht der Geschichte, denn diese Grabstätte, im Herzen Deutschlands, enthielt über 100 Grabbeigaben und ist damit eine archäologische Sensation.

Aber nicht nur das. In ungewöhnlicher roter Erde wurde hier eine Frau bestattet, die ein Kind (das nicht ihres ist) liebevoll umschlungen im Schoß hält.

Warum nennt man sie die schöne Dürrenbergerin? Und wo ist die Schamanin heute? Spätere Grabungen und Funde belegen, daß 600 Jahre nach der Bestattung dieser Priesterin, sie noch im Bewußtsein der damals lebenden Menschen existierte. Sie muß also eine damalige große Berühmtheit gewesen sein.

Neue Untersuchungen belegen die Bedeutung der berühmten Priesterin von Bad Dürrenberg im Saalekreis vor rund 9.000 Jahren. Wie das Landesamt für Archäologie mitteilt, wurden unter dem Mikroskop Spuren von Federn in der Grabgrube nachgewiesen. Daß es sie gab, davon seien die Experten bereits seit Jahren ausgegangen. Aber: "Damit wurde die These vom aufwendigen Kopfschmuck der Toten erstmals offiziell bestätigt", erklärte Landesarchäologe Harald Meller.

   
Mikroskopische Untersuchung der Federreste: Zu sehen sind den Experten nach federtypische Bogen- beziehungsweise Hakenstrahlen von Wasservogel (oben rechts), Singvogel (unten links) sowie hühnerartigem Vogel (unten rechts).

Auch an den beiden Geweihmasken wurden Federfragmente sowie Bastfasern entdeckt. Sie stammen aus einer Grube neben dem Grab, die 600 Jahre nach ihrer Bestattung angelegt worden war. Offenbar blieb die Priesterin über Jahrhunderte eine bedeutende Figur, so die Experten. Die mikroskopischen Erkenntnisse sind den Angaben nach auch insofern bemerkenswert, da solch organisches Material normalerweise vollständig zerfalle. Entdeckt wurden Federteile von Sperlingsvögeln, von Auerhuhn, Birkhuhn, Moorschneehuhn und Gänsen.

Eine Heilerin aus der Mittelsteinzeit

Die etwa 30- bis 40-jährige Frau war seinerzeit eine erfolgreiche Heilerin, wurde verehrt und bei Problemen aufgesucht. Sie wurde zusammen mit einem rund sechs Monate alten Kind begraben, das archäologischen Erkenntnissen nach von ihr geheilt werden sollte. Das Grab in Bad Dürrenberg wurde 1934 im Kurpark zufällig beim Anlegen einer Wasserleitung entdeckt. Im Jahr 2019, in Vorbereitung auf die Landesgartenschau, fanden Nachgrabungen statt.

Pollenanalyse ergab einen bunten Strauß

Die Pollenanalysen führte Elisabeth Endtmann vom Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt durch. Unter dem Mikroskop fanden sich geringe Mengen Pollen optisch auffälliger Blütenpflanzen wie Mädesüß, Königskerze, Hahnenfuß sowie Teufelsabbiss oder Scabiosa.

Die Pflanzen blühen in Weiß-, Gelb-, Rosa-, Rot- und Violetttönen – ein farbenprächtiger Schmuck wäre demnach denkbar. Auffällig war eine Konzentration im Kopfbereich der Toten. Vermutlich verfingen sich die Pollen im Haar der Schamanin noch zu ihrer Lebzeit. Denkbar ist aber auch, daß ihr Kopf bei der Bestattung auf Blumen gebettet wurde, erklärte Endtmann. Aufgrund der geringen Pollenanzahl bleibe eine abschließende Gewißheit aber aus. Die mikroskopischen Untersuchungen der Pollen deuten jedoch darauf hin, daß die Bestattung im heutigen Juli stattgefunden hat.

Pflanzen der traditionellen Volksmedizin im Grab

Im Grab fanden sich außerdem Pollen von Pflanzen aus der traditionellen Volksmedizin. Birkenblätter, die als harntreibend gelten und Blasenentzündungen, Rheuma, Gicht und Wassersucht lindern. Faulbaumrinde, welche damals als Abführmittel genutzt wurde. Hopfen, der sedierend wirkt, und Frauenmantel, welcher bei der Behandlung von Wunden, Blutungen, Geschwüren, Bauchschmerzen, Nierensteinen und Kopfschmerzen eingesetzt wird. Offensichtlich wurde die Priesterin also zusammen mit ihrer ganzen Kräuterküche bestattet. 

Die Überschneidung der Blühzeiträume der im Kopfbereich nachgewiesenen Pflanzen beweist, daß die Bestattung im Juli erfolgt sein muß. Ergänzend wurden Grünalgen festgestellt, die vermutlich an den Federn von Wasservögeln hafteten, die ebenfalls im Grab nachgewiesen wurden.

Nachgrabungen 2019

Entdeckt wurde das Grab bereits 1934 zufällig bei Kanalarbeiten nahe dem heutigen Kurpark von Bad Dürrenberg (Saalekreis). Die Bergung erfolgte damals unter erheblichem Zeitdruck innerhalb eines einzigen Nachmittags.

Erst ab Dezember 2019, im Vorfeld der Landesgartenschau, nahmen Archäologinnen und Archäologen die Fundstelle erneut in den Blick. Tatsächlich gelang es, Reste der ursprünglichen, mit dem Mineralgemenge Rötel durchsetzten Grabgrube ausfindig zu machen. Da 1934 nur ein schmaler Suchgraben angelegt worden war, waren Teile der Bestattung unangetastet geblieben.

Steinzeitmenschen legten Blumen in Gräber

Blumen als Grabbeigaben werden bereits für sehr frühe Bestattungen verwendet. Bereits aus Gräbern, die vor 13.700 und 11.700 Jahren angelegt wurden, konnten Blumennachweise erbracht werden.

Die hier dargestellten neuen Ergebnisse sind Teil umfangreicher Forschungen der vergangenen Jahre. Sie werden ab dem 27. März 2026 in einer großen Sonderausstellung unter dem Titel "Die Schamanin" im Landesmuseum präsentiert.

   


Wer hat Lust und fährt dort hin zum Anschauen?
Entweder man findet einen Weg oder man schafft einen Weg!
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Djeser Djeseru - von Paganlord - 21.02.12026, 22:47
Djeser Djeseru - von Paganlord - Vor 8 Stunden

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