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Neutralität und Verhalten
#11
Diese Frage kenne ich auch, Cleopatra: Was ist, wenn man etwas für jemanden oder für eine Sache nach der eigenen Einschätzung Hilfreiches oder Wichtiges weiß, soll man es – auch ungefragt - kommunizieren oder nicht?

Ein weiteres Problem, gerade beim ungefragten, Einmischen ist, daß die meisten Leute einen Hinweis gar nicht hören wollen. Schon gar keinen Rat, da fühlen sie sich oft schon bevormundet, und nicht einmal eine Warnung. Manche gehen in ihrer Unfähigkeit zu reflektieren sogar so weit, dem darauf Hinweisenden dann die Schuld für eine entstandene mißliche Lage zu geben. Viele können nicht neutral einen Umstand, an dem sie selbst beteiligt waren, als Ursache erkennen, sondern empfinden dann Schuld, die auf ihnen lastet, und diese geben sie doch lieber weiter. Am besten gleich an diese „wissende Kassandra“, die mit ihrem mahnenden Zeigefinger auf diese Ursache deutet (die wie gesagt oft als Schuld empfunden wird). Das ist oft selbst dann der Fall, wenn es kein vorwurfsvolles Mahnen war, wovon ich bei Dir ausgehe, daß es das nicht war. Es läuft eben trotzdem oft so ab. Das Nichteinmischen dient auch dem Selbstschutz.

Zitat:Da fand ich es eleganter, dem Verursacher des Übels, also der Kuchenfütterin, von den Folgen ihres Tuns zu berichten und da auf Einsicht und Besserung zu hoffen

Wenn man von einem vernünftigen, zur rein sachlichen Reflektion fähigen Menschen ausgeht, da hätte das vermutlich auch genau diesen Erfolg gebracht, derjenige hätte über sein Verhalten und die Folgen nachgedacht, und hätte es für sich beurteilt, ob es zutreffend ist oder nicht.

Die meisten Leute nehmen aber fast alles erst mal nur ganz persönlich, der Inhalt an sich ist ihnen gar nicht mehr so wichtig. Ein Hinweis auf ein Fehlverhalten kommt dann einer persönlichen Attacke gleich. Da setzt dann der Verstand etwas aus, und es wird vor allem abgewehrt. Manchmal kommt aber nach einer Weile doch noch eine Einsicht übrigens, nachdem sich die erste Emotionalität des Angesprochenen gelegt hat, aber auch hierzu gehört eine gewisse Fähigkeit der Reflektion.

Einen ungefragten Rat oder Hinweis an jemanden, kann man deshalb nur befürworten, wenn man zumindest ziemlich sicher ist, daß derjenige auch fähig und willens ist, diesen als solchen auch zu überdenken.

Noch von mir zum Hoffen: Wenn man auf den guten Ausgang einer Unternehmung hofft, heißt das gleichermaßen, daß man es nicht in der Hand hat. Besser, man tut die Dinge so, daß man guten Mutes davon ausgehen kann, daß sie auch gelingen, so wie man es will.




(20.06.12013, 23:12)Cleopatra schrieb: https://www.pagan-forum.de/Thema-Neutralit%C3%A4t-und-Verhalten?pid=45186#pid45186Für mich ist diese "Neutralität" eine Riesenumstellung; ich komm´ aus einer Familie, wo jeder jederzeit ungefragt ´reinquatschen darf (und das auch tut Lol . Es gilt aber auch die Regel, daß die Entscheidung einzig und allein bei dem Betroffenen liegt und akzeptiert wird!).

Das halte ich an sich für richtig, insbesondere auch wegen der unterschiedlichen Wissensgebiete. Aber zuhause ist eben zuhause, und irgendwelche Leute sind irgendwelche Leute. Zuhause, auch im weiteren Sinne, ist ein ungefragtes Beraten kein "ich weiß es aber besser", sondern der Austausch von Informationen.

Ich habe z.B. auch schon mal ein Mädchen, das etwas verträumt genau vor mir fast in eine Bahn gelaufen wäre, am Rockzipfel zurückgehalten. Würde ich wiedertun. Ich will auch keinen Unfall beobachten, noch dazu in unmittelbarer Nähe.

Wenn die Kuchenfrau schon mit dem Klavier von Dir konkurrierte, war eigentlich fast abzusehen, daß sie sich nicht in einem anderen Bereich von Dir "korrigieren" läßt.

Ich will jetzt darauf hinaus: Man sollte sich selber auch immer ehrlich fragen, welches die wahren Beweggründe des eigenen Handelns sind. An diesem speziellen Thema veranschaulicht, ist z.B. auch ein "Du warst gut und ich war schlecht, (Klavier nicht zeigen gegen Keyboard zeigen,) und jetzt zeige ich Dir, daß Du aber woanders schlecht warst" möglich. Ich will Dir das keineswegs unterstellen, daß Du nicht wahrhaftig rein hehre Beweggründe hattest, ich nehme die Konstellation der Situation nur als Aufhänger, denn eine Überlegung ist es schon wert; auch das hilft, so manche Einmischung zu verstehen. Und was verstanden und erkannt wurde, ist in der Regel auch aufgelöst.
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#12
Zitat:Diese Frage kenne ich auch, Cleopatra: Was ist, wenn man etwas für jemanden oder für eine Sache nach der eigenen Einschätzung Hilfreiches oder Wichtiges weiß, soll man es – auch ungefragt - kommunizieren oder nicht?

Niemals. Nicht nur daß man damit den Lernprozeß des Betreffenden verhindert/behindert, man mischt sich außerdem in einen Ursache/Wirkungskreislauf ein, was dann wiederum auf den Einmischer zurückfällt. "Laß mich Dein Kreuz für Dich tragen, wäre der passende (wenn auch chr.) Aphorismus hierzu.


Zitat:Ein weiteres Problem, gerade beim ungefragten, Einmischen ist, daß die meisten Leute einen Hinweis gar nicht hören wollen. Schon gar keinen Rat, da fühlen sie sich oft schon bevormundet, und nicht einmal eine Warnung.

Ganz genau. Sie hören sowieso nur das, was ihrer eigenen Meinung entspricht.
Ein schwacher Verstand ist wie ein Mikroskop, das Kleinigkeiten vergrößert und große Dinge nicht erfaßt.
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#13
Guten Abend,

nicht einmischen ist die bessere Wahl. Vor Kurzem bekam ich mit, dass der 17 Jahre alte Sohn meiner Schwester neuerdings diverse Drogen konsumiert.
Auch wenn das Thema dann doch schwerwiegend ist, ich halte mich raus.
Das ist seine Angelegenheit. Wenn er reden möchte und mich fragt werde ich mich äußern.

Meine Grüße

Lohe
"Die Menschen drängen sich zum Lichte, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu glänzen"
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#14
Liebe Andrea,

vielen Dank für Deinen Beitrag, der mir sehr aus dem Herzen spricht. Du bringst es fertig, einige Dinge zackig-knackig auf den Punkt zu bringen, wo ich vergeblich nach der passenden Formulierung gesucht habe. Hier zum Beispiel:

(21.06.12013, 14:51)Andrea schrieb: https://www.pagan-forum.de/Thema-Neutralit%C3%A4t-und-Verhalten?pid=45191#pid45191...etwas für jemanden oder für eine Sache nach der eigenen Einschätzung Hilfreiches oder Wichtiges weiß...
Da brauch´ ich fünf bis zehn Sätze für, und Du drückst präzise mit ein paar Worten das aus, was ich sagen wollte Biggrin . Danke dafür!


Auch damit gibst Du mir ein paar richtig gute Anhaltspunkte mit auf den Weg, die so ähnlich ja auch schon die Vorschreiber angesprochen haben:
(21.06.12013, 14:51)Andrea schrieb: https://www.pagan-forum.de/Thema-Neutralit%C3%A4t-und-Verhalten?pid=45191#pid45191...in ihrer Unfähigkeit zu reflektieren...

...

Wenn man von einem vernünftigen, zur rein sachlichen Reflektion fähigen Menschen ausgeht, da hätte das vermutlich auch genau diesen Erfolg gebracht, derjenige hätte über sein Verhalten und die Folgen nachgedacht, und hätte es für sich beurteilt, ob es zutreffend ist oder nicht.

... hierzu gehört eine gewisse Fähigkeit der Reflektion.

Einen ungefragten Rat oder Hinweis an jemanden, kann man deshalb nur befürworten, wenn man zumindest ziemlich sicher ist, daß derjenige auch fähig und willens ist, diesen als solchen auch zu überdenken.

Da hab´ ich unbewußt immer was vorausgesetzt - daher auch diese Handlungsweise:

(21.06.12013, 14:51)Andrea schrieb: https://www.pagan-forum.de/Thema-Neutralit%C3%A4t-und-Verhalten?pid=45191#pid45191
(20.06.12013, 23:12)Cleopatra schrieb: https://www.pagan-forum.de/Thema-Neutralit%C3%A4t-und-Verhalten?pid=45186#pid45186...ich komm´ aus einer Familie, wo jeder jederzeit ungefragt ´reinquatschen darf (und das auch tut Lol . Es gilt aber auch die Regel, daß die Entscheidung einzig und allein bei dem Betroffenen liegt und akzeptiert wird!).

Das halte ich an sich für richtig, insbesondere auch wegen der unterschiedlichen Wissensgebiete. Aber zuhause ist eben zuhause, und irgendwelche Leute sind irgendwelche Leute.

Und die hab´ ich dann eins zu eins von zuhause nach draußen übertragen, in der irrigen Annahme, daß doch alle anderen Menschen genauso ticken. Nun ja Pfeif


(21.06.12013, 14:51)Andrea schrieb: https://www.pagan-forum.de/Thema-Neutralit%C3%A4t-und-Verhalten?pid=45191#pid45191Das Nichteinmischen dient auch dem Selbstschutz.

So langsam sickert diese Erkenntnis bei mir ein...


(21.06.12013, 14:51)Andrea schrieb: https://www.pagan-forum.de/Thema-Neutralit%C3%A4t-und-Verhalten?pid=45191#pid45191Die meisten Leute nehmen aber fast alles erst mal nur ganz persönlich, der Inhalt an sich ist ihnen gar nicht mehr so wichtig.

Genau DARAN sind offenbar bei mir in der Vergangenheit viele Versuche einer Kommunikation gescheitert - jetzt wo Du´s beschreibst, erkenne ich es. Ich schalte da wohl immer total auf die rein inhaltliche Sachebene und wirke dadurch wohl sogar sehr kalt und gefühllos; ein Verflossener hat mir mal vorgeworfen, er fühle sich in einer Beziehungsdiskussion mit mir "wie in einem Business Meeting". Umgekehrt hat meine langjährige (wir kennen uns seit über 30 Jahren) beste Freundin mal über mich gesagt, sie kenne keinen einzigen Menschen, der so gut mit Kritik umgehen könne wie ich, der so sachlich und offen reagiere, wenn man ihn mit Kritik konfrontiere. Das paßt ja dann auch ins Bild...


(21.06.12013, 14:51)Andrea schrieb: https://www.pagan-forum.de/Thema-Neutralit%C3%A4t-und-Verhalten?pid=45191#pid45191Einen ungefragten Rat oder Hinweis an jemanden, kann man deshalb nur befürworten, wenn man zumindest ziemlich sicher ist, daß derjenige auch fähig und willens ist, diesen als solchen auch zu überdenken.

Diesen Satz werd´ ich mir dick und fett hinter die Ohren schreiben und immer zu Rate ziehen, wenn es darum geht, jemandem hilfreich unter die Arme zu greifen - ob gefragt oder ungefragt. Denn wie auch schon von Al Manat angesprochen, selbst wenn jemand um Rat fragt (direkt oder indirekt, durch reines Schildern seiner mißlichen Situation), werde ich darauf achten, mich nur noch dann fundiert zu äußern, wenn ich davon ausgehen kann, daß derjenige damit auch was anfangen kann. Und mich ansonsten in nichtssagenden Platitüden ergehen. Wer nichts ändern will, merkt den Unterschied doch sowieso nicht Lol


(21.06.12013, 14:51)Andrea schrieb: https://www.pagan-forum.de/Thema-Neutralit%C3%A4t-und-Verhalten?pid=45191#pid45191Noch von mir zum Hoffen: Wenn man auf den guten Ausgang einer Unternehmung hofft, heißt das gleichermaßen, daß man es nicht in der Hand hat. Besser, man tut die Dinge so, daß man guten Mutes davon ausgehen kann, daß sie auch gelingen, so wie man es will.

Auch für diese Gedankenstütze herzlichen Dank, denn auch die kann ich gut gebrauchen! Sowas ähnliches diskutiere ich immer wieder mit meinem Mann, wenn ich ihn um was bitte und er sagt, "ich versuuuuuch´s!". Dann keife ich immer "VERSUCHST du, durch den Schliersee zu schwimmen, oder SCHWIMMST du durch den Schliersee?!" (beim alljährlichen Alpen-Triathlon). - "Ich schwimme durch den Schliersee!" - "Na, also, dann versuch´s nicht, sondern mach´s!" ;-)
(Anm.: Solche privaten Anekdoten nicht immer zu wortwörtlich nehmen; meine journalistische Ader schmückt das hin und wieder ein bißchen aus, um dem ganzen einen Unterhaltungswert zu geben.)


(21.06.12013, 14:51)Andrea schrieb: https://www.pagan-forum.de/Thema-Neutralit%C3%A4t-und-Verhalten?pid=45191#pid45191Aber zuhause ist eben zuhause, und irgendwelche Leute sind irgendwelche Leute. Zuhause, auch im weiteren Sinne, ist ein ungefragtes Beraten kein "ich weiß es aber besser", sondern der Austausch von Informationen.

Ich glaube, damit hab´ ich ein Problem. Diese krasse Grenze zwischen "Zuhause" und dem Rest meines Umfeldes zu ziehen, ergibt mir keinen wirklichen Sinn. Menschen, mit denen ich umgehe, sind eben Menschen, mit denen ich umgehe, ob da nun Blutsverwandtschaft besteht oder nicht. Dementsprechend tendiere ich dazu, da die gleichen Verhaltensweisen anzuwenden.
Und "etwas besser zu wissen" als wer anders, das galt bei uns daheim nicht als schlecht. Das war gut, und es (mit) zu teilen war noch besser.
Offenbar stecken diese Werte mir immer noch in den Knochen, verschaffen mir aber Schwierigkeiten, weil andere Menschen lieber ihren Blödsinn weiterpraktizieren, als sich von jemandem, der genau in diesem Bereich etwas besser weiß als sie, Informationen geben zu lassen. Da gehe ich zu sehr von mir selbst aus - bevor ich mich weiter abmühe, bin ich doch heilfroh, wenn jemand mir sagt, wie´s einfacher geht. Da kenn´ ich auch keinen falschen Stolz oder sowas. Da weiß einer was besser, was mit nützt - prima, wann anders isses halt mal anders ´rum. Fertig ist die Musik; kein Bedarf, da einen Grundsatzfrage oder ein Psychodrama draus zu machen.


(21.06.12013, 14:51)Andrea schrieb: https://www.pagan-forum.de/Thema-Neutralit%C3%A4t-und-Verhalten?pid=45191#pid45191Wenn die Kuchenfrau schon mit dem Klavier von Dir konkurrierte, war eigentlich fast abzusehen, daß sie sich nicht in einem anderen Bereich von Dir "korrigieren" läßt.

Ich will jetzt darauf hinaus: Man sollte sich selber auch immer ehrlich fragen, welches die wahren Beweggründe des eigenen Handelns sind. An diesem speziellen Thema veranschaulicht, ist z.B. auch ein "Du warst gut und ich war schlecht, (Klavier nicht zeigen gegen Keyboard zeigen,) und jetzt zeige ich Dir, daß Du aber woanders schlecht warst" möglich. Ich will Dir das keineswegs unterstellen, daß Du nicht wahrhaftig rein hehre Beweggründe hattest, ich nehme die Konstellation der Situation nur als Aufhänger, denn eine Überlegung ist es schon wert; auch das hilft, so manche Einmischung zu verstehen. Und was verstanden und erkannt wurde, ist in der Regel auch aufgelöst.

Das ist ein sehr interessanter Aspekt, den Du da angesprochen hast, und ich habe das mal auf mich wirken lassen, seit ich gestern nachmittag Deinen Beitrag gelesen habe. Bin wirklich in mich gegangen und wollte ganz ehrlich zu mir sein, aber ich habe keinerlei Widerhall davon gefunden. Ich glaube, das liegt daran, weil ich es nämlich überhaupt nicht falsch finde und mich deswegen schlecht fühle, daß ich die Kinder nicht ans Klavier lasse. Im Gegenteil, ich finde das ganz richtig so; Menschen, die nicht spielen können und nur auf den Tasten herumhauen, haben an einem Instrument nix zu suchen (und das gilt selbstverständlich nicht nur für Kinder). Insofern hatte ich aus meiner Sicht keine Veranlassung, der Kuchenfrau zu demonstrieren, daß ich an anderer Stelle besser bin als sie.
Ich glaube, der Hauptantrieb war wirklich dieses Ausgeliefertsein, das ich in ihren ständigen penetranten "Willst Du dies, willst Du das"-Fragen sehe und wovor ich das Kind (und potentielle weitere Opfer) schützen wollte. Hab´ ja mittlerweile verstanden, daß ich damit Neutralität verletze. Aber so ganz leicht fällt mir das immer noch nicht - da geht´s mir wie Dir mit dem Kind und der Bahn. Das war ja dann auch nicht richtig, daß Du sie gestoppt hast. Wer weiß, aus welchen Gründen es in dem Moment sinnvoll und notwendig gewesen wäre, daß sie vor die Bahn rennt... das führt mich in Dimensionen, die ich noch nicht richtig erfassen kann. Da steckt eben noch 45 Jahre Wertesystem drin, nach welchem es gut und richtig ist, andere vor Schaden zu bewahren, wenn man die Möglichkeit dazu hat...

Liebe Grüße,
Cleo
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Erfolg realisiert sich in Sprüngen! (Jörg Löhr)
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#15
(22.06.12013, 14:50)Cleopatra schrieb: https://www.pagan-forum.de/Thema-Neutralit%C3%A4t-und-Verhalten?pid=45211#pid45211wie Dir mit dem Kind und der Bahn. Das war ja dann auch nicht richtig, daß Du sie gestoppt hast. Wer weiß, aus welchen Gründen es in dem Moment sinnvoll und notwendig gewesen wäre, daß sie vor die Bahn rennt...

Für mich fand ich es in dem Moment richtig, um keinen Unfall miterleben zu müssen. Man kann jetzt noch die Frage stellen, warum ich in diese Situation gekommen bin, überhaupt handeln zu müssen. Ich bin halt nicht perfekt. Ich arbeite d'ran. Winken
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#16
Liebe Slaskia,

auch Dir herzlichen Dank für Deine Gedanken, über die ich mich gern noch ausführlicher mit Dir austauschen würde.

(21.06.12013, 17:38)Slaskia schrieb: https://www.pagan-forum.de/Thema-Neutralit%C3%A4t-und-Verhalten?pid=45194#pid45194
Zitat:Diese Frage kenne ich auch, Cleopatra: Was ist, wenn man etwas für jemanden oder für eine Sache nach der eigenen Einschätzung Hilfreiches oder Wichtiges weiß, soll man es – auch ungefragt - kommunizieren oder nicht?

Niemals. Nicht nur daß man damit den Lernprozeß des Betreffenden verhindert/behindert,...

Diese Aussage impliziert für mein Verständnis, daß der Mensch nur lernen kann (oder darf?), indem er höchstselbst vor die Wand läuft. Diese Einschätzung teile ich nicht, denn wenn es so wäre, gäbe es die Menschheit nicht mehr.
Wenn wir nicht die Fähigkeit hätten, genauso wie durch Selbstversuch auch durch Beobachtung und Information zu lernen, dann hätte jeder einmal in die unbekannte Giftpflanze gebissen. So aber hat es nur einer (oder einige wenige) getan, und diejenigen, die dabei standen, haben dann davon Abstand genommen (Lernen durch Beobachtung) und dann dem Rest der Gemeinschaft im Dorf davon erzählt, die dann (mehrheitlich zumindest) ebenfalls auf den Verzehr dieser Pflanze verzichtet haben (Lernen durch Information).
Da gibt´s auch ein englisches Sprichwort, das ich immer sehr gut fand:
"Learn from the mistakes of others. You´ll never live long enough to make them all yourself."
(Lerne aus den Fehlern anderer. Du wirst nicht lange genug leben, um alle selbst zu machen.)


(21.06.12013, 17:38)Slaskia schrieb: https://www.pagan-forum.de/Thema-Neutralit%C3%A4t-und-Verhalten?pid=45194#pid45194...man mischt sich außerdem in einen Ursache/Wirkungskreislauf ein, was dann wiederum auf den Einmischer zurückfällt. "Laß mich Dein Kreuz für Dich tragen, wäre der passende (wenn auch chr.) Aphorismus hierzu.

Hm, das klingt mir jetzt schon sehr nach Menschen mit Helfersyndrom. Ich für meinen Teil bin hier aber noch nicht bei denen, die anderen permanent ihren Hintern nachtragen, damit sie es nicht selbst tun müssen, sondern noch eine Stufe vorndran, wo es erstmal nur drum geht, jemandem mit Information, die ihm offenbar nicht vorliegt, einen anderen Blickwinkel auf die Situation zu verschaffen. Seinen Hintern darf er aber schön weiter selbst tragen ;-)
Und bin ich, wenn ich in die Situation involviert bin, nicht auch ein Teil des Ursache-Wirkungs-Kreislaufs? Ist das, was ich an Information ggfls. beizutragen habe, nicht vielleicht doch dafür gedacht, in diesen Kreislauf integriert zu werden?
Das wird jetzt fast schon philosophisch; ich finde es auf jeden Fall nicht so einfach, da eine klare Linie zu ziehen - zu viele Fälle empfinde ich noch als "grenzwertig", als "es kommt drauf an"...


(21.06.12013, 17:38)Slaskia schrieb: https://www.pagan-forum.de/Thema-Neutralit%C3%A4t-und-Verhalten?pid=45194#pid45194Ganz genau. Sie hören sowieso nur das, was ihrer eigenen Meinung entspricht.
Wie schon bei Al Manat und Andrea geschrieben; das erfordert bei mir ein Umdenken, weil ich bisher zu sehr davon ausgegangen bin, daß jeder froh ist über Information, die ihm vor einem akuten Problem weiterhilft... ich übe! ;-)

Liebe Grüße,
Cleo



(22.06.12013, 15:12)Andrea schrieb: https://www.pagan-forum.de/Thema-Neutralit%C3%A4t-und-Verhalten?pid=45213#pid45213
(22.06.12013, 14:50)Cleopatra schrieb: https://www.pagan-forum.de/Thema-Neutralit%C3%A4t-und-Verhalten?pid=45211#pid45211wie Dir mit dem Kind und der Bahn. Das war ja dann auch nicht richtig, daß Du sie gestoppt hast. Wer weiß, aus welchen Gründen es in dem Moment sinnvoll und notwendig gewesen wäre, daß sie vor die Bahn rennt...

Für mich fand ich es in dem Moment richtig, um keinen Unfall miterleben zu müssen. Man kann jetzt noch die Frage stellen, warum ich in diese Situation gekommen bin, überhaupt handeln zu müssen. Ich bin halt nicht perfekt. Ich arbeite d'ran. Winken

Lustig, genau den Aspekt habe ich ja in meiner Antwort an Slaskia auch gerade angesprochen Winken



Liebe Lohe,

(21.06.12013, 20:43)Lohe schrieb: https://www.pagan-forum.de/Thema-Neutralit%C3%A4t-und-Verhalten?pid=45198#pid45198Guten Abend,

nicht einmischen ist die bessere Wahl. Vor Kurzem bekam ich mit, dass der 17 Jahre alte Sohn meiner Schwester neuerdings diverse Drogen konsumiert.
Auch wenn das Thema dann doch schwerwiegend ist, ich halte mich raus.
Das ist seine Angelegenheit. Wenn er reden möchte und mich fragt werde ich mich äußern.

Meine Grüße

Lohe

Diese Situation stelle ich mir ziemlich unangenehm vor. Fällt Dir das leicht, Dich da ´rauszuhalten?
Ich war die Woche mit einer guten Freundin essen, die mir letztens erzählt hatte, wie ihr Alltag und ihr Tagesablauf so aussieht, und mir fiel dabei auf, daß sich bei ihr alles nur um ihre Arbeit und die Kinder dreht und sie keinerlei Zeitfenster in ihrem Alltag für Gemeinsamkeit mit ihrem Mann vorhält - und das, wo´s eh öfter mal Probleme gibt, weil er Verhaltensweisen zeigt, die darauf schließen lassen, daß er sich vernachlässigt fühlt.
Eigentlich hatte ich vor, sie bei der nächsten Gelegenheit - das wäre also die Woche beim Abendessen gewesen - darauf anzusprechen. Aber nachdem ich in der Zwischenzeit hier so einiges gelesen hatte, habe ich mir das nochmal durch den Kopf gehen lassen und meine Beweggründe hinterfragt.
Die waren auch schnell entschlüsselt: Ich wollte sie davor bewahren, daß sie ihre Ehe ruiniert, und von dem damit zusammenhängenden Kummer, Stress und Ärger (Liebeskummer, finanzielle Probleme, Umzug etc. etc. etc.).
Dabei, die Klappe zu halten, hat mir dann der Gedanke geholfen, "Wer bin ich denn, zu entscheiden, ob diese Ehe halten soll oder nicht." Und noch mehr: "Wer sagt denn, daß sie hält, wenn ich ihr jetzt einen guten Rat gebe und sie dann ihr Verhalten ändert - die Ehe könnte trotzdem den Bach ´runtergehen."
Aber ganz leicht gefallen ist es mir nicht, und ich war schon froh, daß wir den ganzen Abend so viele Themen zum Ratschen hatten, daß ich gar nicht in die Verlegenheit kam, in einer Gesprächspause vielleicht doch der Versuchung zu erliegen, dieses Thema anzusprechen... es erfordert halt ÜBUNG, ÜBUNG, ÜBUNG ;-)

Liebe Grüße,
Cleo
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#17
Hallo Cleopatra,

nein, mir fällt es nicht leicht, auch dies ist eine Emotion, die ich kontrollieren kann. Er ist mir wichtig, er ist ein Familienmitglied. Aber auch sein Verhalten beruht auf Ursache und Wirkung und vielen Familienproblemen, die kann und will ich nicht lösen. Er sollte mit seinen fast 18 Jahren in der Lage sein zu denken. Es ist nicht meine Aufgabe in dieser Angelegenheit ungefragt mitzumischen. Selbst wenn er sich seine Zukunft verbaut.

Zum Thema der Ehe deiner Bekannten: Auch das ist nicht deine Aufgabe. Sie ist ein erwachsenes Wesen, die ihre Handlungen selber einschätzen sollte. Außerdem kennst du nur eine Seite. In einer fremden Ehe, oder auch Gefährtenschaft, sollte niemand dazwischen mischen. Sie sollte ihre Probleme in ihrer Gefährtenschaft mit ihrem Mann lösen, anscheinend gibt es dort Kommunikationsprobleme unter den beiden, die du ohnehin nicht lösen kannst. Du bist nicht deren Therapeut. Vielleicht leidet sie unter dem Emanzensyndrom, da ist ihr dann ohnehin nicht mehr zu helfen. Sarkasmus beiseite.
Und selbst wenn ihre Ehe zerbricht, es ist ihre Entscheidung.
Und so nebenbei: Selbst wenn sie dich fragt und du sagst etwas dazu, kann sich das Blatt schnell wenden und dich zum Beschuldigten machen, wenn es zwischen den beiden besser läuft Blinzeln.

Meine Grüße

Lohe
"Die Menschen drängen sich zum Lichte, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu glänzen"
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#18
Zitat:Diese Aussage impliziert für mein Verständnis, daß der Mensch nur lernen kann (oder darf?), indem er höchstselbst vor die Wand läuft.
Da gibt´s auch ein englisches Sprichwort, das ich immer sehr gut fand:
"Learn from the mistakes of others. You´ll never live long enough to make them all yourself."
(Lerne aus den Fehlern anderer. Du wirst nicht lange genug leben, um alle selbst zu machen.)

Die vielen, vielen Fehler der anderen müßen aber nicht unbedingt auf mich zutreffen und ich muss doch niemals alle Fehler dieser Welt machen. Die Fehler die mich betreffen mache ich ganz alleine und lerne auch von diesen. Das sind wichtige Erfahrungswerte. Ich kann doch nicht die Erfahrung des einen oder anderen gleichsetzen mit selbst erarbeiteten Erkenntnissen! Und wenn es nur "vor die Wand rennen" ist.

Benötige ich Erfahrungswerte anderer, um sie zu meinem Vorteil zu nützen, sind auch diese auf mich zugeschnitten. Deshalb sucht man auch bestimmte Personen auf, wenn Rat oder Wissen gebraucht wird.

Außerdem gefällt mir an diesem Spruch die Verfluchung nicht.
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#19
Zitat:Ich glaube, damit hab´ ich ein Problem. Diese krasse Grenze zwischen "Zuhause" und dem Rest meines Umfeldes zu ziehen, ergibt mir keinen wirklichen Sinn.

Denke bei "Zuhause" einfach an Dein sehr engen Freundeskreis und manche Verwandtschaft. Das ist Deine "Familie". Großfamilien und Clan wie früher gibt es ja kaum noch, daher ist das durch Dein "enges Umfeld" (im geistigen Sinn, nicht unbedingt der Nachbar) ersetzt.
Dort sage ich schon mal meine Meinung, wenn ich einem Gespräch unmittelbar ausgesetzt bin und es sinnvoll erscheint. (Schwerwiegende "Fehler" von Familienangehörigen können ja auf einen selbst zurückfallen). Umgekehrt nehme ich es auch nicht krumm, wenn ich z.B. über etwas berichte und hin und wieder ein Kommentar "zwecks Verbesserung" kommt. Hier spielt dann mehr eine Rolle "wie" die Einwände vorgebracht werden - da ist das emotionale Einmischen/Vorschreiben leider oft gleich um die Ecke.

Der Spruch oben bzgl. des Lernens von Fehlern anderer: bei alltäglichen Dingen (Kollege vermurkst seinen PC mit einem Update, aber auch spirituell: Bekannte wird nach Reiki-Therapie "gaga") ist es klar, dass man das nicht nochmal selbst durchmachen sollte, aber die wirklich wichtigen Dinge sind oft sehr individuell und da sehe ich es wie Pamina oben geschrieben hat.


Gruß
Erst wissen, dann denken. Erst denken, dann reden.
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