Herzlichen Glückwunsch, liebe Königin Luise
Luise von Mecklenburg-Strelitz wurde am 10. März 1776 geboren und feiert heute ihren 250. Geburtstag
Zum 250. Geburtstag der Königin Luise drängt sich ein Blick auf das Wirken der Monarchin auf. Ihren königlichen Charakter lobten Freund und Feind gleichermaßen.
Zu ihren Nachkommen zählten nicht nur der letzte deutsche Kaiser und der letzte Zar Rußlands, sondern zu ihnen gehört auch der heutige König der Niederlande, Willem Alexander. Nach ihr wurden nicht nur Straßen und Plätze, sondern auch Schulen, Kirchen, sogar Schiffe benannt, und auch wenn die Zahl der ihr gewidmeten Denkmäler im Laufe des letzten Jahrhunderts wieder geschwunden ist, bleibt sie doch bis heute ein Gegenstand dauernden Interesses und – wenigstens bei einem klein gewordenen Kreis – anhaltender Verehrung: gemeint ist Königin Luise von Preußen, geborene Luise Auguste Wilhelmine Amalie Prinzessin zu Mecklenburg-Strelitz, deren Geburtsdatum sich am 10. März zum 250. Mal jährt.
Zeitgenössische Darstellungen, besonders das berühmte, von Johann Gottfried Schadow geschaffene plastische Doppelporträt mit ihrer Schwester Friederike, auch die Gemälde von Josef Mathias Grassi oder von Elisabeth Vigée-Lebrun zeigen, daß sie zu den schönsten Frauen ihrer Zeit gehörte. Preußens König Friedrich Wilhelm II. tat also einen ausgesprochenen Glücksgriff, als er die junge mecklenburgische Prinzessin als Gemahlin für seinen ältesten Sohn, damit die künftige Königin, aussuchte. Tatsächlich gestaltete sich die nur siebzehn Jahre dauernde Ehe, der immerhin zehn Kinder entspringen sollten – von denen sieben das Erwachsenenalter erreichten –, als ausgesprochen glücklich.
Das hing sicher auch mit dem Naturell der jungen Prinzessin zusammen, die schon mit einundzwanzig Jahren, nach dem plötzlichen Tod ihres Schwiegervaters, Königin von Preußen wurde. Ihre natürliche Herzlichkeit und offene Freundlichkeit im Umgang mit den Untertanen, die Abwesenheit aller höfischen Distanz, machten Luise von Anfang an im Volk ausgesprochen populär, wenngleich die früh entstandene Legende vom vermeintlich ersten „bürgerlichen“ Königspaar Preußens nicht der historischen Wahrheit entspricht.
Für ihren Ehegemahl, König Friedrich Wilhelm III., stellte die junge Frau eine ideale Ergänzung dar, denn der für sein hohes Amt im Grunde ungeeignete junge Mann erwies sich in der Folgezeit immer wieder als ausgesprochen unsicher, entscheidungsschwach, dazu öffentlichkeitsscheu und auch deshalb wenig populär.
Kleist lobte Charakter von Königin Luise von Preußen
Nur knapp zehn friedliche Jahre waren dem Königspaar vergönnt, das sich am liebsten in der selbstgeschaffenen ländlichen Idylle des Schlösschens Paretz aufhielt und die Veränderungen der damaligen großen Politik, besonders den Aufstieg Napoleon Bonapartes, mit großer Besorgnis verfolgte. Der tragisch verlaufende Krieg von 1806, die verheerende Niederlage der preußischen Armee bei Jena und Auerstedt und der schmachvolle Tilsiter Frieden von 1807 veränderten alles. Der königliche Hof mußte aus der Hauptstadt fliehen, erst nach Königsberg, dann nach Memel; die hiermit verbundenen Strapazen, dazu weitere Schwangerschaften verschlechterten die Gesundheit der jungen Monarchin.
Nach außen hin bewahrte sie jedoch auf eindrucksvolle Weise Haltung, hielt vor allem ihren unglücklich agierenden, an der Lage verzweifelnden und zeitweilig sogar zur Abdankung entschlossenen königlichen Gemahl seelisch aufrecht. „In diesem Krieg“ zeige die Königin, schrieb ein aufmerksamer Beobachter, Heinrich von Kleist, Ende 1806 an seine Schwester, „einen wahrhaft königlichen Charakter. Sie hat den ganzen großen Gegenstand, auf den es jetzt ankommt, umfaßt; sie, deren Seele noch vor kurzem mit nichts beschäftigt schien, als wie sie beim Tanzen und beim Reiten gefalle. Sie versammelt alle unsere großen Männer, die der König vernachlässigt, und von denen uns doch nur allein Rettung kommen kann, um sich; ja sie ist es, die das, was noch nicht zusammengestürzt ist, hält“.
Nachgerade zur Legende wurde ihre berühmte Begegnung mit Napoleon im Juli 1807 am Rande der Tilsiter Friedensverhandlungen. Sie bat den korsischen Gewaltherrscher, der nun daranging, das Königreich Preußen territorial zu halbieren, um einen weniger strengen Frieden. Doch die Unterhaltung geriet zum Fiasko: Der französische Usurpator, sichtlich beeindruckt von ihrer Erscheinung, machte ihr freundlichste Komplimente, lobte ihr Äußeres und ihre ausgesuchte Garderobe, während sie das Gespräch immer wieder auf die politische Lage zu lenken versuchte und an seinen Großmut appellierte.
Luises Fürsprache für die großen Reformer Stein und Hardenberg
Ihr Gegenüber, der harte und entschlossen agierende französische Machtpolitiker, blieb ihr gegenüber äußerst höflich und verbindlich und bemerkte dazu später, diese Frau habe „wirklichen Charakter im Unglück“ bewiesen.
Und noch einmal raffte sich Luise auf, wurde in Königsberg – wo die große Familie anfangs in einem Häuschen mit wenigen Zimmern logieren mußte – erneut zur wichtigsten Stütze ihres politisch hin und her lavierenden königlichen Gemahls. Besonders als es darum ging, den zuerst entlassenen, neben dem Freiherrn vom Stein fähigsten Politiker des Landes, Karl August von Hardenberg, in sein leitendes Ministeramt erneut einzusetzen, übte sie maßgeblichen Einfluß aus.
Im März 1810 verfaßte Luise eine Denkschrift, die ihr Biograph Paul Bailleu einmal als die wohl „bedeutendste politische Aufzeichnung, die wir von ihr besitzen“, bezeichnete: In der gegenwärtigen Lage müsse „ein wahrer Staatsdiener“, heißt es darin, „von dem großen und einzig wahren Gesichtspunkt ausgehen, daß vor allen Dingen die Nationalität gerettet werden muß; daß der Nation alles daran liege, unter dem Zepter eines Tugendhaften Königs vereinigt zu bleiben; daß um diesen Vorzug und dieses Glück zu genießen, sie gewiss bereit sei, große Opfer zu bringen“. Dieser Gedanke wiederum müsse „die Seele aller Staatsmänner anfeuern“, die sich von allen „kleinlichen Rücksichten“ zu verabschieden hätten, um dieses große Ziel, den Erhalt des Landes und seines legitimen Monarchen in der vorhandenen gefahrvollen Lage, zu sichern.
Luise von Preußen entwickelte sich zum Mythos
Drei Monate später war die Königin tot, tief betrauert vom Volk. Ihre ohnehin bereits seit längerem infolge der erlittenen Strapazen angegriffene Gesundheit konnte einer hinzukommenden Lungenentzündung nicht mehr standhalten; das Leben der erst vierunddreißigjährigen Monarchin erlosch am 19. Juli 1810.
In der Erinnerung (nicht nur der Zeitgenossen) lebt sie jedoch weiter; ihre Gestalt wandelte sich zu einem veritablen historischen Mythos, und schließlich zur „preußischen Madonna“ verklärt – in mancher Hinsicht dem Kult der Franzosen um Jeanne d’Arc vergleichbar.
Denn in der Populärkultur der Deutschen lebt Luise noch lange weiter, nicht nur in allerlei Luisen-Romanen und -Dramen, sondern auch im Film: Unvergessen bleiben ihre Verkörperungen durch Schauspielerinnen wie Henny Porten (1931) und besonders durch Irene von Meyendorff (1944) sowie Ruth Leuwerik (1957).
„Ich habe gelebt und gelitten, es ist wahr“
Und dabei blieb es nicht. Der von König Friedrich Wilhelm III. zur Erinnerung an seine früh verstorbene Gemahlin 1814 gestiftete, nur an Frauen verliehene Luisenorden (blaues Kreuz mit stilisiertem „L“ in der Mitte am preußisch schwarzweißen Band) bewahrt die Erinnerung an die populäre Königin ebenso wie der patriotisch-monarchistische Luisenbund, der während der Weimarer Republik gegründet wurde und Anfang der 1930er Jahre etwa 200.000 Mitglieder umfaßte.
Heute erinnert vor allem das eindrucksvolle Grabdenkmal in der Kapelle im Park des Schlosses Charlottenburg an die populärste Königin in Deutschland, an eine Frau, die kurz vor ihrem Tod in einem Brief an ihre Schwester Therese – die wohl als Vermächtnis zu begreifenden Worte schrieb:
„Meine Seele ist trüb geworden durch Erfahrungen und Menschenkenntnis, aber mein Herz ist jung. Ich liebe die Menschen trotzdem, denn ich hoffe so gern. (…) Ich habe gelebt und gelitten; es ist wahr. Aber es mußte so kommen, wie es gekommen ist. Ich habe ein reines Gewissen.“
Links Luise und rechts Schwester Friederike.