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Alexanders Lebensphilosophie
#1
Die entscheidenden Denkanstöße für Alexanders Lebensphilosophie bekam er gleich zu Beginn seines Indienfeldzuges. Nachdem er mit einigen Weisen gesprochen hatte, die ihm Emotions- und Gedankenlosigkeit nahebrachten, vervollständigte er sein Wissen und beendete sein philosophisches Suchen.

[Bild: alexander_guld.jpg]

Folgendes hat sich dort zugetragen:

Wie zu erwarten, kam bald auch Alexander dorthin, von ein paar Freunden und einem Sohn des verbündeten indischen Königs Omphis begleitet. Weder die weisen Lehrer noch die Schüler erhoben sich, ja sie achteten nicht einmal auf die Besucher. Der Prinz Omphis schien nicht ärgerlich zu sein, sondern dieses Benehmen sogar erwartet zu haben. Er rief seinen Dolmetscher, der die Männer ansprach und Alexander ankündigte. Daraufhin erhob sich der Anführer, und alle anderen folgten seinem Beispiel. Außer dem Mann, der regungslos und mit gekreuzten Beinen dasaß und auf seinen Bauch starrte. Zwei- oder dreimal stampften sie mit den Füßen auf den Boden und standen dann still da.

Alexander sagte: "Frag sie, warum sie das gemacht haben."

Beim Klang seiner Stimme blickte der Mann mit den gekreuzten Beinen zum erstenmal auf und heftete seinen Blick auf ihn.

Der Anführer sprach zu dem Dolmetscher, der auf griechisch sagte: "Er fragt, mein Herr und König, warum ihr von so weit und unter so großen Mühen gekommen seid, da Euch doch, wo immer ihr auch hingeht, nichts gehört auf der Erde, als der Boden unter Euren Füßen."

Alexander blickte ihn eine zeitlang ernst an, dann sagte er: "Sag ihm, daß ich die Erde nicht nur bereise, um sie zu besitzen. Ich möchte wissen, was sie ist, und auch, was die Menschen sind."

Schweigend beugte sich der Philosoph nieder und hielt ein Staubkorn in die Höhe.

"Aber" sagte Alexander, "auch die Erde kann verändert werden, und ebenso der Mensch."

"Die Menschen hast du wahrhaftig verändert. Durch dich haben sie Furcht und Zorn kennengelernt, Stolz und Verlangen, Ketten, die ihr Dasein binden werden – durch viele Leben hindurch. Und du, der du dich für frei hältst, weil du die Furcht und die Lüste des Körpers gemeistert hast: Die Begierden des Geistes verzehren dich."

Alexander dachte eine Weile nach. "Mag sein. So wird das Wachs des Bildhauers im Ton verzehrt und verschwindet für immer. Doch in der Höhlung, welche die Matrix des Gusses ist, wird Bronze gegossen."

Nachdem dies übersetzt worden war, schüttelte der Philosoph den Kopf. Alexander fuhr fort: "Sag ihm, ich möchte noch weiter mit ihm sprechen. Wenn er mit mir kommen will, werde ich mich darum kümmern, daß er ehrenvoll behandelt wird."

Der alte Mann hob den Kopf. Mochte er sich auch von allem möglichen frei dünken: Alexander bezweifelte in dem Moment, daß er frei von Stolz über sein Angebot war.

"Nein, König. Das würde ich auch nicht dem geringsten meiner Kinder hier gestatten. Was kannst du mir geben, oder was kannst du mir wegnehmen? Alles, was ich habe, ist dieser nackte Leib, und sogar den brauche ich nicht. Wenn du ihn mir nimmst, würdest du mich von meiner letzten Last befreien. Warum sollte ich also mit dir gehen?"

"Ja, warum?", fragte Alexander. "Wir werden dich nicht weiter belästigen."

Die ganze Zeit über hatte der Mann mit den gekreuzten Beinen still dagesessen und hatte Alexander angestarrt. Jetzt stand er auf und sprach. Alexander konnte sehen, daß seine Worte die anderen in Unruhe versetzten; zum ersten Mal sah der Anführer unausgeglichen aus. Der Dolmetscher deutete ihnen, ruhig zu sein.

Er sagt folgendes, mein Herr und König: "Sogar die Götter werden ihrer Gottheit überdrüssig und suchen schließlich Erlösung. Ich werde mit dir gehen, bis du frei bist."

Alexander lächelte ihn an und sagte, er sei willkommen. Der Mann stand auf und folgte dem König von nun an, bis an sein Lebensende. Das erste, das Alexander ihn fragte, war: "Warum waren deine Freunde so zornig mit dir?"

Er sagte: "Sie sind nicht deshalb unruhig geworden, weil sie denken, daß ich aus Gier nach Besitz mit dir gegangen bin, sondern weil mich die Liebe zu einem sterblichen Geschöpf dazu veranlaßt hat. Sie sind der Ansicht, daß diese Zuneigung zwar eine übermenschliche Dimension besitzt, daß mich diese Verbindung aber fesseln und meine Wiedergeburt nach dem Tod bewirken würde, worin wir eine Strafe sehen. Ich habe mein Leben nun an dich gebunden, Alexander, deine Befreiung von allen irdischen Dingen wird auch die meine sein. Wisse, daß jeder irdische Besitz dich an das Irdische bindet. Auch jede unserer Gefühlsregungen und Emotionen begründet sich nur auf unseren Besitzanspruch und auf unseren Vormundschaftsanspruch auf andere Menschen oder auf schöne Dinge, die wir zu besitzen trachten. Das alles bindet uns hier in der Welt der Sterblichen. Löse dich von solchen Begierden, und du erlöst dich damit selbst. Ich werde dich solange begleiten, auch wenn es noch einige Leben dauert, bis du diese Erkenntnis in deinem Inneren akzeptierst und somit frei von allen Fesseln geworden bist.

Alexander dankte dem Weisen und sagte, er wolle ihn in jedem Leben wiedertreffen. Er habe nun seinen Weg gefunden und die geistigen Begierden würden ihn nicht mehr länger verzehren. Er wolle seine eigenen Taten so sehen, als sei er ein Adler des Zeus, der über sich selbst kreist und sich stets bei seinem Tun selbst beobachtet.
Sei!
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#2
Violetta schrieb:Alexander dankte dem Weisen und sagte, er wolle ihn in jedem Leben wiedertreffen. Er habe nun seinen Weg gefunden und die geistigen Begierden würden ihn nicht mehr länger verzehren. Er wolle seine eigenen Taten so sehen, als sei er ein Adler des Zeus, der über sich selbst kreist und sich stets bei seinem Tun selbst beobachtet.

das hat was ...
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#3
Hallo Violetta,

das liest sich schön, doch bei diesen Geschichten frage ich mich, ob Alexander wohl wiedergeboren ist und vielleicht sogar heute hier ist, oder ob er es wirklich geschafft hat.
aromarin - Haut wie Samt und Seide
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#4
Es ist mir nicht klar, wieso sich jemand an jemand anderen binden sollte - und das noch über Leben hinweg. Das grenzt an Selbstaufgabe.

Weiterhin ist mir auch der Ursprung solcherlei Geschichtchen nicht klar. Meistens sind sie ziemlich dümmlich und geben nur menschengemachte Klischees wieder (meine Meinung).

Gruß, ?ono
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#5
Zitat:Es ist mir nicht klar, wieso sich jemand an jemand anderen binden sollte - und das noch über Leben hinweg. Das grenzt an Selbstaufgabe.

Weiterhin ist mir auch der Ursprung solcherlei Geschichtchen nicht klar. Meistens sind sie ziemlich dümmlich und geben nur menschengemachte Klischees wieder (meine Meinung).

Der Grund für eine Reinkarnation ist im allgemeinen eine emotionale Verbundenheit an weltliche Dinge. Das kann ein Gegenstand, Ort oder eine Person sein. Falls Du über die Fähigkeit der Reinkarnation verfügst, dann lebst Du nur deshalb noch auf diesem Planeten, weil Du mit irgendetwas emotional verbunden warst/bist und diese Verbundenheit Dich hier festhält. Daher solltest Du Dich fragen, warum DU noch hier bist. Ob das nun absichtlich oder unabsichtlich ist, ist noch einmal eine andere Frage. Das ist aber damit gemeint, wenn der Philosoph davon spricht: "Löse dich von solchen Begierden, und du erlöst dich damit selbst."

Ich verstehe nicht, was daran dümmlich sein soll, magst Du mir das näher erklären?
Es geht nicht darum mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, sondern darum mit den Augen die Tür zu finden!
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#6
Es geht darum, daß "der Philosoph" sich namentlich an Alexander bindet, "...Ich habe mein Leben nun an Dich gebunden, Alexander, deine Befreiung von allen irdischen Dingen wird auch die meine sein."
Da kann ich nichts Erstrebenswertes dran finden und ich kann mir nicht vorstellen, daß es das Ergebnis des Denkprozesses/der Lebenserfahrung eines "Weisen" sein soll, sein eigenes Heil von dem eines anderen abhängig zu machen. Das ist doch wohl eher der idealisierten Vorstellung eines, in der Tradition einer bestimmten Religion lebenden Schreibergehirns entsprungen. (Opfere dich für andere auf und du wirst belohnt werden.... oder so ähnlich.)
Andere Möglichkeit: Der "Weise" ist entweder derart von Überheblichkeit durchdrungen (und dadurch selbst nicht frei), daß er glaubt, Alexander schnell von allen Begierden befreien zu können (und somit Alexander ihn gleichzeitig befreit) oder aber er ist einfach gerissen und benutzt Alexander zum gleichen Zweck.

Solche Geschichtchen schreibt Jemand und dieser Jemand färbt sie entsprechend seiner eigenen Vorstellung/Kultur/Entwicklung ein. Und sollte es sich hier um einen uralten Text handeln (was ich bezweifle - die Quellenangabe fehlt!), dann ist er übersetzt. Ich denke, jeder hier weiß, wie sehr sich Texte durch Übersetzung allein schon von einer Sprache in die andere ändern können und u.U. Bedeutungen, Schwerpunkte verwässert werden. Wie ist es dann erst, wenn Texte von einer anderen Kultur und einer anderen Epoche (in unserem Fall ein paar Tausend Jahre) ins Deutsche übersetzt werden/eingedeutscht werden? (Aus einer Sprache, die es eventuell in der Jetztzeit gar nicht mehr gibt in eine Sprache, die es damals noch gar nicht gab.)

Gruß, ?ono
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#7
Zitat:Da kann ich nichts Erstrebenswertes dran finden und ich kann mir nicht vorstellen, daß es das Ergebnis des Denkprozesses/der Lebenserfahrung eines "Weisen" sein soll, sein eigenes Heil von dem eines anderen abhängig zu machen. Das ist doch wohl eher der idealisierten Vorstellung eines, in der Tradition einer bestimmten Religion lebenden Schreibergehirns entsprungen. (Opfere dich für andere auf und du wirst belohnt werden.... oder so ähnlich.)
Andere Möglichkeit: Der "Weise" ist entweder derart von Überheblichkeit durchdrungen (und dadurch selbst nicht frei), daß er glaubt, Alexander schnell von allen Begierden befreien zu können (und somit Alexander ihn gleichzeitig befreit) oder aber er ist einfach gerissen und benutzt Alexander zum gleichen Zweck.

Ich glaube, Du denkst zu negativ und zu weltlich. *g*
Dieser Philosoph ist aus freien Stücken mit Alexander mitgegangen, weil er ihn wohl mochte und vielleicht auch an seinen Abenteuern teilnehmen wollte. Das alles im Bewußtsein, daß sich diese Tat auf sein Leben derart auswirken wird, daß er sich mit Alexander (geistig) verbindet und durch diese Verbundenheit womöglich zu einer erneuten Inkarnation gezwungen wird. Mit anderen Worten: Es spricht für Alexander, daß er einen so großen Eindruck auf diesen Weisen gemacht hatte, daß dieser ihm aus freien Stücken folgen wollte. Zu dieser Zeit war man wohl dem irdischen Leben noch nicht überdrüssig genug, um solche eine Entscheidung als dümmlich abzutun. Blinzeln

Heute würde ich das aber wohl ähnlich sehen, aber vor 2.300 Jahren, als Alexander gelebt hatte, sonnte man sich eben gerne in seiner Gegenwart. Sensationell


Zitat:Solche Geschichtchen schreibt Jemand und dieser Jemand färbt sie entsprechend seiner eigenen Vorstellung/Kultur/Entwicklung ein. Und sollte es sich hier um einen uralten Text handeln (was ich bezweifle - die Quellenangabe fehlt!), dann ist er übersetzt. Ich denke, jeder hier weiß, wie sehr sich Texte durch Übersetzung allein schon von einer Sprache in die andere ändern können und u.U. Bedeutungen, Schwerpunkte verwässert werden. Wie ist es dann erst, wenn Texte von einer anderen Kultur und einer anderen Epoche (in unserem Fall ein paar Tausend Jahre) ins Deutsche übersetzt werden/eingedeutscht werden? (Aus einer Sprache, die es eventuell in der Jetztzeit gar nicht mehr gibt in eine Sprache, die es damals noch gar nicht gab.)

Du hast im allgemeinen schon recht, was die Übertragung von Texten in andere Sprachen und Epochen anbelangt. Da muß man schon sehr genau und sorgsam sein, und manche Texte eignen sich überhaupt nicht für eine Übersetzung (manchmal gibt es auch entsprechende Hinweise auf eine Nichtübertragbarkeit, da Hintergründe und Wissen zu den Geschichten nicht vorausgesetzt werden können). Diese sollte man in der Originalfassung also belassen.
Dieser Text stammt aber wahrscheinlich aus der Feder von Plutarch. Plutarch war zwar kein Zeitgenosse von Alexander, er wurde fast 400 Jahre später erst geboren, aber er hatte noch Zugriff auf heute verloren gegangene Werke, die er auch teilweise benennen kann.
Plutarch war kein Historiker, sondern ein Biograph, daher legt er auch besonderen Wert darauf, die von ihm ausgesuchten Persönlichkeiten mit positiven und negativen Eigenschaften so realitätsnah wie möglich zu beleuchten. Es wäre jetzt müßig sich darüber zu unterhalten, inwiefern ihm das gelungen ist, denn die Quellen von damals liegen einfach zu einem großen Teil nicht mehr vor.
Jetzt muß man sich also selbst die Mühe machen und sich die Taten/Geschichten anschauen, die überliefert sind, um zu entscheiden, ob es paßt oder nicht.
Es geht nicht darum mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, sondern darum mit den Augen die Tür zu finden!
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#8
Danke für die ausführliche Antwort, Hernes_Son. Blinzeln

Hast Du auch schon mal erlebt, daß Dir zwei Menschen ein und dasselbe Ereignis völlig unterschiedlich erzählt haben - und zwar gleich so, daß man meinen könnte, sie hätten von verschiedenen Dingen geredet?

Und ich frage mich, wieso man an den Abenteuern anderer teilnehmen wollen sollte und wieso man sich in in der Gegenwart anderer sonnen wollen sollte, ist mir besonders suspekt. Aber das liegt wohl an meiner LebensErfahrung und da hat jeder anscheinend eine andere (wobei ich letzteres im Kern nicht so wirklich glaube - aber das ist ein anderes Thema).

Du hast recht, jeder muß selbst entscheiden. Blinzeln

Gruß, ?ono
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#9
Zitat:Es ist mir nicht klar, wieso sich jemand an jemand anderen binden sollte - und das noch über Leben hinweg. Das grenzt an Selbstaufgabe.

Zitat:Es geht darum, daß "der Philosoph" sich namentlich an Alexander bindet, "...Ich habe mein Leben nun an Dich gebunden, Alexander, deine Befreiung von allen irdischen Dingen wird auch die meine sein."

Es ergibt aber einen Sinn, wenn man berücksichtigt, daß der Philosoph von Alexander selbst zu diesem Zweck hergestellt wurde. Ein Programm auf 2 Beinen, das ihn daran erinnert auf dem richtigen Weg zu bleiben und ihm bei gewissen Erkenntnis-Dingen hilft. Das Programm hat sodann seinen Zweck erfüllt und darf ebenfalls gehen bzw. bleibt solange, wie auch Alexander hier sein wird - egal in welcher späteren Inkarnation auch immer.
Was man will – nicht was man wünscht – empfängt man.

Cosima Wagner
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#10
(01.11.12010, 22:13)Aglaia schrieb: https://www.pagan-forum.de/Thema-Alexanders-Lebensphilosophie?pid=36622#pid36622Es ergibt aber einen Sinn, wenn man berücksichtigt, daß der Philosoph von Alexander selbst zu diesem Zweck hergestellt wurde. Ein Programm auf 2 Beinen, das ihn daran erinnert auf dem richtigen Weg zu bleiben und ihm bei gewissen Erkenntnis-Dingen hilft. Das Programm hat sodann seinen Zweck erfüllt und darf ebenfalls gehen bzw. bleibt solange, wie auch Alexander hier sein wird - egal in welcher späteren Inkarnation auch immer.

Meine Frage:

Was wäre dann Alexander der Große - auch ein Programm?
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