Prussia
#1
Entweder man findet einen Weg oder man schafft einen Weg!
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#2
Geschichte Preußens

   

Sensationsfund im Mecklenburger Schloß: Vor hundert Jahren wurden verschollene Briefe von Friedrich dem Großen an seinen Kammerdiener ediert. Sie geben Einblick in das vertrauliche Arbeits- und auch Freundschaftsverhältnis.

Im Frühjahr 1926 erschien in der Verlagsanstalt Hermann Klemm AG in Berlin-Grunewald die Dokumentenpublikation „Die Briefe Friedrichs des Großen an seinen vormaligen Kammerdiener Fredersdorf“. Herausgegeben hatte das Buch der Historiker Johannes Richter, welcher im Spätherbst 1924 beim Besuch eines Thüringer Schlosses zufällig von der Existenz jener bislang unbekannten Briefe des preußischen Königs erfuhr. Aufbewahrt wurden die über 300 Briefe im mecklenburgischen Schloß Prebberede nahe Rostock vom Grafen Adolf von Bassewitz, nach dessen unlängst erfolgtem Tode sie auf acht Erbenstämme aufgeteilt wurden.

Ein Teil davon stand gerade vor dem Verkauf nach Amerika, um sie auf dem dortigen Handschriftenmarkt gewinnbringend zu veräußern. Johannes Richter handelte kurz entschlossen und verschaffte sich Abschriften aller jener nicht gerade leicht lesbaren Briefe und ließ sie zusätzlich von Handschriftenspezialisten des Geheimen Staatsarchivs in Berlin auf ihre Echtheit überprüfen. Danach gab er sie kommentiert als Quellenedition heraus. Die Briefe stammten unzweifelhaft von Friedrich dem Großen und bildeten Bruchstücke seines einst regen Briefwechsels mit einem engen Vertrauten, dem vormaligen Soldaten und späteren Kammerdiener Michael Gabriel Fredersdorf.

Fredersdorf war aus der Kleinstadt Gartz an der Oder gebürtig und ein Sohn des dortigen Stadtmusikus. Dabei war Fredersdorf selbst musikalisch nicht unbegabt. Nach dem Eintritt in ein Infanterieregiment in Frankfurt/Oder wurde er als Militärmusiker ausgebildet und verkürzte als Soldat dem gerade wegen seines Fluchtversuchs auf der Festung Küstrin einsitzenden preußischen Kronprinzen durch sein Flötenspiel die Zeit der Gefangenschaft.

Kammerdiener erhielt Rittergut bei Rheinsberg

Als Friedrich von seinem Vater zwecks Bewährung als Offizier und künftiger Regent nach Schloß Rheinsberg entlassen wurde, folgte ihm Fredersdorf, der dort zuerst als Lakai (Hausbediensteter) und später als Kammerdiener Verwendung fand. Ein aus der Gegend von Rheinsberg stammender Baron von Bielfeld schrieb 1739 über den damals 31jährigen Fredersdorf: „Der erste Kammerdiener des Kronprinzen, Herr Fredersdorf, ist ein großer und schöner Mann, nicht ohne Geist und Feinheit, er ist höflich und zuvorkommend, geschickt und in seiner Gewandtheit überall brauchbar, auf seinen geldlichen Vorteil bedacht und zuweilen etwas großartig. Ich glaube, daß er dereinst eine große Rolle spielen wird.“

Mit dieser Prophezeiung behielt der Baron recht, denn als Friedrich 1740 preußischer König wurde, rückte Fredersdorf zum Geheimen Kammerarier (Güterverwalter) des jungen Königs auf, was eine große Bezeugung von Vertrauen in die wirtschaftliche Geschicklichkeit und in die Ehrlichkeit von Fredersdorf bedeutete. Wie zufrieden Friedrich II. mit seinem Fredersdorf war, bezeugt der Umstand, daß er ihm damals das Rittergut Zernickow unweit von Rheinsberg schenkte, obwohl Friedrich ansonsten gar nicht gern Rittergüter in bürgerliche Hände übergehen sah.

Als Kämmerer und Güterverwalter des Königs kümmerte sich Fredersdorf darum, daß die persönliche Schatulle des Königs immer wohlgefüllt war, und ließ für den König dessen Schlösser und Gärten in Schuß halten sowie die dortigen Weinkeller und Speisekammern stets wohlgefüllt sein. Fredersdorf litt oft an fiebrigen Krankheiten, und der König als sein Freund schrieb ihm deshalb zartfühlend: „ich wollte Dihr so gern helffen, als ich das leben habe! Und glaube gewisse, daß, wo es von Mihr dependirte (abhinge), Du gewisse gleich gesundt seindt solst.“

Fredersdorf organisierte Spionage für Friedrich den Großen

Diese Freundschaft und Treue war gegenseitig, und als der mit 50 Jahren verstorbene Fredersdorf am 12. Januar 1758 in der Zernickower Kirche beigesetzt wurde, hatte er vorher verfügt, daß seine alte Patronentasche aus den Frankfurter Soldatentagen auf seinen Sarg gelegt werden möge.

Interessant und spannend ist der aus dem Briefwechsel hervorgehende Umstand, daß Fredersdorf nicht nur König Friedrichs Finanzen verwaltete, sondern auch für ihn den Spionagedienst gegen Österreich und Sachsen organisierte. Für 3.000 Taler verschaffte Fredersdorf dem preußischen König die Geheimchiffre des österreichischen Gesandten in Berlin. Aus dessen geheimer Korrespondenz mit Wien ging anschließend hervor, daß der österreichische Diplomat seine besten Informationen vom stets wohlinformierten dänischen Legationssekretär Schneider erhielt. Friedrich der Große wies deshalb Fredersdorf an, beim Bezahlen seiner verwendeten Spione sehr diskret und keinesfalls sparsam zu sein.

Die Fredersdorfschen Spionageaktivitäten werden im Beitrag „Spionage und militärischer Nachrichtendienst in Preußen 1740–1806“ beschrieben. Dieser findet sich im Buch von Jürgen W. Schmidt „Spione, Betrüger, Geheimoperationen – Fallstudien und Dokumente aus 275 Jahren Geheimdienstgeschichte“ (Berlin 2015).
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#3
Der schiefe Fritz als Erfinder

   

In der Regel weist man Friedrich III./I. unter den preußischen Herrschern eine marginale Stellung zu. Zwischen seinem Vorgänger, dem Großen Kurfürsten, und seinem Nachfolger, dem Soldatenkönig, verschwand er, reduziert auf den Moment des Kronerwerbs, weitgehend aus der Wahrnehmung.

Der schmächtige Monarch litt unter einer verkrümmten Wirbelsäule und anderen Gebrechen. Der „schiefe Fritz“ – so spotteten die Zeitgenossen – war tatsächlich alles andere als eine blendende Erscheinung. Was jedoch die Bedeutung seiner Ideen, Initiativen und Leistungen oder besser: seinen historischen Rang betrifft, so bedarf das vorherrschende Bild des bislang kleingeschriebenen Königs einer Korrektur. Einer deutlichen. Dies führt der Potsdamer Kunsthistoriker Peter Stephan jetzt in „Friedrich I. Die Erfindung Preußens“ klar vor Augen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Friedrich handelte planvoll

Der Potsdamer Barockexperte richtet in seinem mit zahlreichen Abbildungen versehenen Buch den Fokus stark auf Kunst, vor allem Architektur, in der das Herrschaftsverständnis und die Staatsidee Friedrichs in einer den unvorbereiteten Betrachter unserer Tage oft überfordernden Mannigfaltigkeit und Raffinesse zum Ausdruck kommen. Stephan führt seinen Leser in längeren Passagen, die etwa die Hälfte des Buchumfangs ausmachen, ausführlich durch von Andreas Schlüter und andere realisierte Werke.

Der Autor läßt kein Detail aus und betont, daß – trotz der Eigenleistung der Künstler – letztlich der Auftraggeber, also Friedrich, als Urheber zu betrachten sei. Auch ein instruktives, allgemein gehaltenes Kapitel über „Architektur als gebaute Staatsform“, über das Wechselspiel von Ordo und Dekorum, also von Anordnung und Angemessenheit der jeweiligen Bauelemente, findet sich, natürlich mit Blick auf die Epoche Friedrichs.

Staatsidee und Herrschaftsverständnis und damit die „Erfindung“ Preußens und das Königtum sind insgesamt das Thema Stephans. Gezeigt wird ein planvoll handelnder Friedrich. Weiteres Biographisches kommt nicht zu kurz, wird aber eher knapp abgehandelt. Friedrichs Vater, der Große Kurfürst, war wenig glücklich, diesen Sohn zum Nachfolger aufbauen zu müssen. An eine Aufteilung des Landes unter seine Söhne dachte er gar, womit es niemals eine Großmacht Preußen gegeben hätte. Friedrich setzte aber seine Ansprüche durch. Seit 1688 als Friedrich III. brandenburgischer Kurfürst, habe er sehr gezielt, so Stephan, die prestigeträchtige Rangerhöhung zum König betrieben. Erstmals aktenkundig wurden die Bestrebungen 1692.

Am 18. Januar 1701 konnte er sich schließlich in Königsberg selbst die Krone aufsetzen, nunmehr als Friedrich I. Als kleiner Makel blieb, daß er nur König "in Preußen" war, nicht "von Preußen", die Königswürde bezog sich de jure nur auf das ehemalige Herzogtum Preußen, nicht auf das 1466 an Polen abgetretene „Preußen königlichen Anteils“. Dennoch war die Bedeutung des Kronerwerbs für das Zusammenwachsen seines Herrschaftsgebietes und die spätere Machstellung Preußens – der Name des Herzogtums ging auf den gesamten Herrschaftsbereich über – kaum zu überschätzen.

Maß und Mäßigung waren Friedrichs Leitlinien

Prinz Eugen bemerkte, man hätte demjenigen, der dem Kaiser geraten habe, dem Kronerwerb zuzustimmen, den Kopf vor die Füße legen müssen. Das Nebeneinander der unterschiedlichen Legitimationsstrategien Friedrichs – „Erwerb der Herrschaft aus eigner Kraft“, „Verdienste der eigenen Dynastie“ sowie „Anerkennung seitens des Volkes“ – erklärt Stephan und zeigt auf, daß sich hieraus für uns ergebende Widersprüche dem Zeitgenossen des Barock keineswegs als solche erschienen wären.

Besonderes Augenmerk der Darstellung liegt auf Friedrichs Wahlspruch „Suum cuique“, auf dem antiken „Jedem das Seine“. Das Naturrecht habe Friedrich als Grundlage betrachtet, hier beraten von und in vollem Einklang mit dem Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz. Im Naturrecht kann das Recht nicht durch den Herrscher gesetzt werden. Derartige Orientierungen seien etwa dem französischen König Ludwig XIV., der mehrfach als Vergleich herangezogen wird, völlig fremd gewesen.

Maß und Mäßigung galten Friedrich als Leitlinien, der aus „Suum cuique“ für sich das Recht auf sein Königtum ableitete. Neben Leibniz seien es Gelehrte wie Chr*stian Thomasius, Chr*stian Wolff oder Samuel Pufendorf gewesen, aus deren Gedankenwelt Friedrich geschöpft habe. Friedrichs Preußen sei, so Stephan, ganz anders gedacht gewesen als das der Nachfolger, von diesen sei die „äußere Hülle (…) mit anderem Inhalt gefüllt worden“.

Vielzahl von Gründungen geht auf Friedrich III./I. zurück

„Suum cuique“ sollte auch die Devise des „Schwarzen Adlerordens“ werden, der einen Tag vor der Königsberger Krönung gestiftet wurde. Stephan meint, daß dieser Orden, der sich auf den Deutschen Orden und das Vorgängerreich der Prussen bezog, Voraussetzung und Rechtsgrundlage der Krönung gewesen sei – eine These, die der Autor selbst für „gewagt“ hält, allerdings nachvollziehbar begründet. Als Friedensherrscher wird Friedrich beschrieben, der ihm stets unterstellte Hang zur Verschwendung als staatsmännische Notwendigkeit dargestellt, was ein wenig bemüht anmutet.

Stephan, der ausführt, daß „Erfindung“ im Zusammenhang mit dem preußischen Staat eher im Sinne der lateinischen „inventio“, also eines Gesamtentwurfs zu verstehen sei, ordnet eine Vielzahl von Gründungen in Friedrichs Plan ein – etwa die Universität Halle, entstanden 1694, oder die Franckeschen Stiftungen, entstanden 1698.

   

Und die Herrschaft Friedrichs III./I. finde ihren Ausdruck eben in der Kunst: im Reiterstandbild des Großen Kurfürsten, mit welchem der Sohn diesen für sein Programm quasi vereinnahmt habe, im Berliner Zeughaus, das mit seiner Symbolik gegen die dictamen stehe, und insbesondere im Berliner Schloß. In diesem Werk Schlüters sei etwa in der Fassade der Ordensmantel des „Schwarzen Adlers“ versinnbildlicht, „der dem „Baukörper gleichsam umgelegt wurde, wobei der Adlerfries unterhalb der Traufkante die Halskette bildet, die über dem Mantel getragen wurde“.

Mag sein, daß man nicht nahezu alle einigermaßen relevanten Entwicklungen der Herrschaftszeit Friedrichs auf diesen selbst zurückführen muß, wie es Stephan tut. Jedoch dürfte es spätestens mit dessen Arbeit an der Zeit sein, dem „schiefen Fritz“ endlich den ihm zustehenden Platz im preußischen Pantheon zu gewähren.
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#4
Was ich noch zum "Schiefen Fritz" anfügen möchte.

Dieser Forscher- und Entdeckerdrang war ihm zu eigen, und er umgab sich mit vielen Gelehrten, Wissenschaftlern und Forschern. Noch mehr tat dies seine Frau, die Königin Sophie Charlotte, nach welcher der Berliner Stadtteil Charlottenburg (vorher Lietzenburg) benannt wurde. Sophie Charlotte, "die Figuelotte", wie sie sich selbst nannte. Das bedeutet "kleine Feige" und ist ein liebevolles französisches Wortspiel für einen "kleinen Wildfang". In Bayern würde man wohl "Geierwally" sagen.

   

Obwohl sie kindlich war, versuchte sie sich oft als kleine "große Dame" aufzuspielen. Aus diesem Grund wurde der Name zum liebevollen Synonym für ihre charakterstarke, verspielte und gleichzeitig würdevolle Persönlichkeit. Aus diesem verspielten Kind wurde später eine der gebildetesten und bedeutendsten Frauen ihrer Zeit, die den preußischen Hof in ein kulturelles Zentrum verwandelte. Der Begriff "Figuelotte" wird heute zudem oft als Buchtitel für historische und biographische Arbeiten über ihr Leben im Barock verwendet.

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) besucht Königin Sophie Charlotte von Preußen.

   
Königin Sophie Charlotte (1668–1705) war die erste Königin in Preußen und ging als „Philosophin auf dem Thronsessel“ in die Geschichte ein. Sie initiierte 1700 die Gründung der Akademie der Wissenschaften, zu deren ersten Präsidenten der berühmte Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz ernannt wurde.
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